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Beim VfL Wolfsburg klaffen Anspruch und Wirklichkeit auseinander

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Der VfL Wolfsburg zwischen Anspruch und Wirklichkeit

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    Daniel Bauer (rechts) leitet das Training zusammen mit Tobias Holm (links). Das Trainerduo soll den VfL Wolfsburg vor dem Abstieg bewahren.
    Daniel Bauer (rechts) leitet das Training zusammen mit Tobias Holm (links). Das Trainerduo soll den VfL Wolfsburg vor dem Abstieg bewahren. Foto: Moritz Frankenberg, dpa

    Ob Daniel Bauer dabei sein würde, war unter der Woche nicht ganz klar gewesen. Krankheitsbedingt hatte der Cheftrainer gefehlt, auf der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen den FC Augsburg musste er sich vertreten lassen. Doch Co-Trainer Tobias Holm gab Entwarnung. Betont gelassen wirkte er dabei. Als müsse er zunächst einmal eine der häufigsten Wolfsburger Begleiterscheinungen bekämpfen: Unruhe. „Es ist keine veränderte Situation, außer dass ich heute hier oben sitze“, sagte Holm. An den Abläufen habe sich nichts geändert, der Austausch im Trainerteam sei eng.

    Bauer ist eine wichtige Personalie. Seit seinem Amtsantritt im November – er folgte auf den glücklosen Niederländer Paul Simonis – versucht er, der Mannschaft des Bundesligisten Stabilität zu verleihen. Der 43-Jährige, zuvor U19-Coach beim VfL und mit Vertrag bis Ende Juni 2027 ausgestattet, hat dem Team eine erkennbare Idee gegeben. Wolfsburg wirkt unter ihm weniger wie eine Ansammlung von Einzelspielern, sondern tatsächlich eher wie eine Mannschaft, die gemeinsam Ziele verfolgt.

    Der VfL Wolfsburg verfügt über eine illustre Ansammlung an Spielern

    Bauer war selbst Profi, ein resoluter Mittelfeldmann, spielte unter anderem in Oldenburg, Trier, Magdeburg und beim finnischen Klub Rovaniemi PS. Ihm wird ein inhaltsstarker, zugleich sehr praxisnaher Ansatz nachgesagt. Die Kernprobleme des Kaders ging er offensiv an. Dem teuren Aufgebot waren „Unwuchten“ attestiert worden: zu viele Eitelkeiten, zu viele zentrale Mittelfeldspieler, zu wenig Balance. Bauer entschied sich nicht dafür, die vermeintliche Überbesetzung zu lösen, sondern sie zu nutzen: Er stellte gleich mehrere Zocker gemeinsam auf. Kapitän Maximilian Arnold und Christian Eriksen als Doppelsechs, Lovro Majer als Spielmacher. Die Qualität sollte nicht verwaltet, sondern freigesetzt werden. Ergänzt wird das Ensemble durch junge Spieler wie Rechtsverteidiger Sael Kumbedi, die Angreifer Adam Daghim und Kento Shiogai oder die ehemaligen FCA-Spieler Aaron Zehnter und Dzenan Pejcinovic

    Der VfL lockt regelmäßig Individualisten in die VW-Stadt am Mittellandkanal. Der Klub hat historisch bewiesen, was in ihm steckt. Gleichzeitig scheitert er wiederholt an sich selbst. Felix Magath holte 2009 die Meisterschaft, Dieter Hecking 2015 den DFB-Pokalsieg. 2016 besiegte der VfL die Stars von Real Madrid in der Champions League, es folgten produktive Jahre unter Oliver Glasner zwischen 2019 und 2021. Wolfsburg kann, wenn es funktioniert, die Möglichkeiten ausschöpfen, die der Mutterkonzern VW bietet. Ein Blick auf die aktuelle Tabelle erinnert aber eher daran, dass Geld und Infrastruktur allein keine Garantie für Erfolg sind.

    Das Abrutschen in die Gefahrenzone ist dem Werksklub nicht fremd. In den Jahren 2017 und 2018 rettete sich der VfL jeweils erst über die Relegation. Auch in späteren Spielzeiten drohte der Blick nach unten immer wieder. Aktuell trennt Wolfsburg ein Punkt vom Relegationsplatz. Holm machte deutlich, dass man die Lage sehr wohl einzuordnen wisse. „Wir fahren extrem gut damit, dass wir von Woche zu Woche jedes Spiel angehen. Das klingt vielleicht langweilig, ist aber extrem wichtig für uns.“ Geduld brauche es, um das „kleine Momentum“ auszubauen und „am Ende ziehen zu können“. Wolfsburg wartet seit fünf Ligaspielen auf einen Sieg, unter anderem fielen Enttäuschungen gegen Heidenheim (1:1), Mainz (1:3) und Köln (0:1) in diese Zeit.

    VfL Wolfsburg muss gegen den FC Augsburg zu Hause gewinnen

    Zu Hause gegen Augsburg (Samstag, 15.30 Uhr, Sky) müssen Bauer und sein Team dringend dreifach punkten. Offensivfaktor Patrick Wimmer (drei Tore, drei Vorlagen) fällt bis auf Weiteres mit einer muskulären Verletzung im linken Oberschenkel aus. Ferner bleibt das Aufgebot weitgehend zusammen, offensiv soll Torjäger Mohamend Amoura (acht Treffer) Gefahr ausstrahlen. Die Partie gegen Augsburg ist für den VfL ein weiterer Test, wie die Mannschaft mit Druck umgehen kann.

    Nicht nur auf dem Platz sucht der Klub nach Struktur und Stabilität. Mitte Dezember wurde Pirmin Schwegler als neuer Sportdirektor vorgestellt. Er kam für eine Ablöse von kolportierten 250.000 Euro von Eintracht Frankfurt, wo er seit Jahresbeginn als Leiter Profifußball gearbeitet hatte. Zuvor war der Schweizer unter anderem Chefscout beim FC Bayern München und Direktor Profifußball in Hoffenheim. Schwegler bringt Erfahrung mit. Seine neue Stelle steht zugleich symbolisch für eine Wolfsburger Baustelle: Wer macht eigentlich was? Wer berichtet an wen? In den vergangenen Jahren ging der VfL sorglos mit seinem Organigramm um, Namen, Titel und Kompetenzen wurden durcheinandergewirbelt. Schwegler soll mithelfen, die Saison wenigstens versöhnlich zu Ende zu bringen.

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