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Fußball
17.11.2020

Fußball-Nationalelf: Der neue Rekordmann heißt Manuel Neuer

Manuel Neuer absolvierte gegen die Ukraine sein 95. Länderspiel für die Fußball-Nationalmannschaft.
Foto: Robert Michael, dpa

Der 34-jährige Torhüter der DFB-Auswahl Manuel Neuer überholt im Spiel gegen Spanien am Dienstag den bisherigen Spitzenreiter Sepp Maier in Sachen Einsatz .

Grob gesehen lässt sich die Fußballwelt in zwei Lager einteilen. In die Torhüternationen und die anderen. Die anderen haben nicht selten eine tolle Mannschaft, aber zwischen den Pfosten steht einer, der besser Rasenpfleger geworden wäre, weshalb sie selten etwas gewinnen. Deutschland gehört zu den Torhüternationen.

Während in Brasilien aus jedem Quadratkilometer Strand ein Dutzend Edeltechniker erwächst, gedeiht hierzulande das am besten, was unter einem Querbalken heranwächst. Sollte Manuel Neuer ausfallen, würde ihn André ter Stegen vertreten, und zwar so gut, als stünde Neuer selbst zwischen den Pfosten. Müsste Barcelonas Stammkeeper ter Stegen passen, kämen Bernd Leno oder Kevin Trapp zum Einsatz und niemand bräuchte sich um das deutsche Tor sorgen.

Kahn, Maier, Neuer: Die Welt beneidet den deutschen Fußball um seine Torwarte

Auch in dunkelsten deutschen Fußball-Zeiten, wie zur Jahrtausendwende, als ein armseliger Haufen unter Anleitung des stets adrett gekleideten Erich Ribbeck den Ball und die Menschen im Land quälte, hatten die Deutschen im Titanen Oliver Kahn immer noch einen Mann zwischen den Pfosten, um den sie die Welt beneidete. Dabei war Kahn nur einer in der langen Galerie großartiger Torhüter-Ahnen, die von Toni-"Fußballgott"-Turek über Sepp-"Die-Katze-von-Anzing"-Maier bis zu diversen Welttorhütern reicht.

Manuel Neuer steht gegen Spanien zum 96. Mal im deutschen Tor.
Foto: Timgroothuis

Immer schon gehörte es zum Selbstverständnis des FC Bayern, dass der beste Torhüter im Land das Tor der Münchner hütet. Für eine Preziose zwischen den Pfosten war den Roten nichts zu teuer. Erste prägende Figur im Bayern-Tor war Sepp Maier, der 536 Mal bei Bundesliga-Spielen im Kasten stand und mit 95 Einsätzen in der Nationalmannschaft bis Samstag Rekordkeeper war. Beim 3:1-Sieg der deutschen Mannschaft gegen die Ukraine hat Manuel Neuer mit Maier gleichgezogen. Im entscheidenden Nations League-Spiel um Platz eins in Sevilla, heute Abend (20.45 Uhr/ARD), gegen Spanien wird er alleiniger Rekordmann sein.

Neuer ist noch immer der beste Torhüter der Welt

Neuer gilt mit seinen 34 Jahren noch immer als bester Torhüter der Welt. Er hat stabile Nerven, ist furchtlos, reaktionsschnell, geschickt im Herauslaufen; er beherrscht den Strafraum und ist zudem der fußballerisch beste Kicker im Tor, der das Spiel schnell macht. Vor allem diese offensive Interpretation der Torwartposition schätzen Trainer.

Das ganze Paket hat Neuer insgesamt viermal die Auszeichnung "Welttorhüter des Jahres" eingebracht. Doch der gebürtige Gelsenkirchener ist nicht nur Weltklasse zwischen den Pfosten, er hat sich auch zu einer Persönlichkeit entwickelt, die ihm sowohl beim FC Bayern als auch in der Nationalmannschaft die Kapitänsbinde eingetragen hat. Den 1,93-Meter-Mann, dessen Vater Polizist und dessen älterer Bruder Oberliga-Schiedsrichter ist, bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Das hilft ihm vor allem im Trubel beim FC Bayern. Trotzdem tritt der Gelsenkirchener nie ablehnend auf. Neuer ist ein offener, verbindlicher Typ.

Seinen Wechsel vor neun Jahren vom FC Schalke zum FC Bayern begleitete heftiger Fan-Aufruhr. Der Schalker Anhang giftete enttäuscht "Verrat", die Münchner Fans dagegen wollten keinen Schalker im Bayern-Tor sehen. "Koan Neuer" hieß es auf Plakaten. Neuer selbst? Ertrug Ablehnung und Schmähungen mit jener Gelassenheit, die auch sein Torhüterspiel auszeichnet. In München ist er mit geschätzten 18 Millionen Euro Jahresgehalt, neben Robert Lewandowski, der Top-Verdiener in der Mannschaft.

Dem 34-Jährigen Torwart drohte zwischenzeitlich das Karriereende

Wie lange Neuer noch spielt? Nach zwei Mittelfußbrüchen vor zwei Jahren und entsprechenden monatelangen Pausen drohte im zwischenzeitlich das Karriereende. Inzwischen scheint alles ausgeheilt. Der 34-Jährige kann sich wieder auf seinen Körper verlassen. Das ist bedauerlich für diejenigen, die hinter ihm stehen.

Bernd Leno findet die fehlende Aussicht auf die Nummer eins in der Nationalmannschaft nicht schön, kann sich seine Situation aber erklären. "Natürlich ist das nicht leicht. Aber ich weiß sehr genau, mit wem ich es in diesem Fall zu tun habe. Ich habe immerhin den besten Torhüter der Welt vor mir", sagte der 28-Jährige in einem Interview der Welt. "Ich denke, Manuel ist der beste Keeper, den es in den vergangenen 30, 40 Jahren auf der Welt gab. Ich mache mich nicht verrückt und versuche, das positiv zu sehen." Das dürfte für die nächsten Jahre eine gute Strategie sein.

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