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Lennart Karls Pech ist Leroy Sanés Glück: Auf einmal Stammspieler

WM 2026

Gegen alle Wahrscheinlichkeit: Und plötzlich ist Leroy Sané wieder im Mittelpunkt

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    Chance genutzt: Leroy Sané hat nach seinem Tor gegen die USA gute Chancen auf einen WM-Stammplatz.
    Chance genutzt: Leroy Sané hat nach seinem Tor gegen die USA gute Chancen auf einen WM-Stammplatz. Foto: Federico Gambarini, dpa

    Ausgerechnet Sané. Dass es von allen 26 Spielern im deutschen Kader eben jener Leroy Aziz Sané sein sollte, der beim 2:1-Sieg gegen die USA die Pointe auf seiner Seite hatte, hat eine besondere Note. Denn eigentlich hatten die wenigsten damit gerechnet, dass Sané überhaupt einen Platz im deutschen WM-Kader haben würde. Zu mittelmäßig war die Saison, die der Flügelspieler in der zweitklassigen türkischen Liga bei Galatasaray Istanbul gespielt hatte. Sieben Tore und fünf Vorlagen sind eigentlich nicht gut genug. Dass Sané gegen die USA traf und nun sogar gute Chancen hat, beim deutschen WM-Auftakt gegen Curacao am Sonntagabend (19 Uhr, ARD), ist in der Summe dann schon eine dicke Überraschung – und eine, die mit einer persönlichen Tragödie eines anderen Spielers begann.

    Denn sehr wahrscheinlich hätte Sané weite Teile des Spiels gegen den Co-Gastgeber auf der Bank verbracht, wenn sich am Freitagabend deutscher Zeit nicht der vielleicht formstärkste Spieler bei einem Torschuss mehrere Muskeln in seinem linken Oberschenkel gerissen hätte. Lennart Karl, 18-jähriger Shootingstar des FC Bayern, hatte nach seinen starken Auftritten im DFB-Trikot gute Chancen auf einen Startplatz. Um kurz vor Mitternacht deutscher Zeit gab der DFB aber bekannt, dass der Offensivspieler die WM als Zuschauer verfolgen wird, für ihn wurde der Leipziger Assan Ouédraogo nachträglich nominiert. Dass der Kölner Said el Mala, den viele erwartet hatten, zu Hause bleibt, habe auch damit zu tun, dass Ouédraogo im Gegensatz zu ihm noch bis Ende Mai im Training war, argumentierte Nagelsmann.

    Nagelsmann über Karl: „Wäre ein wichtiger Spieler gewesen“

    Bei RTL sagte der Bundestrainer, dass er bei Karl „sofort gemerkt“ habe, dass es eine schwerere Verletzung sei. „Dann sind leider die Tränen geflossen.“ Letztlich sei es sehr bitter für den 18-Jährigen ebenso wie für den DFB, so der Bundestrainer: „Das hat uns wehgetan, weil er ein wichtiger Spieler gewesen wäre.“ Der einzige Trost, der dem jungen Franken vorerst bliebe, ist ein schwacher: Es werden weitere Turniere kommen.

    Mitgefühl mit dem Verletzten drückte auch Sané aus: „Für Lenny ist ein Traum geplatzt. Das tut mir persönlich sehr leid für ihn.“ Generell könne man in Deutschland aber froh sein, „einen so guten, jungen Spieler“ zu haben. Karls Pech könnte aber auch Sanés Glück sein – obwohl es gegen die USA lange so aussah, als ob der 30-Jährige die Chance nicht nutzen könnte. Nach dem Führungstor durch Kai Havertz, der einen Kimmich-Freistoß einnickte (2.) verflachte das deutsche Spiel zusehends, Antonee Robinson gelang mit einer Direktabnahme außerhalb des Strafraums der Ausgleich (37.). Bis zur Pause hatten die physisch sehr präsenten Gastgeber noch weitere Chancen. Die Datenanalytiker zählten für Sané, ebenso für Jamal Musiala, zur Pause jeweils zehn Ballkontakte. Wenig lief zusammen – bis Sané nach 57 Minuten im Strafraum von Havertz angespielt wurde und platziert zum 2:1-Endstand abschloss.

    Julian Nagelsmann will Leroy Sané zur Leistungsstärke „kitzeln“

    Für den Flügelspieler war der Treffer eine Bestätigung – aber auch für Bundestrainer Nagelsmann: „Er muss einfach immer an die Grenze gehen. Er hat heute ein gutes Spiel und ein wichtiges Tor gemacht.“ Dass er alles mitbringe, um ein Topfußballer zu sein, sei bekannt. „Aber er soll sich von der Leine lassen, dann kann er viel Freude bereiten.“ An diesem Vorhaben sind schon einige Trainer in Sanés Laufbahn gescheitert. Dass er überragende Fähigkeiten hat – darin sind sich alle einig. Sané zeigt diese aber selten konstant, auf einen guten folgen oft zwei bis drei unterdurchschnittliche Auftritte. Im Fußball gibt es für Spieler dieser Art eine Bezeichnung: schlampiges Genie. Nagelsmann versuchte sich beim FC Bayern daran, dem Genie die Flausen auszutreiben – mit durchwachsenem Erfolg.

    Auch der FC Bayern verlor den Glauben an den Spieler, der ihm im Sommer 2020 einst 49 Millionen Euro an Ablöse wert war. Bei den Vertragsverhandlungen im Sommer waren die Münchner nicht bereit, auf die Forderungen Sanés einzugehen und ließen ihn nach Istanbul ziehen.

    Nagelsmann, der Sané nach seinem Wechsel in die Türkei unter Druck setzte und davon sprach, dass der Spieler „nicht mehr unzählige Chancen“ bei ihm habe, scheint die WM als letzten Vorstoß im Vorhaben zu sehen, das Potenzial des Spielers zu wecken. Bei der Kadernominierung, bei der das Comeback von Manuel Neuer alles überdeckte, war auch die Einladung Sanés kurz ein Thema. Nagelsmann sprach in diesem Zusammenhang einen bemerkenswerten Satz: „Ich traue mir zu, ihn so zu kitzeln, dass es am Ende der WM mehr positive Stimmen über ihn geben wird als jetzt.“

    Das Spiel gegen die USA war der erste Schritt in diese Richtung. Das Problem: Kleinere Schritte hat es bei Sané schon öfter gegeben.

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