Eishockey ohne Emotionen? Undenkbar. In einem Spiel, in dem die Körper im Sekundentakt aufeinanderprallen, ist die Zündschnur oft nur kurz. Auch Torhüter, die normalerweise keine Checks abbekommen, reagieren emotional. So zum Beispiel Dustin Strahlmeier im letzten Hauptrundenspiel am 15. März in Augsburg.
Obwohl für Augsburg die Saison sportlich gelaufen war, verlief das Match spannend. Die Wolfsburger dagegen benötigten noch unbedingt einen Sieg, um sich das Heimrecht für die erste Play-off-Runde zu sichern. Am Ende wurde die Partie hochdramatisch. 4:5 lagen die Grizzlys in der Schlussphase des Abschiedsspiels von Panther-Legende T. J. Trevelyan in Rückstand. Trainer Tyler Haskins nahm Torhüter Strahlmeier zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis. Sieben Sekunden vor der Sirene rettete Gemel Smith die Gäste mit dem Ausgleichstreffer zum 5:5 in die Verlängerung. Dort hielt Strahlmeier überragend.
Auch im Penaltyschießen war der Nationaltorhüter von den Panthern Trevelyan, Cody Kunyk und Alexander Blank nicht zu bezwingen. Dagegen verwandelte Matt Choupani seinen Penalty gegen AEV-Torwart Michael Garteig und die Wolfsburger bejubelten einen 6:5-Erfolg. Anstatt sich über den Sieg und das Play-off-Heimrecht zu freuen, rastete Strahlmeier jedoch aus. Er hob sein Tor aus den Angeln und warf den Kasten um. Das gellende Pfeifkonzert der Panther-Fans hatte sich der 33-jährige Schlussmann redlich verdient.
„Depperle“-Rufe für Gästespieler
Nun arbeitete der Keeper das emotionale Punktspiel-Finale auf Instagram auf. Er entschuldigte sich für seine Aktion bei den Panther-Fans. Der 33-Jährige nennt inzwischen Gründe für seinen Ausraster. Während der gesamten Partie sei ihm der Mittelfinger gezeigt worden. Zur Erklärung: Im ersten und dritten Drittel steht der Gäste-Torwart immer vor den Stehwällen des Curt-Frenzel-Stadions. Dass sich aus der „Hölle des Südens“ die Anfeuerungsrufe für den Gästekeeper in engen Grenzen halten, versteht sich von selbst. Außerdem sei er verbal als „Hure.....n & Bas....d“ beleidigt worden. Strahlmeier schreibt: „Es gibt Grenzen, auch für Fans. An alle AEV-Fans, die damit nichts zu tun hatten, hoffe ich einfach darauf, dass ihr etwas Verständnis habt, dass meine Emotionen nach dem Spiel sich etwas Luft gemacht haben.“
Karl-Heinz Fliegauf kennt die Stimmung in Augsburg bestens
Die Schiedsrichter verhängten nach Spielende noch eine Spieldauerstrafe (20 Minuten) wegen unsportlichen Verhaltens gegen den Grizzlys-Schlussmann. Wolfsburgs Geschäftsführer Karl-Heinz Fliegauf konnte die Reaktion seines Torhüters nicht nachvollziehen. Dass man als Gäste-Torwart nicht mit Lobeshymnen überhäuft wird, verstehe sich von selbst, sagte Fliegauf. Damit müsse man als Eishockey-Profi umgehen können. Und die Stimmung in Augsburg kennt Fliegauf als ehemaliger Zweitliga- und DEL-Verteidiger (17 Einsätze) sowie späterer Panther-Geschäftsführer bestens. Es gab Zeiten, als Gästespieler mit dem Zusatz „Depperle“ bedacht oder mit Inbrunst „in die Muppet-Show“ geschrien worden sind.
Der Wolfsburg-Schlussmann freut sich jedenfalls auf seinen nächsten Auftritt im Curt-Frenzel-Stadion in der kommenden Saison und schreibt: „Ich habe immer gerne in Augsburg gespielt wegen der Halle und der guten Stimmung, und das wird auch so bleiben.“
Strahlmeier glänzte mit dem ersten DEL-Tor der Geschichte
StrahImeier erlebte in den vergangenen Monaten eine Achterbahn der Gefühle. Beim 4:2-Erfolg der Grizzlys Ende Januar gegen Dresden gelang dem Schlussmann das erste Torwart-Tor in der 32-jährigen Geschichte der Deutschen Eishockeyliga (DEL). Im Punktspiel-Endspurt sprangen die Wolfsburger noch auf Platz acht. Doch das Heimrecht in der ersten Play-off-Runde brachte den Grizzlys kein Glück. Der Tabellen-Achte schied gegen die Schwenninger Wild Wings in drei Play-off-Spielen mit 1:2 aus und beendete nur wenig später als die Augsburger Panther die Saison.
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