Säuerlich bis ranzig riecht eine Eishockey-Ausrüstung. Kein Wunder: Schließlich schwitzen die Profis täglich in Schlittschuhen und Handschuhen. Waschen ist nicht möglich, was im Lauf der Zeit zu einem eigenen Mief führt. Patrick Ehelechner hat seine Ausrüstung trotzdem geliebt und sie Wochen lang mit ins Bett genommen, als die Krise kam. Der kleine Patrick hatte die Lust am Eishockey verloren. „Ich war damals sieben Jahre alt und wollte die Montur immer um mich haben“, erzählt der Rosenheimer. Der Klub stellte ihn vor die Wahl: Ausrüstung zurück oder sich wieder ins Tor stellen. Ehelechner wählte den geliebten Gestank.
Eine gute Entscheidung. Deutschland hätte andernfalls einen starken Torhüter weniger. In dieser Saison ist der 28-Jährige einer der Garanten für den Höhenflug der Augsburger Panther in der Deutschen Eishockey-Liga. Nach sieben Siegen aus zehn Spielen mischt die Billig-Truppe mit dem geringsten Saison-Etat (3,4 Millionen Euro) aller 14 DEL-Klubs als Dritter vorne mit. Ehelechner weist mit 94 Prozent aller auf ihn abgegebenen Schüsse die beste Fangquote vor Danny aus den Birken (93,8/Köln) und Dennis Endras (93,1/Mannheim) auf. Die Grüne Couch: Trash Talk in der Panther-Kabine
Das war nicht zu erwarten. Die Fans zeigten sich vor der Saison skeptisch, als Nürnberg und Augsburg die Schlussmänner tauschten: Tyler Weiman ging nach Franken, Ehelechner kam an den Lech. Der neunfache Nationalkeeper entpuppt sich als gleichwertiger Ersatz, auch wenn er einen anderen Stil als sein kanadischer Vorgänger spielt. Der Deutsche baut neben seinen schnellen Beinen auch auf Trefferfläche: Wenn er in die Knie geht, decken die Beinschoner die Torecken ab, und trotzdem ragt der 1,89 Meter große Schlussmann mit den Schultern fast bis zur Querstange. Aber auch die Fanghand packt flink zu. Mit bis zu 170 Stundenkilometern rasen die Pucks auf die Torhüter zu. „Als Kind hatte ich Angst“, gesteht Ehelechner. Doch er lernte, die superschnellen Flugobjekte zu fangen.
Mit 18 ging der bekennende Oberbayer für drei Jahre nach Sudbury. „Wir waren noch Junioren, aber schon Stars. In Kanada hat Eishockey den Stellenwert wie der Fußball bei uns.“ Jenseits des Atlantiks kam zum Talent die Arbeitseinstellung dazu: Er hat noch mehr „Gas gegeben“. 2005 kehrte er nach Deutschland zurück und wechselte nach Mannheim. Wohin geht die Reise mit Augsburg? „Wir wollen in die Play-offs um die Meisterschaft, danach kann alles passieren.“ Zunächst folgt heute das schwere Auswärtsspiel beim deutschen Meister Berlin.