Von Peter Deininger Augsburg - Aller Anfang ist schwer. Als Alexander Grimm im Alter von neun Jahren in Augsburg sein erstes Kajakrennen bestritt, war bereits nach dem ersten Lauf Schluss. "Es war im Winter 1996. Es schneite und war bitterkalt. Ich hatte Wasser im Boot und war vollkommen durchgefroren." Im Sommer 2008 kann Grimm darüber lachen, denn der 21-Jährige ist der Kajak-König im Kanuslalom.
Seit der Sportsoldat am 12. August im Wildwasserkanal von Shunyi bei Peking olympisches Gold gewann, hat sich das Leben für den Wellenbändiger grundlegend geändert. "Wenn ich durch Augsburg gehe, werde ich von vielen Leuten erkannt und angesprochen." Grimm gewann in Peking das erste Gold für Deutschland, der Strahlemann mit den blauen Augen ist ein viel gefragter Mann. Nicht nur die Heimatstadt feiert den Wildwasser-Experten. Seit er vergangene Woche aus China zurück ist, wird Grimm auf einer Welle der Begeisterung herumgereicht.
Die Fernsehsender reißen sich um ihn. Grimm nimmt das Interesse amüsiert zur Kenntnis und will den neuen Ruhm dazu verwenden, dass sich mehr Menschen mit seiner Sportart beschäftigen. Zur Erklärung: Er sitzt im Kajak-Einer, seine Sportart heißt Kanuslalom. Es gibt deutsche Sportjournalisten, denen das nicht klar ist, sagt Grimm. "Da war die chinesische Reporterin in Peking besser informiert, vielleicht lag das ja an den Informationen durch die Staatssicherheit."
Grimm hat Olympia in Peking bis zum letzten Tag genossen. Nur alle vier Jahre kann sich eine Randsportart wie Kanuslalom für ein paar Tage im Mittelpunkt des Interesses fühlen. Grimm hat in den vergangenen drei Wochen viel erlebt. "Es gibt einige Momente, die mir besonders in Erinnerung bleiben werden: die grandiose Eröffnungsfeier, dann die Nationalhymne bei meiner Siegerehrung und der Empfang vergangene Woche in Augsburg. Da wird einem erst bewusst, was man geleistet hat und wie viele Menschen sich mit einem freuen."
Grimms Triumphfahrt im fernen China hat Sogwirkung in der gesamten Region. Nächste Woche verabschiedet sich der Hauptgefreite aus der Sportfördergruppe Sonthofen und wird gleichzeitig vom Bürgermeister empfangen. Die Stadt Friedberg erinnert daran, dass der Goldjunge die heimische Fachoberschule besuchte und in Dillingen an der Donau feierte Grimm seinen allerersten Kajaksieg. "Das war 1996 im Alter von zehn Jahren." Nach Auskunft von Horst Woppowa, Abteilungsleiter seines Vereins Schwaben Augsburg, war schon früh zu erkennen, dass mit Grimm ein außergewöhnliches Talent heranreift.
So ein Olympiasieg bietet nicht nur Stoff für Erinnerungen, sondern auch für "verrückte Geschichten", sagt Grimm und erzählt von der besonderen Würdigung in Traunstein. Der Olympiasieger war noch nie da, aber dort lebt ein entfernter Verwandter der Familie. Darüber berichtete die Lokalzeitung und der Artikel wurde kürzlich bei der Grundsteinlegung für die neue Schule mit eingemauert.
Grimm steckt mitten im Feiermarathon. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht Kinder Selbstgebasteltes überreichen oder um ein Autogramm bitten. "Über 1000 Mal" habe er seinen Namen mittlerweile geschrieben, schätzt er. Noch hat er nicht seine gesamte Post gelesen. Aber es gab junge Damen, die außergewöhnliche Angebote machten. "Eine schrieb mir per Mail, dass sie sich als Freundin zur Verfügung stellen würde." Darauf wird der Olympiasieger wohl nicht zurückkommen, die Offerten einiger Manager prüft der Augsburger dagegen ernsthaft. Sein Marktwert dürfte sich erhöht haben, aber er ist realistisch genug, um zu wissen, dass er mit seinem Sport "nicht so viel verdienen kann, um davon ein Haus zu bauen oder 40 Jahre leben zu können". Grimm studiert ab Oktober Maschinenbau an der FH Augsburg und hofft, dass er Sport und Berufsausbildung verbinden kann. Für die nächste Saison hat er sich eine Medaille bei der WM in Spanien vorgenommen. Der deutschen Meisterschaft am Wochenende in Augsburg sieht er nicht so zuversichtlich entgegen. "Ich saß seit meinem Olympiasieg erst einmal im Boot. Dabei hatte ich das Gefühl, dass ich viel verlernt habe", sieht er sich nicht als Favorit. Grund zum Feiern hat er auf alle Fälle - am Samstag wird er 22.
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Erleben Sie noch mal den Empfang für Alexander Grimm in Augsburg im Video unter augsburger-allgemeine.de