Julian Nagelsmann hat die Vorbereitung nicht darauf ausgelegt, die Öffentlichkeit und kommende Gegner zu verwirren. Der deutsche Bundestrainer scheint vor dem ersten Gruppenspiel seine Elf gefunden zu haben, die er gegen Curacao am Sonntag (19 Uhr) auf das Feld schicken will. Die beiden Testspiele gegen Finnland und die USA lassen mehr als nur erahnen, wem er das Vertrauen schenken wird. Da es die fußballerische Gesetzgebung so will, dass von dem 26-Mann-Kader lediglich elf gleichzeitig auf dem Platz stehen, gibt es im deutschen Team Gewinner und Verlierer der Vorbereitung.
Gewinner
Leroy Sané Ginge es nach den meisten Fans, hätte er wohl nicht einmal einen Platz im Kader. Geht es nach Nagelsmann, wird der 30-Jährige aber im Eröffnungsspiel wohl auf dem Feld stehen. Das hat nicht zwingend etwas mit den Vorleistungen Sanés in seinem Verein zu tun. Die waren bei Galatasaray Istanbul höchst durchwachsen. Auch die guten Leistungen im Nationaldress am Ende der WM-Qualifikation waren nicht maßgeblich dafür. Sané profitiert von der Verletzung Lennart Karls. Sané aber nutzte auch die Chance, indem er gegen die USA den Siegtreffer erzielte. Er dürfte sich damit seinen Platz auf dem rechten Flügel gesichert haben. Vorerst.
Nathaniel Brown Der Frankfurter weiß „noch gar nicht, wie gut er ist“. Das sagt Julian Nagelsmann über ihn. Am wichtigsten ist auch, dass der Bundestrainer weiß, wie gut seine Spieler sind. Nagelsmann glaubt jedenfalls zu wissen, dass Brown derzeit besser ist als David Raum. Das ist bitter für den Leipziger, aber schön für den Frankfurter. Der Linksverteidiger versah seinen Dienst bei den beiden Testspiel-Siegen überaus souverän, was angesichts seiner 22 Jahre nicht selbstverständlich ist. „Er ist einen Tick zu bescheiden für das, was er kann. Ich will bei ihm noch mehr Selbstvertrauen initiieren“, so Nagelsmann. Offenbar ist der FC Bayern an einer Verpflichtung Browns interessiert. Das könnte für zusätzliches Selbstvertrauen sorgen.
Felix Nmecha Ein Hohn, dass der 25-Jährige erst bei acht Länderspielen steht. Nmecha bringt vieles mit, das ihn zu einem Mittelfeldspieler von internationalem Top-Format machen könnte. Noch aber ist ihm der endgültige Durchbruch in diese Sphären nicht gelungen. Trotz seiner enormen Physis, strategischen Fähigkeiten und außergewöhnlicher Technik spielte er in der öffentlichen Wahrnehmung selten eine tragende Rolle. Das liegt auch an den drei langwierigen Verletzungen, die ihn in den vergangenen drei Jahren immer wieder aus der Spur brachten. Zuletzt laborierte er an einem Außenbandriss im Knie, meldete sich aber pünktlich zum Saisonendspurt zurück. Der Bundestrainer hat ihn daraufhin fest an der Seite von Aleksandar Pavlovic eingeplant,
Verlierer
Leon Goretzka Im März hatte Julian Nagelsmann noch angekündigt, Leon Goretzka werde bei der WM eine wichtige Rolle spielen. Derzeit spricht wenig dafür. Felix Nmecha hat ihm den Rang im zentralen Mittelfeld abgelaufen. Eine Situation, die Goretzka aber gut kennt. Auch in München wurde er zeitweise an den Rand gedrängt. Er kämpfte sich aber immer wieder zurück. Der Bundestrainer weiß um diese Stärke Goretzkas.
David Raum Galt als Linksverteidiger als gesetzt. Spielte für Leipzig eine außerordentlich gute Saison. Hatte dann aber zur Unzeit mit Leistenproblemen zu schaffen, die ihm nun seinen Stammplatz kosten, weil Nathaniel Brown mehr als nur ein solider Vertreter ist.
Nick Woltemade Hat seinen Status als Stammstürmer verloren. Dabei hatte er mit seinen Treffern in der Qualifikation großen Anteil daran, dass die Deutschen sich letztlich ohne ganz große Probleme für die WM qualifiziert haben. Hinter Woltemade liegt allerdings eine schwierige Saison in Newcastle, in der er weniger Spielzeit als erhofft erhielt. In der Nationalmannschaft ist zuletzt Deniz Undav an ihm im internen Ranking vorbeigezogen. Weil zudem Kai Havertz seine Verletzungen endgültig zu überwunden haben scheint, ist Woltemade derzeit nur Stürmer Nummer drei.
Antonio Rüdiger Julian Nagelsmann verteidigte seinen Innenverteidiger häufiger, wenn der sich eine Undiszipliniertheit leistete. Nagelsmann schätzt die aggressive Spielweise Rüdigers. Der tut einer ansonsten eher braven Mannschaft auch gut. In Nico Schlotterbeck und Jonathan Tah hat sich allerdings ein Duo gefunden, das höchsten Anforderungen genügt. Bitter für Rüdiger ist, dass ihm zuletzt auch noch Waldemar Anton vorgezogen wurde.
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