Es hätte schon etliches gegeben, womit sich die Bayern im Nachgang hätten tiefergehend beschäftigen können. Das wunderbare Tor von Harry Kane etwa. Der narrte erst an der Strafraumkante zwei Gegenspieler und schoss den Ball anschließend entschlossen zum 2:0 für die Münchner ins Tor. Auch das Debüt von Filip Pavic hätte eine nähere Betrachtung verdient. Der Innenverteidiger hatte erst vor zwei Monaten seinen 16. Geburtstag gefeiert. Mit der Einwechslung für Josip Stanisic in der Schlussphase gegen Atalanta Bergamo wurde er zum jüngsten Spieler des FC Bayern, der bislang in einem Champions-League-Spiel eingesetzt wurde. Sprechen durfte er darüber nicht. Nach 23 Uhr greift für Berufssportler unter 18 Jahren das Jugendschutzgesetz. Interviews mit einer neugierigen Journalisten-Meute gelten aus verständlichen Gründen als Arbeitstätigkeit.
FC Bayern schied seit 2014 viermal gegen Real Madrid aus
Die Münchner genossen freilich das Glück des Augenblicks, ließen sich nach getaner Arbeit und einem 4:1-Sieg von den Fans feiern und richteten dann aber den Blick in Form einer Melange aus Fußballweisheiten gen Zukunft. Herbergers gültiges Diktum, wonach nach dem Spiel auch immer vor dem Spiel sei, traf auf das Immerweitrige Oliver Kahns.
Nach dem Spiel gegen Bergamo bedeutet: vor dem Spiel am Samstag gegen Union. Vor allem aber befinden sich die Bayern nun vor der Phase, die in weiterer Zukunft dafür stehen wird, ob diese Saison als gelungen zu gelten hat. Dafür ist das Spiel gegen Berlin eher nachrangig, die Partien in der Champions League aber maßgeblich. Im Viertelfinale treffen die Münchner auf Real Madrid und natürlich werden die Fans vor den Partien mal wieder von der „Bestia Negra“ tönen, die der FC Bayern für Real Madrid sei.
Es wird Zeit, dass es anders wird und dass wir ins Halbfinale kommen.
Bayerns Vorstandsvorsitzender Jan-Christian Dreesen zum Duell mit Real Madrid
Die Spieler und Funktionäre aber wissen es besser. Seit 2014 standen sich die Mannschaften in acht Partien gegenüber, keine einzige davon gewannen die Münchner. Sie schieden viermal aus. „Es wird Zeit, dass es anders wird und dass wir ins Halbfinale kommen“, sagte Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen. Wenn die Münchner auf Real treffen, handle es sich um ein „episches Duell“.
Ein solches erwartet auch Harry Kane: „Aber wir werden bereit sein. Wir fürchten niemanden.“ Ein zweifellos vernünftiger Ansatz, wenngleich diese Madrilenen über eine Superkraft verfügen, die den Bayern ernsthaften Schaden zufügen kann. Wirklich beeindruckend nämlich waren die Leistungen der Spanier bis zuletzt nicht. Aber dann entledigte sich die Mannschaft lässig des Spitzenteams von Manchester City. „Gegen Real ist es oft so: Je höher das Niveau, desto besser werden sie“, hat Vincent Kompany beobachtet.
Bayern können fernab von Verletzungssorgen in abschließendes Saisonviertel starten
Das Niveau der Bayern ist derzeit exorbitant hoch, was spektakuläre Spiele gegen Madrid erwarten lässt. Die Vorfreude und Spannung in München sind vor den Duellen am 7. April (in Madrid) und 15. April (zu Hause) jetzt schon riesig. Erstmals seit etlichen Jahren könnten die Bayern fernab von Verletzungssorgen und als stimmige Einheit in das abschließende Saisonviertel starten. Den Bayern kommt die Länderspielpause zupass, so dort keiner ihrer Akteure ernsthaft Schaden erleidet. Jamal Musiala und Alphonso Davies haben noch ein wenig Zeit, ihre Blessuren auszukurieren. Beide könnten zu wichtigen Faktoren gegen Real werden. Dass die Bayern über eine herausragende mannschaftliche Geschlossenheit verfügen, haben sie gegen Bergamo erneut gezeigt. Partien gegen Spitzenteams aber werden oft aufgrund individueller Qualitäten entschieden. Auch davor müssen sich die Bayern nicht fürchten.
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