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Emma Aicher ist der neue Stern am alpinen Ski-Himmel

Ski alpin

Emma Aicher: Sie will doch nur Ski fahren

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    Emma Aicher gewann die Abfahrt in St. Moritz.
    Emma Aicher gewann die Abfahrt in St. Moritz. Foto: Jean-Christophe Bott, dpa

    Beim Deutschen Skiverband wissen sie schon länger, was sie da für ein Talent in ihren Reihen haben. Das liegt zum einen daran, dass Emma Aicher tatsächlich eine ganz außergewöhnlich gute Skifahrerin ist. Zum anderen ist es aber auch so, dass die Talente in Deutschland nicht gerade Schlange stehen und um Einlass bitten beim DSV. Folglich werden die wenigen, die da sind, sorgsamst auf eine mögliche Karriere im Weltcup vorbereitet. Im Fall Aicher mühte sich der DSV sogar darum, dass die ursprünglich für Schweden fahrende Allrounderin die Nationen wechselte und seit 2020 für Deutschland startet. Möglich machte das die Tatsache, dass Vater Aicher aus dem baden-württembergischen Mahlstatten stammt. Aufgewachsen ist Aicher hingegen in der Heimat ihrer Mutter, in Sundsvall in Schweden.

    Auf Rang zwei landete die alles überstrahlende Lindsey Vonn

    Der DSV, so kann man spätestens jetzt mit Sicherheit sagen, hat alles richtig gemacht, als er sich vor mittlerweile fünf Jahren um Aicher bemühte. Drei Weltcupsiege hat die 22-Jährige schon gesammelt, der wohl spektakulärste gelang ihr am vergangenen Wochenende, als sie die zweite Abfahrt in St. Moritz gewann. Das ist umso bemerkenswerter, als sie dabei die alles überstrahlende Lindsey Vonn auf den zweiten Platz verwies. Die US-Amerikanerin hatte tags zuvor die erste Abfahrt als schnellste befahren, im zarten Alter von 41 Jahren. Die Scheinwerfer waren also auf Vonn gerichtet, die auch in Führung lag, bis eben Emma Aicher noch ein bisschen schneller war.

    Drama-Queen trifft auf Emma-Aicher

    Zu sehen war im Anschluss ein äußerst gegensätzliches Programm. Auf der einen Seite die Drama-Queen, nie um eine Träne der Rührung verlegen, der Superstar mit der Teilprothese im Knie, die Werbemillionärin mit dem omnipräsenten Logo eines österreichischen Brause-Herstellers auf der Kopfbedeckung. Und eben Emma Aicher. Die nichts davon ist oder hat (bis auf einen mutmaßlich nicht ganz so üppig dotierten Werbevertrag mit dem gleichen Brause-Hersteller), was eine ausdrücklich wertfreie Beschreibung ist. Die Deutsche meidet das Rampenlicht. Vor Interviews ist sie den halben Tag nervös, wenn irgendwo eine Kamera wartet, würde Aicher am liebsten einen eleganten Schwung einlegen und das Weite suchen. „Ich will einfach nur gut Ski fahren und Spaß haben und dann mal schauen, was passiert“, hatte sie im Herbst gesagt, als sie im Rahmen der DSV-Einkleidung den Mikrofonen und zugehörigen Journalisten nicht ausweichen konnte. Wer von ihr gedrechselte Antworten erwartet, die aus mehr als drei Sätzen bestehen, wird enttäuscht. „Ich bin halt so, ich rede nicht viel“, sagt sie selbst dazu. Und: „Ich gehe ganz allgemein an alles entspannt ran. Ich konzentriere mich auf mich und versuche gut Ski zu fahren.“

    Aicher will tatsächlich einfach nur Ski fahren. Das wiederum finder ihr oberster Chef, DSV-Sportvorstand Wolfgang Maier, ziemlich gut. „Emma ist ein cleveres Mädel, sie weiß schon, was sie tut“, sagt er. Der Verband gewährt ihr nicht zuletzt bei dem Unterfangen, in allen vier Disziplinen zu starten, (fast) alle Freiheiten. Als Instinktfahrerin, die von ihrem Gefühl für das komplexe Zusammenspiel aus Geschwindigkeit, Gelände und Schnee lebt, soll sie vor allem den Spaß am Skifahren behalten. „Ein bisschen Schlampigkeit und Laissez-faire musst du dann eben aushalten in dem Sport“, sagt Maier dazu. Ein paar Eckpfeiler bedürfe es dann aber schon, denn als Vielfahrerin im Weltcup bleibt während des Winters keine Zeit für Partys oder sonstige sportfremde Aktivitäten.

    Künftige Kandidatin für den Gewinn des Gesamtweltcups

    Während viele Experten anfangs dazu rieten, Aicher möge sich doch auf ihre Stärken konzentrieren, hat sich der Wind mittlerweile gedreht. Sie hat gezeigt, dass sie in allen Disziplinen vorn mitfahren kann, „und ich würde es gerne weiter so machen, wie bisher“. Das wiederum kürt Aicher fast schon automatisch zu einer künftigen Kandidatin für den Gewinn des Gesamtweltcups. Maier hört das gar nicht gerne, er will diesen zusätzlichen Druck von seiner Athletin am liebsten fernhalten. Bekannt diplomatisch ließ er wissen, dass das ganze „Gelabere“ über den Gesamtweltcup im Zusammenhang mit Aicher unnötig wie ein Tinnitus sei.

    Die Letzte, die beim DSV als Alleskönnerin durchging, war Maria Höfl-Riesch, die 2011 den Gesamtweltcup gewann. Gegenüber dem BR riet sie ihrer Nachfolgerin, auch mal das ein oder andere Rennen auszulassen, „damit man zum Saisonhöhepunkt hoffentlich am Leistungsniveau ganz oben ist“. Das bezieht sich in dieser Saison auf die Olympischen Winterspiele in Italien. Spätestens mit dem Sieg in St. Moritz hat sich Aicher in den Kreis der Medaillenkandidatinnen gefahren.

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