Eigentlich war der Termin ideal. Geburtstag an einem Samstag, das freut viele Arbeitnehmer. Weil der Samstag oft ein freier Tag ist und damit eine gute Gelegenheit für eine Feier bietet. Sandro Wagner aber ist Fußballtrainer. Und der Bundesliga-Spielplan sieht das Wochenende als Regelarbeitszeit vor. Das hatte zur Folge, dass der Trainer des FC Augsburg mit seiner Mannschaft nach Sinsheim zur TSG Hoffenheim musste. Für Wagner wurde es ein Geburtstag zum Vergessen.
0:3 verloren seine Augsburger vor 20.218 Fans, es war eine dieser Leistungen, nach denen gerne mal Nachfragen zur Arbeit des Trainers gestellt werden. Vor allem, wenn es nicht der erste enttäuschende Auftritt in einer Saison ist. Der FCA hatte sich bereits gegen Leipzig und Mainz blamiert sowie gegen St. Pauli und Heidenheim enttäuscht. Die erste Hälfte gegen Hoffenheim passte in die Reihe dieser Leistungen. „Wir hatten 25 katastrophale Minuten, in denen wir das ganze Spiel kaputt machen“, sagte Wagner.
Nach Schlusspfiff war er zusammen mit seiner Mannschaft zu den mitgereisten Fans marschiert. Es wurde ein wenig diskutiert, wie Robin Fellhauer hinterher erzählte. In der Bewertung seien sich alle einig gewesen. Die Leistung war zu wenig, um in Hoffenheim zu punkten. Im Heimspiel am Samstag gegen Leverkusen braucht es eine Steigerung, auch diese Forderung war in der Kurve formuliert worden. Mit Applaus und Anfeuerungsrufen von den Rängen trotteten die Spieler in Richtung Kabine.
Nun warten auf den FCA zwei echte Brocken
Der Nachmittag hatte geschmerzt. Auch Wagner, der sich vor und nach der Partie viele Glückwünsche zu seinem 38. Geburtstag abholen konnte. Selbst die Hoffenheim-Fans hatten für ihn in der Schlussphase ein Lied gesungen. Wagner freute das, ließe das doch erkennen, dass er in der Vergangenheit viel richtig gemacht habe. Die Gegenwart aber ist ernüchternd.
Wagner sucht momentan seinen Weg als Trainer. Der ist durchaus holprig. Gegner, die auf Augenhöhe sein sollten, hatten sich als Stolpersteine erwiesen. In Hoffenheim waren die Augsburger chancenlos. Und mit Leverkusen und Frankfurt warten nun zwei echte Brocken. Nicht, dass die Augsburger komplett aus dem Tritt geraten.
In der Beurteilung waren sich die Beteiligten einig. „Es darf uns als FC Augsburg nicht passieren, dass der Gegner mehr Wille hat“, sagte Elvis Rexhbecaj, der in Hälfte zwei in die Partie gekommen war. Also das Debakel von Halbzeit eins von außen erlebt hatte. Die Gegentore von Bazoumana Touré (16.) und Wouter Burger (26.), bei denen auch Augsburgs Torwart Finn Dahmen nicht seine beste Form zeigte. Das 0:3 (45.) fiel nach einer Slapstick-Aktion, als Noahkai Banks seinen Nebenmann Cedric Zesiger anköpfte, von dessen Bein flog der Ball ins Tor. Es war der Moment, der den Gästen den letzten Glauben raubte.
Hälfte zwei war zwar von einer Steigerung geprägt, letztlich aber änderte auch die nichts mehr an einem verdienten Ausgang der Partie. „Es darf nicht passieren, dass die TSG den Sieg mehr will als wir“, sagte Benjamin Weber. Die Tendenz sei zuletzt gut gewesen, meinte der Sportdirektor, umso erstaunter war er über die Nichtleistung in Hälfte eins. „Heute fühlt es sich nicht gut, weil es nicht zu den vergangenen Spielen passt“, sagte er.
Der FCA-Plan mit Essende geht nicht auf
Wagner hatte seine Startformation auf zwei Positionen verändert. Den gesperrten Keven Schlotterbeck ersetzte Cedric Zesiger in der Innenverteidigung. Im Angriff verdrängte Samuel Essende den zuletzt schwachen Alexis Claude-Maurice. Essende sollte sich mit seiner Robustheit erwehren und die langen Bälle verarbeiten, zu denen die Gäste wegen des frühen Hoffenheimer Pressings immer wieder gezwungen waren. Ein Plan, der nicht aufging. Wie so vieles an diesem Nachmittag.
Robin Fellhauer nahm Wagner in Schutz. „Der Trainer hatte eine Idee, meistens ist es eine gute. An der Taktik lag es nicht“, sagte der Allrounder. Klar ist aber: Dem FCA fehlten Galligkeit, Griffigkeit und Gier. „Wenn man als FCA den Sieg nicht so sehr will wie der Gegner, das kann nicht sein. Das geht nicht und können wir nicht akzeptieren. Dann kommen wir auch nicht in einen Flow“, sagte Wagner. Der FCA-Trainer vermisste auf dem Platz Eigenverantwortlichkeit seiner Spieler. „In der ersten Halbzeit hat uns die Organisation von innen gefehlt“, meinte er. Eine solche Eigenverantwortlichkeit könne man nun „durch Personalwechsel vorantreiben oder durch Entwicklung.“
Was nun aber tun? „Gegen Leverkusen müssen wir schauen, dass wir eine andere Haltung gegen den Ball an den Tag legen“, sagte der FCA-Trainer. Für ihn war jedenfalls der Geburtstag nicht mehr zu retten. Seine Spieler hatten ihm vor der Partie gratuliert. Auf dem Feld aber machten sie ihm keine Geschenke mehr. Die bekam die TSG Hoffenheim.
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