Die Zukunft vorhersagen – der Mensch versucht es immer wieder. Er legt Karten, er blickt zu den Sternen, er schüttet Blei in Wasser. Das sind leider alles ziemlich unzuverlässige Methoden. Der Fußballfan geht einen anderen Weg. Er zieht die Zahlen der Vergangenheit zu Rate um auf die Zukunft zu schließen. Lässt sich damit der Weg des FC Augsburg im letzten Dritter der Saison vorhersagen? Wir versuchen es.
Wie viele Punkte sind zum Klassenerhalt nötig?
Die oft zitierte Fußball-Weisheit lautet: 40 Punkte. Im Schnitt der vergangenen zehn Jahre aber genügten deutlich weniger. Der Tabellensechzehnte (Relegationsplatz) hatte seit 2002 zwischen 30 Punkte und 36 Punkten auf dem Konto. Im Durchschnitt genügten 32,8 Punkte für Platz 16. Wer sicher drin bleiben wollte, der musste einen Punkt mehr holen, also im Schnitt 33,8. Wenn man aus den Zahlen eine Faustregel ableiten will, dann müsste sie lauten: Je deutlicher ein Klub über der 34-Punkte-Marke liegt, desto sicherer ist der Klassenerhalt.
Der FC Augsburg muss sich steigern
Der FCA hat nach 23 Spieltagen 21 Punkte auf dem Konto. Wenn er genau so weiter macht – reicht das dann zum Klassenerhalt?
Eher nein. Der FCA hat im Schnitt pro Spiel 0,91 Punkte geholt. Wenn er diese Quote in den kommenden elf Partien hält, dann wird er noch zehn Zähler holen. Macht am Ende 31 Punkte. Das hat in den vergangenen zehn Jahren zweimal zum direkten Klassenerhalt und zweimal zum Relegationsplatz 16 gereicht. In sechs von zehn Jahren ging es mit 31 Punkten nach unten. Der FCA sollte also seine Ausbeute steigern.
Lässt sich aus der jetzigen Tabellenkonstellation hochrechnen, wie viele Punkte am Ende zum Klassenerhalt genügen?
Nein. Vergleicht man, wie viele Punkte in den vergangenen zehn Jahren die jeweiligen Tabellensechszehnten am 23. und am 34. Spieltag hatten, dann tun sich deutliche Unterschiede auf. Die kleinste Differenz war acht Punkte, die größte 16 Punkte. Im Schnitt lag der Unterschied bei zwölf Punkten.
Sind Vereine, die nach dem 23. Spieltag 21 Punkte und mehr auf dem Konto hatten, am Ende abgestiegen?
Das ist der FC Augsburg
Gründungsjahr: 8. August 1907. Vollständiger Name: Fußball-Club Augsburg 1907 e.V.. Rufname: FCA
Ursprung: Der FCA ist ein Zusammenschluss des BC Augsburg und der Vertragsspielerabteilung des TSV Schwaben Augsburg.
Vereinsfarben: Rot-Grün-Weiß
Stadion: SGL-Arena. Fassungsvermögen: 30.660 Plätze. Architekt: Bernhard & Kögl. Spielfläche: 105 x 68 Meter auf Naturrasen. Eröffnung: 26. Juli 2009.
Vorheriger Spielort: Rosenaustadion. Kapazität: 28.000. Eröffnung: 16. September 1951.
Präsident: Walther Seinsch
Trainer: Markus Weinzierl
Ewiger Zuschauerrekord am 15. August 1973 im Münchner Olympiastadion beim Spiel gegen die Löwen: Rund 90.000 Menschen sahen die Partie.
Bekannteste Spieler: Ulrich Biesinger: Fußball-Weltmeister 1954 in der Schweiz, A-Nationalspieler
Helmut Haller: Vizeweltmeister 1966 in England, Teilnahme an der WM 1962 in Chile, Teilnahme an der WM 1970 in Mexiko.
Bernd Schuster: Europameister 1980 in Italien, Spanischer Meister mit dem FC Barcelona und Real Madrid.
Armin Veh: Deutscher Meister als Trainer mit dem VfB Stuttgart im Jahr 2007.
Karlheinz Riedle: Weltmeister 1990 in Italien. Deutscher Meister, Champions-League-Sieger, Weltpokal-Sieger mit Borussia Dortmund.
