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Ann-Katrin Berger: Wie ein Moment der Unaufmerksamkeit das EM-Halbfinale entschied

Fußball-EM der Frauen 2025

Opa Berger war stolz, trotz der deutschen Niederlage bei der Fußball-EM

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    Deutschlands Torhüterin Ann-Katrin Berger spricht mit ihrem Großvater Herbert.
    Deutschlands Torhüterin Ann-Katrin Berger spricht mit ihrem Großvater Herbert. Foto: Sebastian Christoph Gollnow, dpa

    Ann-Katrin Berger hatte das Trikot von Esther González irgendwann wieder ausgezogen. Im roten Jersey ihrer spanischen Teamkollegin von Gotham FC in New Jersey hatte sich die deutsche Torhüterin zuerst bei der ARD ans Mikrofon gestellt, eine Stunde später kam die 34-Jährige in ihrer grünen Torwartmontur vor die Mikrofone in der Mixed Zone. Wie ihre Farben hatte sich auch die Wahrnehmung der deutschen Nummer eins in den aufwühlenden 120 Minuten geändert, die im Letzigrund gegen Spanien (0:1) anschaulich illustrierten, wie eng Freud und Leid auf dieser Position zusammenliegen. Was Toni Schumacher im WM-Finale 1986 in Mexiko City und Oliver Kahn im WM-Endspiel 2002 in Yokohama erlebten, erfuhr Berger im EM-Halbfinale 2025 in Zürich: ein Moment der Unaufmerksamkeit kostet alles.

    „Es tut mir furchtbar leid, dass ich in diesem Moment nicht wie in so vielen anderen Momenten zuvor da sein konnte“, sagte Berger mit leiser Stimme, „die Mannschaft hat es furchtbar verdient, im Finale zu stehen.“ Berger hat bei diesem Turnier alles mitgenommen: vom angeblichen Unsicherheitsfaktor, zur gefeierten Elfmeterkillerin bis zur tragischen Figur. Eine Achterbahnfahrt in den Schweizer Bergen.

    Berger räumt den Fehler unumwunden ein

    Jeder hätte Verständnis gehabt, wenn die gebürtige Schwäbin sich nach dem Drama nicht gestellt hätte. Das kommt aber für sie, die zwei Behandlungen wegen Schilddrüsenkrebs überstanden hat, niemals infrage. Bereits im TV-Interview hatte sie gesagt: „Ich nehme die Schuld auf mich, die kurze Ecke muss zu sein, ganz klar. Da kann ich noch so viele Paraden machen. Es tut mir unfassbar leid, nicht für mich, sondern für die Mannschaft.“

    Gedanklich war die bis dahin in allen Belangen herausragende Berger nach einem Ballverlust von Sydney Lohmann und Stellungsfehler von Janina Minge schon in Erwartung einer Flanke, ging einen Schritt in die Mitte und zeigte ins Zentrum, als Weltfußballerin Aitana Bonmati in der 113. Minute einen „Geniestreich“ (Bundestrainer Christian Wück) anbrachte. „Sie weiß selbst, dass die kurze Ecke immer doof ausschaut. Wir wissen aber auch, dass wir den Ball gar nicht hergeben müssen. Wir sind im sicheren Ballbesitz“, merkte Wück an. „Es werde keine Vorwürfe geben, „egal an wen“. Also auch nicht an die übereifrige Lohmann, die im Grunde erste Verursacherin des Genickschlags war. Doch in letzter Instanz traf es Berger, die noch meinte, ein brillante Spielerin wie Bonmati „sieht natürlich die kleinste Lücke“.

    Viele Mails an den Großvater

    Kapitänin Janina Minge betonte, das Gegentor sei „unglücklich passiert, aber es hätten auch schon fünf Bälle vorher reingehen können, die Anne überragend hält.“ Berger hatte sich derweil mit ihrem angereisten Großvater Herbert Horner getröstet, den sie zuvor gebeten hatte, nicht erst zum Endspiel nach Basel zu kommen, denn: „Opa, schau her, gegen Spanien ist es eigentlich wie ein Finale!“ Es hatte ein „paar mehr E-Mails als sonst“ gebraucht, ihn zu überzeugen. „Ich war unfassbar froh, dass er da war: Er hat es sich nicht nehmen lassen, das Trikot zu tragen, was Bände spricht, wie stolz mein Opa auf mich ist.“

    Er, der nach Kriegsende in einem Arbeitslager so viel mitgemacht hat, dass seine schriftlichen Auszeichnungen alle Familienangehörigen und Freunde erschaudern lassen, sorgte mit seiner Anwesenheit dafür, dass sich Berger so aufrecht verabschiedete. Vielleicht hat der deutsche Fußball gerade keine größere Persönlichkeit als diese unbeugsame Torfrau.

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