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1860 München nach dem Zwangsabstieg: Warum es für die Löwen diesmal noch schlimmer ist als 2017

Insolvenz bei 1860 München

Katastrophe, die zweite: Der TSV 1860 ist am Tiefpunkt – und diesmal ist alles noch schlimmer

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    Die Gesichter der Krise des TSV 1860 München: Präsident Gernot Mang (links) und Investor Hasan Ismaik. Der Deutsche Meister von 1966 muss in der kommenden Saison in der Regionalliga antreten.
    Die Gesichter der Krise des TSV 1860 München: Präsident Gernot Mang (links) und Investor Hasan Ismaik. Der Deutsche Meister von 1966 muss in der kommenden Saison in der Regionalliga antreten. Foto: Ulrich Wagner, Imago (Fotomontage)

    Das Schlimmste ist vielleicht, wie sich die Bilder gleichen. Verantwortliche des TSV 1860 München stehen in einer improvisierten Pressekonferenz vor der Geschäftsstelle und geben den Medienvertretern sowie den geschockten Fans Auskunft über die Lage des Klubs. Und die ist alles andere als rosig. Die Finanzierung für die 3. Liga ist geplatzt, die Lizenz futsch. Ein Neuanfang in der Regionalliga steht an. Das war am Freitag, dem 2. Juni 2017, so. Und exakt jenes Horrorszenario wiederholte sich am Mittwoch, 3. Juni 2026, fast auf den Tag genau neun Jahre später. Um kurz vor 17 Uhr traten Aufsichtsratsvorsitzender Herbert Bergmaier und Präsident Gernot Mang vor die Öffentlichkeit und verkündeten das, was sich eigentlich keiner so recht vorstellen konnte: Die Löwen bekommen zum zweiten Mal innerhalb von neun Jahren keine Lizenz für die 3. Liga. Wie damals war der Verein mit großen Ambitionen in die Saison gestartet – und ist nun am Tiefpunkt angelangt.

    Immerhin: Gelächelt hat diesmal niemand. Am „Schwarzen Freitag“ des Jahres 2017 hatte der damalige stellvertretende Präsident noch zusätzlichen Ärger der Fans auf sich gezogen, weil er bei seinen Ausführungen gelächelt hatte. Statt zehn Millionen wie vor neun Jahren fehlten nun 2,7 Millionen Euro. Die Auslöser war in beiden Fällen derselbe: Misswirtschaft, verbunden mit ausgebliebenen Krediten des Investors Hasan Ismaik. Fehlten vor neun Jahren noch rund zehn Millionen Euro, waren es diesmal 2,7 Millionen Euro. Ismaik hatte erst Ende Mai Darlehensverträge über diese Summe gekündigt und die Vereinsführung damit „komplett überrascht“, so Präsident Mang. Der Klub war zu diesem Zeitpunkt damit beschäftigt, das sechzigjährige Jubiläum der Deutschen Meisterschaft von 1966 zu feiern.

    Die Löwen-Spitze hatte seither fieberhaft versucht, das Geld wiederzubeschaffen – in erster Linie von Ismaik selbst. Der Jordanier hatte daran aber Forderungen geknüpft, die der Verein aus „juristischen und wirtschaftlichen Gründen“ nicht erfüllen konnte, so Mang. „Wir haben verhandelt, aber es gibt Grenzen, wo wir nicht ja sagen konnten.“

    1860-Investor Hasan Ismaik: „Heute empfinde ich große Traurigkeit“

    Der Jordanier Hasan Ismaik ist mit seinem Unternehmen HAM einer von zwei Gesellschaftern der Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA), der andere ist der TSV 1860 e.V. selbst. Ismaik hält 60 Prozent an der KGaA, die für den Profifußball maßgeblich ist. Er ließ nach dem feststehenden Lizenzentzug in sozialen Medien eine Stellungnahme verbreiten, in der er die Vereinsführung attackiert. Das Grundproblem seien seit vielen Jahren „wiederkehrende finanzielle Defizite“, weil mehr ausgegeben als eingenommen werde. „Jahr für Jahr mussten zusätzliche Mittel bereitgestellt werden, um diese Lücke zu schließen.“ Dass es trotz aller Verhandlungen nicht gelungen sei, eine Lösung zu finden, bedrücke ihn selbst, so Ismaik: „Heute empfinde ich große Traurigkeit.“

    Für viele Löwen-Fans klingen diese Worte wie Hohn, die Wut auf den Investor ist riesig. „Geh mit Gott, aber geh“, sagte eine Löwen-Anhängerin dem BR auf die Frage hin, was sie dem Geschäftsmann sagen wolle, der seit 2011 an Bord ist. Dabei schien es erst vor einem Jahr, dass die Tage des Jordaniers bei den Löwen gezählt seien. Ein Verkauf der Anteile schien schon fix zu sein, die Löwen-Fans feierten das mit Feuerwerk – und dann zerschlug sich alles, mal wieder. Zuletzt hatte es Gerüchte über einen Einstieg von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger gegeben.

    Die Vorzeichen sind deutlich schlechter als beim letzten Zwangsabstieg

    In der kommenden Saison werden die Löwen in der Regionalliga Bayern an den Start gehen, der Bayerische Fußball-Verband (BFV) bestätigte bereits die Aufnahme in die vierte Liga. Diese wird im kommenden Jahr deswegen mit 19 statt 18 Klubs an den Start gehen. Die Gegner des TSV 1860 heißen dann etwa TSV Landsberg, Schwaben Augsburg, TSV Memmingen.

    Die Vorzeichen für den Neustart sind diesmal aber deutlich düsterer als beim letzten Crash. Damals brach die Mannschaft völlig auseinander, bekam aber durch die zweite Mannschaft, die zuvor in der Regionalliga Vizemeister geworden war, ein neues Gerüst. Dazu blieben Figuren mit Strahlkraft wie Stürmer Sascha Mölders oder Trainer Daniel Bierofka. All diese Faktoren gibt es diesmal nicht. Der Trikotsponsor „Die Bayerische“ wird anders als 2017 nicht mit in die vierte Liga gehen, das Versicherungsunternehmen machte von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch. Die U21 der Löwen, deren Trainer Alper Kayabunar wahrscheinlich auf Markus Kauczinski folgt, wird nun den Kern der neuen Löwen bilden. Bierofka, der bei den Löwen immer noch eine Lichtgestalt ist, meldete sich am Donnerstag via BR zu Wort – und machte keinen Unterschied zwischen Vereinsführung und Ismaik: „Es ist eine Schande. Verantwortungslos. Charakterlos. Von allen Beteiligten.“

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