Mathematische Kopfstände waren nicht vonnöten. Um sich die Qualifikation für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr zu sichern, durfte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nicht verlieren. Punkt. Bereits ein Unentschieden gegen die Slowakei hätte genügt, um sich im abschließenden Qualifikationsspiel die sichere Teilnahme zu erspielen. Die WM-Endrunde in den USA, Kanada und Mexiko wäre erreicht gewesen – ohne nervenaufreibende Play-offs.
Bundestrainer Julian Nagelsmann wollte zugleich für Klarheit sorgen, ehe noch mehr Zweifel an der Leistungsfähigkeit seiner Auswahl – und damit indirekt an seiner Arbeit – aufkamen. Das jüngste 2:0 in Luxemburg hatte formal die Vorgaben erfüllt, ebenso aber einen weiteren Beleg dafür geliefert, wie wenig überzeugend die Auftritte des DFB-Teams jüngst waren. Wenig hatte zusammengepasst, selbst kleine Nationen hatten die Mannschaft zuletzt vor Probleme gestellt.
Deutsche Nationalmannschaft glänzt mit Spielfreude, Lockerheit und Toren
Mit einem überzeugenden Erfolg gegen die Slowakei wollte Nagelsmann für Ruhe sorgen. Und das gelang dem Bundestrainer mit seiner Mannschaft am Montagabend eindrucksvoll. Beim 6:0 (4:0) glänzte das DFB-Team in der ersten Hälfte mit Spielfreude, Lockerheit und Toren. Aus der vermeintlichen Zitterpartie wurde ein Auftritt, der für Künftiges hoffen lässt.
Die Spieler waren längst nicht mehr mit überbordendem Selbstvertrauen ausgestattet gewesen, so suchte ein Ausnahmespieler wie Florian Wirtz in Verein und Nationalmannschaft nach Form und Leichtigkeit. Gegen die Slowakei zeigte er zumindest eine aufsteigende Tendenz. Positiv bemerkbar machte sich zudem die Rückkehr von Kapitän Joshua Kimmich und Abwehrspieler Nico Schlotterbeck, die der Abwehrkette Stabilität verliehen. Die deutsche Mannschaft wollte sogleich für klare Verhältnisse sorgen, ließ den Ball zirkulieren und versuchte, die engmaschigen Reihen der Slowaken zu zerklüften. Zudem gingen sie unmittelbar ins Gegenpressing über, sobald sie den Ball verloren hatten. Wiederholt war Leroy Sané die vorletzte Station auf dem Weg zum gegnerischen Tor, schon gegen Luxemburg war er maßgeblich an den Toren beteiligt. Doch fehlte es seinen Flanken und finale Pässen zunächst an Präzision.
Leroy Sane und Florian Wirtz überzeugen mit Toren und Assists im DFB-Dress
Den Lärmpegel erhöhte erstmals Kimmich, als er sich den Ball ergrätschte und Wirtz bediente. Dieser allerdings legte einmal mehr Zeugnis seiner noch ausbaufähigen Form ab (15.). Die rechte Seite indes blieb die aktivere. Und so war es dann wenig verwunderlich, dass dort die Führung ihren Ausgangspunkt hatte. Kimmich servierte für Nick Woltemade, der in Klose-Manier per Kopf zum 1:0 einnickte (18.). Nagelsmann, der bis dahin die Hände in den Parka-Taschen vergraben hatte, ballte die Faust, hüpfte und jubelte am Seitenrand.
Es folgten zwei bange Momente in der 21. Minute, in denen David Duris für einen kurzzeitigen Schock hätte sorgen können. Dann allerdings zeigte das DFB-Team eine Leichtigkeit und Lockerheit, die ihr dieser Tage nicht zuzutrauen war. Aleksandar Pavlovic steckte zu Leon Goretzka, der wiederum schickte den Ball zu Serge Gnabry. Souverän schob er den Ball zum 2:0 ins Netz (29.). In diesem Stil sollte es bis zur Pause weitergehen. Wirtz wirkte bis dato unglücklich in seinen Aktionen, schöpfte aber mit zwei zentimetergenauen Vorlagen für Sané sein Potenzial aus. Beide Male versenkte der Offensivspieler auf Bewährung souverän (36./41.).
Debütant Ouedraogo trifft in Leipzig
Nagelsmann war es ob des spielerischen Feuerwerks seiner Mannschaft im nasskalten Leipzig warm geworden. Den Parka warf er auf die Bank. Die Fans grölten viermal die Völlig-Losgelöst-Torhymne, ehe sie klassisches Liedgut anstimmten (Oh, wie ist das schön) und sich an La-Ola-Wellen berauschten.
In Hälfte zwei blieb die Slowakei ein dankbarer Gegner, der nicht über die Mittel verfügte, das DFB-Team zu bedrängen. Stattdessen durfte der eingewechselte Ridle Baku zum 5:0 einschieben (67.); und Debütant Assan Ouedraogo wurde sein erstes Länderspieltor ermöglicht (79.).
Deutschland jetzt unter den besten neun Nationen der Fifa-Rangliste
Beim Showdown in Leipzig ging es für die Nagelsmänner nicht nur um das Ticket für die WM 2026, sondern auch um eine gute Ausgangslage für die Gruppenauslosung. Mit dem Sieg gegen die Slowakei hat sich Deutschland unter die besten neun Nationen der Fifa-Rangliste geschoben. Deutschland ist somit bei der Auslosung am 5. Dezember in Los Angeles im ersten Lostopf gesetzt, gemeinsam mit Titelkandidaten wie Weltmeister Argentinien, Europameister Spanien, Frankreich, Brasilien und England. Damit sind der Nationalmannschaft mögliche Gruppenspiele gegen diese Favoriten im kommenden Sommer in Nordamerika erspart geblieben.
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