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München
30.12.2018

Zwei Augsburger organisieren den Organspendelauf

Katja Mayer und Prof. Dr. Matthias Anhuber organisieren den Organspendelauf in München am 27.März 2019
Foto: Candid Communications/Ulrich Wirth

Warum ein Augsburger Professor und eine ehemalige Profi-Triathletin den Organspendelauf am 27. März durch den Englischen Garten von München organisieren.

Die Anmeldung Nummer 100 für den Organspendelauf am 27. März in München hat eine besondere Geschichte: sie kommt von Andreas Scholz. Er hatte das Glück, nach einem akuten Leberversagen im Januar 2018 ein neues Organ eingesetzt zu bekommen. Seine Schwiegermutter hingegen starb nach acht Jahren Wartezeit, weil sich keine passende Spenderniere fand. Jetzt will Andreas durch seine Teilnahme am Organspendelauf durch den Englischen Garten auf die Dringlichkeit von Organspenden aufmerksam machen.

Für zwei Augsburger, den Arzt Professor Dr. Matthias Anthuber, und die ehemalige Profi-Triathletin Katja Mayer, sind Geschichten wie diese eine Bestätigung ihrer Arbeit. Denn die beiden organisieren und verantworten die Benefizveranstaltung am 27. März in der bayerischen Landeshauptstadt. Entscheidend dabei ist, dass Mayer wie Anthuber ihre besonderen Kompetenzen für die gute Sache bündeln. Matthias Anthuber als Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie am Klinikum Augsburg und derzeitiger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, die im März ihren Ärztekongress in München hat. Und Katja Mayer mit ihrer Sportagentur als erfahrene Organisatorin von Laufveranstaltungen.

„Bisher war das nur eine Insider-Veranstaltung für die Kongressteilnehmer“, berichtet Professor Anthuber, „so ist der Effekt, das Thema Organspende und Organtransplantation öffentlich zu machen, gar nicht eingetreten, weil es keiner mitbekommen hat.“ Deshalb tüftelten er und Mayer einen neuen Plan aus: „Wir öffnen den Lauf für die Öffentlichkeit und haben uns einen herausragenden Ort ausgesucht, an dem sich viele Menschen befinden.“ Die Wahl fiel auf den Englischen Garten. Ein Ort, an dem die Stadt München normalerweise keine sportlichen Veranstaltungen genehmigt. Doch Anthuber und Mayer ließen sich davon nicht abschrecken. Auch wenn es „ein dickes Brett“ zu bohren war, wie der Professor gesteht. Die sportliche Planung überließ er dann aber lieber Katja Mayer. „Ich weiß, wie man operiert, habe aber keine Ahnung, wie man so einen Lauf organisiert. Aber als wir unser gemeinsames Wissen und unsere Netzwerke zusammengeschmissen haben, hat das Ganze Gestalt angenommen.“

Wege werden mit Knicklichtern beleuchtet

Das Programm für den 27. März steht. Start- und Zielpunkt ist der Chinesische Turm, Teilnehmer können auf dem Rundkurs Strecken über 2,5 Kilometer, fünf Kilometer und zehn Kilometer walken oder laufen. „Das besondere ist, dass der Lauf um 18 Uhr beginnt und damit in der Abenddämmerung stattfindet. Wir erwarten eine tolle Stimmung. Die Wege werden mit Knicklichtern beleuchtet“, berichtet Katja Mayer. Für sie hänge an diesem Lauf aufgrund der Thematik schon mehr Emotion als an anderen Läufen. „Wegen der bewegenden Rückmeldungen habe ich das Gefühl, dass die Leute geradezu darauf warten, dass es so einen Lauf gibt“, sagt Mayer und verweist auf Anmeldungen aus ganz Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland.

Viele Teilnehmer oder Helfer erzählen ihre Geschichten, berichten von Familienmitgliedern oder Freunden, die sie verloren haben, weil es nicht genug Spenderorgane gibt. Auch Matthias Anthuber ist täglich mit der Angst und der Verzweiflung der Betroffenen konfrontiert. Seit 33 Jahren ist er in der Transplantations-Chirurgie tätig. Er hat aber auch Erfahrung im Leistungssport gesammelt, spielte in der Handball-Bundesliga und stand zweimal in der A-Nationalmannschaft. Weil er dem Sport ebenso wie der Medizin verbunden ist, will Anthuber die neue Laufveranstaltung möglichst gleich auf die nächsten Jahre hinweg etablieren: „Es ist mir ein Herzensanliegen, die Transplantation in Deutschland zu unterstützen, denn die Organspende liegt am Boden. So wollen wir versuchen, diesen Lauf in den nächsten Jahren in dieser Form in Berlin und München stattfinden zu lassen. Es soll keine Eintagsfliege sein.“

165 Patienten stehen in Augsburg auf der Warteliste

Gleichzeitig will der Professor auf die neue Widerspruchslösung aufmerksam machen, die demnächst in Deutschland die bisherige Zustimmungslösung ersetzen soll. Einmal im Leben solle sich jeder Mensch mit dem Thema auseinandersetzen, fordert Anhuber. „Ob man sich dann für oder gegen eine Organspende entscheidet, ist zweitrangig, Hauptsache man beschäftigt sich damit und trifft bewusst eine Entscheidung“, sagt Anthuber. Allein in Augsburg stehen derzeit 165 Patienten auf der Warteliste für eine Transplantation. Bis zu vier dieser Menschen sterben jedes Jahr, weil es kein Spenderorgan für sie gibt.

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