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Aufstieg: FC Augsburg: Der größte Tag

Aufstieg

FC Augsburg: Der größte Tag

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    Die fans wissen, wem zu danken ist.
    Die fans wissen, wem zu danken ist. Foto: Ulrich Wagner

    Die Stadionuhr zeigt 15.18 Uhr, als in der Impuls-Arena ein Orkan losbricht. Schiedsrichter Robert Kempter hat soeben die Partie des FC Augsburg gegen den FSV Frankfurt beim Stand von 2:1 abgepfiffen. Mit diesem Sieg hat der FCA den ersten Bundesliga-Aufstieg in der 104-jährigen Vereinsgeschichte praktisch perfekt gemacht.

    Der Vorsprung auf den VfL Bochum, der mit 3:1 in Osnabrück gewann, beträgt vor dem letzten Spieltag drei Punkte. Die Tordifferenz des FCA (+32) ist klar besser als die des VfL (+12). Damit sind alle Zweifel vor dem Gastspiel beim Zweitliga-Meister und Mitaufsteiger Hertha BSC am kommenden Sonntag nur noch theoretischer Art.

    Nach dem Schlusspfiff spielen sich zuerst beängstigende Szenen ab. Viele Zuschauer aus dem M-Block, dem Bereich, in dem die treuesten Fans stehen, versuchen zu ihren Lieblingen auf den Rasen zu kommen und drücken nach unten zu den Fluchttoren. Um Schlimmeres zu verhindern, wird ein Tor geöffnet und ein paar Dutzend Anhänger gelangen aufs Spielfeld. Als die Polizei und die Ordner versuchen, diese zurückzudrängen, scheint das Geschehen zu eskalieren.

    Luhukay behält kühlen Kopf

    Doch in dieser kritischen Phase behält ein Mann kühlen Kopf: Jos Luhukay. Mit einer flammenden Rede, die direkt auf die Stadionleinwand übertragen wird, beruhigt der FCA-Trainer die Menge. Und als er anstimmt „Nie mehr zweite Liga“ geht die Party richtig los.

    Dabei hatte der bisher größte Tag in der Geschichte des FC Augsburg ganz ruhig begonnen. Vom befürchteten Verkehrschaos ist 90 Minuten vor dem Anpfiff nichts zu bemerken. Aus der Augsburger Innenstadt heraus heißt es – freie Fahrt. Viele Fans sind an diesem sonnigen Muttertag mit dem Fahrrad unterwegs.

    Damit erreichte man zu Beginn des Jahrtausends auch gemütlich das Rosenaustadion. Dort am Wertachkanal begann der märchenhafte Aufstieg des FCA, der gestern seinen vorläufigen Höhepunkt erlebt. Walther Seinsch steigt im Herbst 2000 beim FCA ein. Der Traditionsverein steht kurz vor der Insolvenz, liegt am Boden, als Seinsch zupackt. Der ehemalige Textilunternehmer aus dem Rheinland übernimmt das Zepter. Es ist unternehmerisches Kalkül. Hier kann der „Fußball-Jeck“, wie er sich selbst einmal bezeichnet hat, seine Vision vom Fußball verwirklichen, ohne dass ihm dreingeredet wird. Und er hat große Träume: Aufstieg in die Bundesliga und ein neues Stadion.

    Seit gestern sind es keine Träume mehr, sondern es ist Realität. Der FCA ist der 51. Bundesligist seit der Gründung 1963, und vor den Toren Augsburgs, an der B 17, steht ein funktionales Fußballstadion, das der Verein zum großen Teil selbst finanziert hat.

    Bis dahin war es ein weiter Weg. Am 8. Mai 2001 verliert der FCA in der Bayernliga zu Hause gegen den FC Bayern Hof mit 1:2. 300 (!) Zuschauer pfeifen sich die Seele aus dem Leib. Ein Jahr später feiert der Verein den Aufstieg in die Regionalliga. 4:0 gewinnt der FCA gegen den FV Würzburg. Ein Sponsor verteilt 5000 Freikarten, aber nur 3100 Fans kommen ins Rosenaustadion. Zehn Jahre ist das erst her.

    Dazwischen liegen glückliche Momente, Tränen, dramatische Spiele, Jubel, harte Arbeit und auch viel Geld, das die Investorengruppe um Walther Seinsch in den FCA pumpt.

    Gestern sind alle 30 660 Plätze in der Impuls-Arena gefüllt. Die Augsburger haben in den letzten Wochen ihr Herz für den FCA entdeckt und sich vom Aufstiegsfieber anstecken lassen. Es hat etwas gedauert, aber ist das verwunderlich? In 23 Jahren Dritt- und Viertklassigkeit ist mehr als eine Fan-Generation verloren gegangen. Jetzt kann sich die wachsende Fangemeinde auf Erstliga-Fußball freuen.

    Doch was sind die Gründe für den Super-Frühling 2011? Der hat seine Wurzeln im April 2009. Der FCA steht kurz vor dem Abstieg, als Trainer Holger Fach durch Jos Luhukay ersetzt wird. Der Niederländer rettet den FCA. Danach geht es Schritt um Schritt nach oben. In der vergangenen Saison wird der FCA erst in der Relegation gestoppt. Daraus ziehen Manager Andreas Rettig und Luhukay, die ein perfekt harmonierendes Duo bilden, die richtigen Lehren. Sie stellen einen breiten Kader mit viel Qualität zusammen. Und Luhukay gelingt es, alle Spieler trotz starker Rotation bei Laune zu halten. Es zählt nur das Kollektiv.

    Darum geht dem FCA auch am Ende nicht die Luft aus, wie das gestrige Spiel eindrucksvoll zeigt.

    Und was macht Walther Seinsch an diesem Tag, an dem sich sein Lebenswerk erfüllt? Seit längerer Zeit führt der FCA-Vorstandsvorsitzende, der sich vor einigen Monaten wegen Depressionen in ärztliche Behandlung gab, den Verein von der Ferne aus. So hält er es auch gestern. Er verfolgt das Spiel in seinem Haus in Lindau. Mit dem Schlusspfiff aber setzt er sich ins Auto und fährt nach Augsburg. Nicht einmal zwei Stunden später feiert er mit seiner Mannschaft und den verbliebenen Fans in der Impuls-Arena.

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