„Uuuh, ich habe meinen Schwung wieder!“ Jalin Goodman ruft es mit einem breiten Grinsen, das genauso ansteckend ist wie sein Spiel. Der Passempfänger der Augsburg Centurions spricht im Interview zwischen den Trainingsübungen mit derselben Lockerheit, mit der er rennt und Bälle fängt. Mit 1,67 Metern ragt Goodman körperlich nicht heraus, und doch hat er sich seinen Platz auf dem Feld verdient. Schon in der vergangenen Saison lief er für die Centurions in der Regionalliga auf. Nach dem Aufstieg spielt er nun ab Mai in der GFL2, der zweithöchsten deutschen Spielklasse.
Schnelligkeit und Beweglichkeit zählen zu seinen Stärken, aber darauf allein verlässt er sich nicht. „Am Anfang ging es mir nur darum, schneller zu sein als alle anderen“, sagt der 25-Jährige. „Mit der Zeit habe ich verstanden, dass es auch um Timing geht und darum, sich im System wohlzufühlen.“
Jalin Goodman: „Besser werden und Spaß dabei haben“
Geboren in Columbus, Ohio, spielte er College Football an der Muskingum University in der Division III – einer Leistungsstufe abseits der großen Bühne, aber nicht ohne Qualität. Auch dort begegnete er Spielern, die später in der US-Profiliga NFL landeten.
Für die neue Saison formuliert Goodman seine Ziele klar: Gewinnen, Dominieren, Wachsen. „Solange meine Jungs besser werden und Spaß haben, ist das alles, was zählt.“
Eugen Haaf: Architekt des Erfolgs
Der Mann, der Goodman nach Augsburg holte, ist Cheftrainer Eugen Haaf – eine Institution im bayerischen Football. Der 59-Jährige führte die Ingolstadt Dukes mehrfach zum Aufstieg in die erstklassige GFL. Bereits 2024 war er für die Augsburg Centurions tätig, zunächst in beratender Funktion, seit 2025 steht er an der Seitenlinie.
Die heutigen Centurions gingen aus den Augsburg Raptors hervor. Vor der Saison 2025 erfolgte die Umbenennung, als bewusster Verweis auf die römische Geschichte der Stadt. „Neues Programm, neuer Name, neue Farben und eine stärkere Identifikation mit der Stadt“, beschreibt Haaf den Beginn einer neuen Ära. „Aber wenn die erste Euphorie verfliegt, trennt sich die Spreu vom Weizen.“
Die Realität kam schnell. Höhere Anforderungen, intensiveres Training, mehr Ernsthaftigkeit. „Viele waren diesen Aufwand nicht gewohnt“, sagt Haaf. Der Kader schrumpfte von 80 auf 50 Spieler. Das sei zwar ein Nachteil in der Breite, aber ein Vorteil in der Qualität: „Jetzt haben wir die, die sich durchgebissen haben.“
Haaf führte die Centurions durch eine makellose Saison. Zwölf Spiele, zwölf Siege. Auch in den Play-offs blieb sein Team ungeschlagen. Der Höhepunkt: das 37:7 im Play-off-Finale gegen Karlsruhe vor 2500 Zuschauern im Rosenaustadion.
Und doch denkt Haaf nicht zuerst an den Triumph. „Das ist nicht das, was man hören will“, sagt er und schmunzelt. „Wir haben einige 200-prozentige Bälle fallen lassen.“ Genießen konnte er die Aufstiegsfeier trotzdem: „Ein rundum toller Abend.“
Augsburg Centurions: Heimspiele im Rosenaustadion
Abseits des Feldes folgte ein weiterer Meilenstein: die Möglichkeit, künftig alle Heimspiele im Rosenaustadion auszutragen. „Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen“, sagt Haaf. „Mit der Anlage in Lechhausen hätten wir den sportlichen Aufstieg wahrscheinlich nicht wahrnehmen können.“
Strukturell sieht er den Verein bestens aufgestellt. „Wir haben schon in der Regionalliga mit GFL2-Strukturen gearbeitet“, erklärt Haaf. „Das Betriebssystem, das wir jetzt brauchen, war also schon installiert.“ Der Trainerstab wurde von zehn auf zwölf Coaches erweitert. Keiner von ihnen arbeitet hauptberuflich für den Verein, Haaf ist als selbstständiger Logistiker tätig.
Underdog in der GFL2
Sportlich setzt das Team überwiegend auf Spieler aus der Region, ergänzt durch wenige Importspieler. Goodman ist einer von vier US-Amerikanern im Kader. Auf der Quarterback-Position fällt Starter Terence Shambry nach einem Kreuzband- und Meniskusriss für die gesamte Saison aus. Ihn ersetzt Cedric Townsend.
Trotz aller Fortschritte bleibt Haaf realistisch: „Wir sind in einer komfortablen Rolle, weil wir als Underdog unter dem Radar fliegen. Unser klares Ziel ist der Klassenerhalt.“ Von sechs Teams steigt eines ab.
Für die Analyse setzt Haaf auf moderne Mittel: Trainingseinheiten werden mit einer Drohne aus der Vogelperspektive gefilmt. So werde nicht nur sichtbar, wo technische Defizite liegen, sondern auch, wer mit voller Energie spielt.
Nachwuchssorgen bei den Centurions
Sorgen bereitet insbesondere der ältere Jahrgang im Nachwuchs. In der U19 stehen nur vier Spieler zur Verfügung, weshalb eine Spielgemeinschaft mit Dachau und Starnberg nötig ist. „Während der Corona-Pandemie hat man sich stark auf die Senioren konzentriert. Das ging auf Kosten der Jugend“, erklärt Michael Roth, Sportdirektor im Nachwuchsbereich. Haaf ergänzt: „Wir müssen dringend an unserer Jugendarbeit arbeiten. Außerdem haben wir aktuell keine zweite Mannschaft. Der Sprung von der U19 zu den Herren ist enorm.“
Wo sieht sich Haaf und die Centurions in fünf Jahren? „In der GFL“, antwortet er mit einem spitzbübischen Grinsen – als wollte er sagen: Es ist nur eine Frage der Zeit.
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