FC Augsburg sah wie der sichere Sieger aus. Nach einem Traumtor von Alexis Claude-Maurice hatten die Augsburger lange Zeit mit 1:0 geführt. Sie schienen auf dem besten Weg zum so wichtigen Heimsieg gegen Union Berlin. Bis die Gäste durch Marin Ljubicic in der Nachspielzeit zum 1:1-Endstand zuschlugen. Zu diesem Zeitpunkt war Union nach der Roten Karte gegen Köhn in Unterzahl. Er hatte Samuel Essende am Kopf getroffen. Für den FCA ist das der nächste Dämpfer nach der 0:4-Niederlage vor wenigen Tagen bei Borussia Mönchengladbach.
Dabei war die FCA-Führung ein Kunstwerk. Ein unerwartetes. Lange Zeit hatten die 22 Fußballprofis die 27.267 Fans am Donnerstagabend gequält. Es war eine zähe Bundesliga-Partie zwischen dem FC Augsburg und Union Berlin. Kaum gelungene Spielzüge, kaum Torchancen. Bis zu dieser sechsten Minute der Nachspielzeit in Hälfte eins. Plötzlich lag der Ball vor den Füßen von Alexis Claude-Maurice. Der Franzose hatte viel Platz. Bis zu diesem Moment hatte er wenig bis nichts Sehenswertes gezeigt. In diesen Schuss aber legte er alles rein. Der Ball rauschte in Richtung Union-Tor und schlug unter der Latte ein. Berlins Torwart Frederik Rönnow streckte sich vergeblich. Er flog durch die Augsburger Nacht, ohne Chance allerdings, an den Ball zu kommen. Plötzlich lagen die Gastgeber mit 1:0 vorne.
FCA-Trainer Manuel Baum hatte die Startelf auf vier Positionen gewechselt
Nach der schwachen Leistung von Mönchengladbach war beim FCA eine Reaktion gefordert. Die hatte Trainer Manuel Baum vor Anpfiff gezeigt. Die Leistung seines FCA am Sonntag hatte den Trainer ebenso überrascht, wie schockiert. Bei der klaren Niederlage hatten seine Akteure viele Grundtugenden des Fußballs vermissen lassen. Baum hatte das klar angesprochen. Direkt nach Schlusspfiff in Mönchengladbach bereits, aber auch in den Tagen danach. Nicht jeder Spieler hätte seine Aufgabe am Niederrhein erfüllt, monierte Baum. Das führte zu vier Änderungen in der Startelf.
Mads Pedersen, Han-Noah Massengo, Mert Kömür und Fabian Rieder blieben zunächst auf der Bank, für sie kamen Dimitrios Giannoulis, Elvis Rexhbecaj, Kristijan Jakic und Michael Gregoritsch in die Startelf. Für Gregoritsch war es die erste Bewährungschance von Beginn an nach seinem Wechsel von Bröndby IF zum FCA. Gregoritsch tat sich lange Zeit schwer, was allerdings auch an wenigen brauchbaren Zuspielen in die Sturmspitze lag. Beide Mannschaften taten sich schwer, vor das gegnerische Tor zu kommen. Union Berlin schien in Minute 29 dem Führungstreffer nahe, als sich Oliver Burke in Richtung Tor aufmachte. Er hatte von einem Fehlpass profitiert, der Noahkai Banks unterlaufen war. Burke aber verfehlte das FCA-Tor deutlich.
Auf der Gegenseite dauerte es sehr lange, bis die Augsburger überhaupt mal zum Abschluss kamen. Am gefährlichsten war noch ein Kopfball von Gregoritsch, den Rönnow aber abwehrte (45+3). Zuvor war die Partie nach gut einer halben Stunde für fünf Minuten unterbrochen, weil die FCA-Fans Flummis aufs Spielfeld geworfen hatten. Aus Protest gegen die Anstoßzeiten und die zerstückelten Spieltage in der Fußball-Bundesliga. Ginge es nach den Fans, würden alle Partien samstags um 15.30 Uhr beginnen.
Die Fans von Union Berlin hatten ein Geschenk für den FCA im Gepäck
Trotz der späten Anstoßzeit an einem Donnerstagabend waren viele Anhänger aus Berlin mitgekommen. Und sie hatten ein Geschenk für die Augsburger dabei. Seit 2009 ehrt der Supporterverband von Union Berlin jährlich den fanfreundlichsten Gastgeberverein der Vorsaison mit seinem JWD-Pokal („Janz Weit Draußen –Jut War’t, Danke“). Der FC Augsburg erhielt die Auszeichnung bereits zum zweiten Mal.
In der zweiten Halbzeit wurde die Partie besser. Zumindest zeitweise. Weil die Gastgeber mehr Platz zum Kombinieren hatten. Zu weiteren Möglichkeiten kamen sie zudem. Wie in Minute 58, als Claude-Maurice mit einem Freistoß den Pfosten traf. Wenig später rettete Berlins Torwart Rönnow gegen Anton Kade mit einer sehenswerten Parade. In der 78. Minute packte Rönnow sicher bei einem Schuss von Banks zu.
Die Berliner blieben weiterhin weitgehend ungefährlich. Bis in die Nachspielzeit, als Ljubicic die Augsburger mit dem Ausgleich überraschend schockte.
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