Entschlossen, griffig und hoch konzentriert präsentierte sich der FC Augsburg im Bundesliga-Spiel beim Hamburger SV, belohnte sich dafür aber nur mit einem Auswärtspunkt. Das Tor für den FCA erzielte Arthur Chaves (23.), für den HSV traf Ransford Königsdörffer in der 60. Minute.
Die personellen Stellschrauben, an denen FCA-Trainer Manuel Baum gedreht hatte, zeigten Wirkung. Denn nach drei Bundesliga-Niederlagen in Folge und der Länderspielbelastung für einige Nationalspieler sah er sich zum Handeln gezwungen. Im Vergleich zur enttäuschenden 2:5-Niederlage gegen den VfB Stuttgart rückten vier Neue ins Team. Der Brasilianer Artur Chavez ersetzte Noahkai Banks in der Dreierkette.
Im Mittelfeld musste Baum auf Kristijan Jakic, der gegen Köln, Leipzig und Dortmund in der Startelf gestanden hatte, verzichten. Er war nach seinen Länderspieleinsätzen in den USA für die kroatische Nationalmannschaft angeschlagen zurückgekehrt. Elvis Rexhbecaj und Han-Noah Massengo mussten auf der Bank Platz nehmen, Marius Wolf und Anton Kade rotierten in die Anfangsformation.
Ex-HSVler Michael Gregoritsch in der Sturmspitze
Spannend war die neue Ausgestaltung des zentralen Mittelfeldes, wo sich Fabian Rieder und Robin Fellhauer die Aufgaben teilten und viel Übersicht und Kontrolle bewiesen. Im Sturm nahm Baum die letzte Veränderung vor. Er setzte auf Routine und körperliche Robustheit und entschied sich für Michael Gregoritsch, der anders als noch gegen Stuttgart und Dortmund den Vorzug vor Rodrigo Ribeiro bekam. Wohl auch weil der Österreicher die Erfahrung von zwei Jahren in Diensten des HSV mitbrachte.
Und die personellen Änderungen zeigten Wirkung, denn vom Start weg hatte der FCA Zug nach vorne, auch wenn er zugleich höllisch aufpassen musste, das gefährliche Konterspiel der Hanseaten zu unterbinden. So rettete Keven Schlotterbeck in der 18. Minute in großer Not gegen Otele, auf der anderen Seite liefen zwei Chancen von Michael Gregoritsch ins Leere.
Artur Chaves erzielt die 1:0-Führung für den FCA
Das engagierte und strukturierte Vorgehen des FC Augsburg wurde in der 22. Minute schließlich belohnt. Ein weiter Ball über das Mittelfeld landete bei Marius Wolf, der von rechts in den Strafraum flankte, der Ball prallte an Hamburgs Micelbrencis ab und tropfte direkt vor die Füße des lauernden Arthur Chaves. Der brauchte nur noch den Fuß hinzuhalten, um mit seinem zweiten Saisontor die 1:0-Führung für den FCA zu erzielen.
Die Hamburger versuchten ihrerseits Druck zu machen, doch selbst die Standards verpufften wirkungslos, da die Augsburger Defensive konzentriert bei der Sache war. Schon die Körpersprache der Augsburger zeigte die tiefe Entschlossenheit, den Hamburgern keinen Millimeter Raum zu überlassen. So ballte Cédric Zesiger die Faust, als er einen Angriff von Robert Glatzel aushebelte. In der 39. Minute dann eine Glanztat von FCA-Keeper Finn Dahmen, der einen Schuss von Otele mit den Fingerspitzen noch über die Latte lenkte. Glück hatte der FCA dennoch in einigen Situation, vor allem kurz vor der Halbzeitpause, als Robert Glatzel relativ unbedrängt einen Schuss am FCA-Gestänge vorbeisetzte.
Schiedsrichter Aytekin gibt fälschlicherweise Freistoß für den FCA – Fairplay von Gregoritsch
Kurz danach folgte die kurioseste Szene des Spiels. Schiedsrichter Deniz Aytekin hatte fälschlicherweise ein Foul von HSV-Spieler Vieira an Michael Gregoritsch gepfiffen, der an der Strafraumgrenze zu Fall kam. Aytekin wollte den Augsburgern einen Freistoß geben, doch Gregoritsch räumte im Gespräch mit dem Unparteiischen ein, dass es kein Foul von Vieria war. Die Folge: Halbzeitpfiff und anerkennender Applaus aus dem Hamburger Rund für den Österreicher und ehemaligen HSV-Spieler.
Wie fragil die 1:0-Führung allerdings war, zeigte sich in der 50. Minute, als der Hamburger Ransford Königsdörffer in den Sprintmodus wechselte und sein strammer Schuss nur hauchdünn am linken Pfosten von Finn Dahmens Tor vorbeizischte. In der 60. Minute war es dann aber so weit. Miro Muheim bediente im schönsten Spielzug der Hamburger seinen Teamkollegen Glatzel, der wiederum legte Königsdörffer so formidabel auf, dass dieser mit einem satten Schuss den 1:1-Ausgleich erzielen konnte (60.). Damit war der Volkspark mit seinen 57.000 Zuschauerinnen und Zuschauern wachgerüttelt, der FCA geriet wieder mehr unter Druck.
Als Muheim in der 68. Minute nach einer Notbremse vom Platz gestellt wurde, suchte der FCA sein Heil in Entlastungsangriffen. Den besten davon hätte Michael Gregoritsch zum 2:1 verwandeln können, doch er scheiterte am Pfosten (74.).
Wären allerdings zwei hochkarätige Rettungstaten von Finn Dahmen nicht gewesen, hätte sich der FCA in der hektischen Schlussphase noch komplett um den Lohn seiner verdienten Arbeit bringen können. In der 84. Minute erhitzten sich die Gemüter dann über die Maßen, als die Hamburger bei einer Abwehraktion von Zesiger vehement Elfmeter forderten. Nach Videostudium aber entschied Schiedsrichter Aytekin, dass Zesigers Arm ordnungsgemäß an den Körper angelegt war. Die HSV-Fans waren damit überhaupt nicht einverstanden und heizten die Stimmung noch weiter an, der FCA wehrte sich nach Kräften und überstand die kritische Phase ohne weiteren Gegentreffer. Der eine Auswärtspunkt war gerettet.
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