Ziemlich oft. Beispiele dafür lieferten in den vergangenen zehn Jahren Nürnberg, Cottbus, Mönchengladbach, Rostock, Bielefeld, Bochum, Frankfurt und der FC St. Pauli. Ganz krass sind in der vergangenen Saison Eintracht Frankfurt und der FC St. Paul abgestürzt. Die Hessen lagen nach dem 23. Spieltag mit 27 Punkten auf dem 12. Tabellenplatz. Am Ende waren sie mit 34 Punkten Vorletzter. Noch dramatischer war der Niedergang des FC St. Pauli. Mit 29 Punkten (Platz elf) schienen die Hamburger am 23. Spieltag kurz vor dem Ziel. In den folgenden elf Spielen holten sie nur noch einen Punkt und verabschiedeten sich als Schlusslicht aus der Bundesliga. Einen ähnlich schlechten Saisonendspurt hatte ein Jahr zuvor Bochum hingelegt. Am 23. Spieltag war der VfL mit 26 Punkten Dreizehnter. In den weiteren elf Spielen reichte es nur noch zu zwei Punkten. Bochum stieg als Vorletzter ab.
Aber es gibt doch auch Beispiele, dass Klubs, die am 23. Spieltag 21 oder weniger Punkte hatten, den Klassenerhalt geschafft haben?
Natürlich. Im vergangenen Jahr gelang das sogar zwei Teams. Der VfB Stuttgart und Borussia Mönchengladbach standen am 23. Spieltag mit jeweils 19 Punkten einträchtig ganz unten. Stuttgart holte noch 23 Punkte (von 33 möglichen) und schoss auf Rang zwölf. Gladbach kam auf immerhin 36 Punkte, wurde Drittletzter und rettete sich in der Relegation gegen Bochum.
Was ist der Schlüssel zum Klassenerhalt?
Der Satz „Nur Siege zählen“ stimmt natürlich nicht. Auch Unentschieden bringen Punkte. Aber: zu wenige. Als noch die Zwei-Punkte-Regel galt, konnte sich ein Team mit vielen Punkteteilungen zum Ziel „mogeln“. Mit der Einführung der Drei-Punkte-Regel hat das Unentschieden deutlich an Wert verloren. Theoretisch könnte sich heute eine Mannschaft ungeschlagen mit 34 Unentschieden aus der Bundesliga verabschieden. Arminia Bielefeld stieg 2009 als Tabellenletzter mit 28 Punkten ab. Die Arminen hatten 14 Mal verloren. Das ist für einen Absteiger wenig. Die sechs Mannschaften, die vor ihnen in der Tabelle standen, hatten alle mehr Niederlagen einstecken müssen. Aber die Bielefeler hatten nur vier Spiele gewonnen und 16 mal Unentschieden gespielt. Auch der FCA muss aufpassen, dass er nicht in dieser Unentschieden-Sackgasse landet. Die Augsburger haben bisher zehn Spiele verloren. Weniger als alle Konkurrenten im Abstiegskampf, genau so viele wie der Tabellenachte (!) VfB Stuttgart. Aber neun Unentschieden konnten den FCA nicht wirklich voranbringen. Für den FCA wird sich im Endspurt die taktische Maxime immer mehr ändern. Aus der Vorgabe „bloß nicht verlieren“ wird die Forderung „unbedingt gewinnen“. Trainer Luhukay hat das schon vor dem Hertha-Spiel gesagt: „Nur ein Sieg zählt.“ Recht hatte er – auch wenn ein Unentschieden einen Punkt gebracht hätte.
Klassenerhalt? Das steht in den Sternen
Wie ist das Restprogramm des FCA einzuschätzen?
Eher schwierig. Ein Nachteil: Gegen seine unmittelbaren Konkurrenten Hertha, Kaiserslautern und Freiburg spielt der FCA nicht mehr. Ein Vorteil: sechs der elf ausstehenden Spiele dürfen die Augsburger zuhause bestreiten. Zwei Drittel ihrer Punkte (14 von 21) haben sie in der SGL-Arena geholt, liegen in der Heimtabelle damit auf Rang 13. Allerdings: es kommen die Spitzenteams Dortmund und Schalke nach Augsburg. Auswärts waren bisher nur Freiburg und Wolfsburg schlechter als der FCA.
Was lässt sich aus diesem Feuerwerk der Zahlen über die Chancen des FCA sagen?
Wenn die Saison 2011/2012 exakt im Schnitt der vergangenen zehn Jahre bleibt, dann würden dem FCA zwölf Punkte aus den letzten elf Spielen genügen, um auf Platz 15 zu bleiben. Ob es tatsächlich eine durchschnittliche Saison wird? Das steht in den Sternen.