Der Offensiv-Trainer gibt Quarterback Luis Wittmann in Zeichensprache ein Kommando. Zeichen, die nur die Offensive der Augsburg Centurions versteht – die gegnerische Defensive nicht. Wittmann nickt seinem Coach nur kurz zu und gibt dann Kommandos an seine Mitspieler. Die wissen sofort, welcher Spielzug nun trainiert werden soll. Für den Laien aber wirken seine Kommandos wie zufällig zusammengewürfelte Wörter. Der Ablauf ist schon sehr flüssig, wenn man bedenkt, dass Wittmann erst vor sieben Wochen zu seinem neuen Team gewechselt ist. Wer ist also der neue Quarterback, auf dem die Hoffnungen der Centurions ruhen?
Für die Centurions begann die Saison in der GFL2 nach ihrem Aufstieg alles andere als gut. Noch im Trainingscamp riss sich der Stamm-Quarterback Terrence Shambry das Kreuzband, den Meniskus und zog sich zusätzlich einen Knorpelschaden zu. Das Aus für die Saison. Es musste schnell ein neuer Quarterback her. Trainer Eugen Haaf griff zum Telefon und rief einen alten Bekannten an, mit dem er schon bei den Ingolstadt Dukes zusammengearbeitet hat – Luis Wittmann. Mit ihm bestreiten die Centurions am Samstag, 30. Mai, im Rosenaustadion, ihr erstes Heimspiel der Saison. Um 16 Uhr geht es gegen die Biberach Beavers, die ebenfalls mit zwei Niederlagen in die Saison gestartet sind.
Eugen Haaf überzeugt Luis Wittmann vom Wechsel zu den Augsburg Centurions
Der 24-Jährige aus Tegernbach in der Hollertau wollte eigentlich eine Football-Pause einlegen, um mehr Zeit für Studium und Freizeit zu haben. An der Technischen Universität München studiert er im vierten Semester Lehramt für berufliche Bildung mit der Fachrichtung Metalltechnik und Mathematik. Zudem ist er passionierter Angler. Als ihn sein ehemaliger Trainer anrief, konnte er aber nicht nein sagen. Unter Haaf hatte Wittman mit den Dukes zwei perfekte Saisons gespielt und war mit ihm bis in die GFL 1 aufgestiegen. Nach dem Aufstieg verlor er aber etwas überraschend seinen Status als Starting Quarterback an den Amerikaner Matthew Weimer.
Aber wie kommt man in Bayern zum American Football? „Mein Papa hat selbst Football gespielt und als ich zehn Jahre alt war, hat er einen Trainer-Job bei Eugen in Ingolstadt angenommen. Da hat er mich mitgenommen und es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt Wittmann. Früher habe er aber auch mal Fußball gespielt. Seit 2014 durchlief er die Jugendabteilungen der Dukes und zeigte früh sein Potenzial. Bei der bayerischen Jugendauswahl, den Bavarian Warriors, spielte er in mehreren Altersklassen, bis er 2020 in den Herrenbereich aufstieg. Als Nachwuchsquarterback muss man doch ein Idol haben, oder? „Mein Vater ist großer Chicago Bears Fan. Nachdem die Bears aber bis Caleb Williams keinen richtig guten Quarterback hatten und immer gegen die Green Bay Packers mit Aaron Rodgers verloren haben, würde ich sagen, Rodgers war mein Vorbild“, sagt Wittmann.
Augsburg Centurions setzen auf Wittmann in der Offensive
Dass er seinen Startplatz in Ingolstadt abgeben musste, überraschte ihn: „Ja klar, es war unerwartet, aber ich habe es dann als Herausforderung gesehen“, so Wittmann. Es sei am Ende eine mega Gelegenheit gewesen, mit Weimer zusammenzuarbeiten. Von ihm habe er sehr viel gelernt. „Ich glaube, es war eines der lehrreichsten Jahre, die ich je hatte. Es war nicht schön, aber im Endeffekt habe ich es gebraucht und bin sehr dankbar dafür.“ 2024 ging es für den Tegernbacher dann zu den Straubing Spiders in die GFL 1. Bis er sich entschied, Pause zu machen, mit dem Football – nur um dann bei Haaf und den Centurions zu landen.
Der hält viel von Wittmann: „Der Luis macht einen Bombenjob. Wenn man sich seine Statistiken ansieht, dann liegt er so nahe bei den amerikanischen Quarterbacks, dass da quasi gar kein Unterschied ist. Er ist ein super Anführer und bescheiden und demütig. Er hat die Offensive gut im Griff“, sagt Haaf. Wittmann selbst sieht es als eine seiner Stärken, sich das sogenannte „Playbook“, also sämtliche vorgeplanten Spielzüge, schnell einzuprägen. Da sei er ehrgeizig.
Augsburger Quarterback bereitet sich auf Spiel gegen Biberach vor
Er sieht aber auch noch viel Luft nach oben bei sich, was die ersten beiden Spiele zeigten. „Ich muss schauen, dass ich schneller, geschickter werde und den Ball schneller wegbringe“, so der Quarterback. Das betreffe vor allem auch die sogenannten „pre snap reads“, also wie gut er die gegnerische Defensive lesen und deren Verteidigungskonzept antizipieren kann, bevor er den Ball bekommt. Er sei sehr kritisch mit sich selbst und es gebe immer etwas, an dem er noch arbeiten könne. Eine Eigenschaft, die auch sein Trainer sehr an Wittmann schätzt. „Football ist für mich einfach eine Herzensangelegenheit“, sagt Wittmann. Gegen Biberach will er das den Augsburger Fans im Rosenaustadion zeigen.
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