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Das Fußballmärchen vom Polarkreis: Wie Bodö/Glimt in der Champions League überrascht

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Das Fußballmärchen vom Polarkreis: Wie Bodö/Glimt in der Champions League überrascht

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    Der Ex-Frankfurter Jens Petter Hauge ist der in Deutschland bekannteste Profi von Bodö/Glimt. Die Norweger sind die Überraschungsmannschaft der aktuellen Champions-League-Saison.
    Der Ex-Frankfurter Jens Petter Hauge ist der in Deutschland bekannteste Profi von Bodö/Glimt. Die Norweger sind die Überraschungsmannschaft der aktuellen Champions-League-Saison. Foto: Thomas Andersen/NTB, dpa

    Wenn Norditaliener danach gefragt werden, was sie mit Norwegen verbinden, könnte die Antwort bisher auf Fisch hinauslaufen. In Regionen wie Venetien und Kampanien ist norwegischer Stockfisch seit Jahrhunderten Bestandteil der lokalen Küche – etwa in „Baccalà“-Gerichten. Diese Tradition geht auf Handelskontakte Venedigs im Spätmittelalter zurück. Seit einiger Zeit könnte, speziell in Norditalien, eine neue Assoziation hinzugekommen sein: Norweger haben sich zuletzt darauf spezialisiert, Italienern äußerst schmerzhafte Niederlagen in dem Sport beizubringen, in dem beide Nationen einst sportliche Dimensionen trennten: Fußball.

    Bei der WM-Qualifikation wurden beide Nationen in eine Gruppe gelost. Norwegen gewann beide Spiele. Im letzten Gruppenspiel, das in Mailand stattfand, hätte Italien Ende November einen hohen Sieg gebraucht, um Platz eins und damit das direkte Ticket zu lösen – und verlor mit 1:4. Am Dienstagabend standen sich im Stadion San Siro erneut ein italienisches und ein norwegisches Team gegenüber – und wieder waren es die Norweger, die jubelten.

    Alleine Inters Nicolo Barella hat einen höheren Marktwert als Bodö/Glimt

    Abermals hätte der Kontrast im Vorfeld nicht größer sein können: Inter Mailand, das vergangenes Jahr noch im Finale der Königsklasse stand und die Serie A aktuell mit zehn Punkten Vorsprung anführt, empfing den FK Bodö/Glimt. Einen Verein aus der Nähe des Polarkreises, aus einer Küstenkleinstadt mit 43.000 Einwohnern. Stars sucht man bei den Skandinaviern vergebens: Alleine der Marktwert von Inters Nationalspieler Nicolo Barella übersteigt mit 60 Millionen Euro den des kompletten Kaders von Bodö/Glimt, der bei 57,13 Millionen Euro liegt. Gewarnt hätten die Nerazzurri dennoch sein müssen: Schon das Hinspiel eine Woche zuvor hatte der Underdog mit 3:1 gewonnen. Auch in Italien gab es einen Sieg, 2:1 hieß es nach 90 umkämpften Minuten, womit die Sensation perfekt war: Das kleine Bodö/Glimt ist die erste norwegische Mannschaft, die es in der K.o.-Runde der neuen Champions League eine Runde weiter geschafft hat.

    Schon in der Gruppenphase hatte die Mannschaft immer wieder für Ausrufezeichen gesorgt: Bei Borussia Dortmund holte das Team ein 2:2, im Januar gab es zwei Siege gegen das von Pep Guardiola gecoachte Manchester City (3:1) und gegen Atletico Madrid (2:1). Und das, obwohl Bodö/Glimt sich eigentlich seit Ende November in der Winterpause befindet. Die norwegische Liga spielt nach dem Kalenderjahr und startet erst Mitte März wieder. Inters Trainer Christian Chivu führte das als Grund für den Erfolg an: „Sie sind eine Mannschaft mit viel Energie. Eine Mannschaft, die davon profitiert, dass sie derzeit nicht spielt.“ Das soll, fügte Chivu an, aber natürlich keine Ausrede sein.

    Woran liegt es, dass Bodö/Glimt so erfolgreich ist?

    Tatsächlich wäre diese Erklärung angesichts der finanziellen Welten, die beide Vereine trennen, etwas zu kurz gefasst. Woran der Erfolg von Bodö/Glimt hängt? Mag sein, dass der norwegische Fußball mit Erling Haaland, oder Martin Ödegaard im Aufschwung ist – die genannten Spieler stehen aber bei Manchester City und Arsenal unter Vertrag. Der aus deutscher Sicht bekannteste Spieler ist der ehemalige Frankfurter Jens Petter Hauge. Der 26-Jährige ist in Bodö geboren und spielt seit zwei Jahren wieder für seinen Heimatverein. Hauge schoss in Mailand eines der beiden Tore. Auch einen großen Geldgeber, wie es ihn im norwegischen Fußball etwa bei Molde FK mit dem Milliardär Kjell Inge Rökke gibt, sucht man vergebens. Ein wesentlicher Faktor ist hingegen Trainer Kjetil Knutsen.

    Der 57-Jährige arbeitet seit neun Jahren für den Verein – und seitdem geht es nur bergauf: In der ersten Saison in der zweiten Liga war er noch Co-Trainer, bevor er die Chefrolle übernahm. Schon im dritten Jahr nach der Erstliga-Rückkehr wurde der einstige Fahrstuhlklub erstmals norwegischer Meister. Den Titel holte sich Bodö/Glimt insgesamt viermal in den vergangenen sechs Spielzeiten.

    FK Bodö/Glimt-Cheftrainer Kjetil Knutsen vor dem Spiel.
    FK Bodö/Glimt-Cheftrainer Kjetil Knutsen vor dem Spiel. Foto: picture alliance/dpa/PA Wire

    Trainer Kjetil Knutsen ist der Architekt des Erfolgs bei Bodö/Glimt

    Mittlerweile ist der Klub einer der Topvereine Norwegens – das bedeutet aber nicht, dass es wirkliche Stareinkäufe gibt. Knutsen hat eine klare Spielidee, weiß, welche Profis bei ihm funktionieren, und kann auf ein gutes Scouting sowie eine starke Jugendarbeit zurückgreifen. Diese Spieler werden dann teuer weiterverkauft. Ein Beispiel ist genannter Hauge, der an den AC Milan verkauft wurde und über Frankfurt wieder zurückkam.

    Zudem profitiert der Verein davon, in den vergangenen Jahren im Europacup eine gute Figur gemacht zu haben. Die Prämien fließen nach Vereinsangaben zu einem großen Teil wieder direkt in die Jugendarbeit. Am meisten Geld hat der Klub in diesem Jahr in der Champions League verdient. Gut möglich, dass das Märchen vom Polarkreis noch weitergeht. Gegen große Namen scheint sich Bodö/Glimt wohlzufühlen.

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