Verkehrte Welt bei den Augsburger Panthern. Trainer Bill Peters steht am Donnerstagvormittag mit weißen Sneakern statt Schlittschuhen auf dem Eis. Mit dem Eishockeyschläger in den Händen dirigiert der Kanadier eine Übung. Nach der Trainingseinheit sammelt Topstürmer Alexandre Grenier die Pucks ein und trägt den Scheibeneimer in die Kabine. Normalerweise ist das der Job der Jungspunde nach dem Leitsatz: Lehrjahre sind keine Herrenjahre. In der Hierarchie einer Profi-Mannschaft müssen sich die Jungen erst nach oben arbeiten. Der 34-jährige Grenier, mit immerhin neun NHL-Einsätzen in seiner Vita, hat das eigentlich nicht mehr nötig.
Vielleicht ist es auch ein wenig Buße für seine Tätlichkeit aus dem Köln-Spiel. Grenier traf Linienrichter Lukas Pfriem nach dem Bully absichtlich mit dem Schläger am Unterschenkel. Im Spiel war die Aktion ohne Folgen geblieben. Der DEL-Disziplinarausschuss verhängte jedoch nachträglich eine Sperre von sechs Partien. Fast für die Hälfte der 13 noch ausstehenden Punktspiele müssen die Augsburger also auf ihren zweitbesten Scorer und Schlüsselspieler verzichten.
Das erste Mal setzt der kanadische Mittelstürmer am Freitag gegen Frankfurt aus. Auf die Szene und die Folgen will der AEV-Cheftrainer nicht näher eingehen: „Das war eine unglückliche Verkettung von Umständen.“ Neben der Sperre hat Grenier noch eine Geldstrafe auferlegt bekommen. Das sei Strafe genug, meint Peters. Vom Klub gibt es keine weiteren Konsequenzen. Wobei der Ausfall eines Schlüsselspielers sehr wohl Folgen für die Aufstellung und das Team hat. „Mehrere Spieler werden seine Rollen übernehmen. Einer bekommt eine Chance, sich im Powerplay zu bewähren. Ein anderer übernimmt Greniers Rolle in Unterzahl. Alle müssen an einem Strang ziehen, um die Aufgabe gegen Frankfurt zu bewältigen“, sagt Peters.
AEV ist der Favorit gegen die Löwen Frankfurt
Die Aufgabe lautet: Ein Sieg gegen Frankfurt muss her - und zwar möglichst ein Drei-Punkte-Erfolg ohne Verlängerung oder Penaltyschießen, um den Rückstand auf den letzten Play-off-Platz mit Schwenningen (Rang zehn) zu verkürzen. Die Augsburger als Elfter mit 45 Zählern sind ausnahmsweise Favorit im Duell mit den Löwen aus Frankfurt, die mit 35 Punkten auf dem vorletzten Platz liegen. Verteidiger Maximilian Renner ist bewusst, dass nur ein Dreier den AEV voranbringt: „Wenn wir noch in die Play-offs einziehen wollen, und das ist unser Ziel, dann müssen wir Gegner wie Frankfurt besiegen, die hinter uns liegen“, sagt der Mannschaftskapitän nach dem Abschlusstraining.
Nach der ersten normalen Trainingswoche seit längerer Zeit sind die Energiespeicher wieder aufgefüllt. „Es hat schon gut getan nach dem Marathon mit elf Spielen in 22 Tagen, mal wieder im üblichen Rhythmus zu trainieren. Da bleibt deutlich mehr Zeit für Regeneration“, sagt der 33-jährige Verteidiger. In der Abwehr sind die Panther komplett.
Im Angriff muss Bill Peters nach der Grenier-Sperre eine neue Paradereihe finden. Zwar trainierten Jason Bast und Anthony Louis krankheitsbedingt am Donnerstag nicht. Beide Stürmer sollen laut Peters allerdings gegen Frankfurt auflaufen. Auch Donald Busdeker und Thomas J. Trevelyan dürften wieder in die Aufstellung rücken. Im 21. Heimspiel freut sich der Klub über ein zum 16. Mal ausverkauftes Curt-Frenzel-Stadion. Die AEV-Fans bauen den Saisonrekord weiter aus.
Gegner Frankfurt rangiert im Niemandsland der Tabelle. Trainer Tom Rowe musste unmittelbar nach einer 0:8-Klatsche gegen Ingolstadt Anfang November seinen Posten räumen. Es war der erste Trainerwechsel der DEL-Saison 2025/26. Tom Pokel übernahm und die Mannschaft verzeichnete zwischenzeitlich einen Aufwärtstrend. Die jüngsten Resultate sind jedoch ernüchternd. Die Löwen kassierten zuletzt vier Niederlagen in Folge und verloren 13 der vergangenen 16 Partien.
Augsburger Panther punkten in sieben Niederlagen
Nur unwesentlich besser sind die aktuellen Resultate der Augsburger, die lediglich zwei ihrer jüngsten 15 Spiele gewinnen konnten. Allerdings punkteten die Panther innerhalb dieser Phase immerhin bei sieben Niederlagen, weil sie erst in der Verlängerung oder nach Penaltyschießen verloren. Die Mannschaft lasse sich von den vielen Negativ-Erlebnissen in letzter Sekunde mental nicht runterziehen, sagt Kapitän Renner: „Natürlich tut es irgendwann mal weh, wenn man die knappen Spiele immer wieder verliert. Aber andererseits haben wir ein paar Punkte gesammelt und sind noch im Rennen um die Play-off-Plätze.“
Am Sonntag wartet dann ein stärkerer Gegner auf den AEV. Die Panther treten bei den Straubing Tigers an, die gut im Rennen liegen um die direkte Viertelfinalqualifikation der ersten sechs DEL-Teams. Die Mannschaft von Trainer Craig Woodcroft rangiert mit 74 Punkten auf Platz fünf und zählt zu den Verfolgern des souveränen Tabellenführers Kölner Haie (89). Alle drei bisherigen Saisonduelle verloren die Panther. Auf eigenem Eis mit 4:9 und 2:3 nach Penaltyschießen, in Straubing mit 3:5.
Polizei kündigt Drohnen-Einsatz in Straubing an
Die Polizei erwartet etliche Fans aus Augsburg im Eisstadion am Pulverturm und kündigte den Einsatz einer Drohne an. Hintergrund sind eine erwartete hohe Besucherzahl sowie Vorkommnisse bei zurückliegenden Tigers-Partien. Aufgrund von Vorfällen in jüngster Vergangenheit – insbesondere im Zusammenhang mit dem Heimspiel gegen den ERC Ingolstadt mit Auseinandersetzungen in der Innenstadt sowie mehreren tätlichen Angriffen auf Polizeibeamte bei vorherigen Heimspielen – kündigte die Polizeiinspektion Straubing den Drohneneinsatz an. Ziel sei die Einsatzsteuerung und Koordination.
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