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FCA gegen Leverkusen: So gelang die Sensation

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Willensstärke schlägt Zahlen: So gelang der FCA-Erfolg gegen Bayer Leverkusen

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    Die FCA-Profis feiern mit ihren Fans das Tor zum 2:1.
    Die FCA-Profis feiern mit ihren Fans das Tor zum 2:1. Foto: Rolf Vennenbernd, dpa

    Bisher hatte Manuel Baum ein festes Ritual, wenn es für seine Mannschaft einen Elfmeter gab. Dann drehte sich der Trainer des FC Augsburg um und wartete, bis der Strafstoß ausgeführt war. Doch da dies zuletzt kein Glück brachte, Keven Schlotterbeck und Alexis Claude-Maurice vergaben, brach Baum in Leverkusen mit dieser Gewohnheit.

    In Leverkusen schaut Manuel Baum beim Elfmeter hin

    „Heute habe ich mich provokativ an die äußerste Ecke der Coachingzone gestellt und gedacht: Jetzt schaue ich ihn rein“, erklärte Baum nach der Partie. „Es hat geholfen“. Sein Blick hatte dabei Fabian Rieder fixiert. Es lief die siebte Minute der Nachspielzeit, als der Schweizer Nationalspieler sicher zum 2:1 (1:1)-Auswärtssieg verwandelte. Ein Schlusspunkt, den keiner der knapp 30.000 Zuschauer in der BayArena und der direkt Beteiligten erwartet hätte.

    Denn der Champions-League-Anwärter war eigentlich seiner Favoriten-Rolle gerecht geworden. 36:11 Torschüsse, ein xGoals-Wert von 3,8 zu 1,33. Problem: Die Bayer-Offensive erzielte nur ein Tor. Das lag auch daran, dass der FCA an diesem Tag Glück hatte (wie beim zurückgenommenen Elfmeter in der 85. Minute), aber auch einen Gegner darstellte, der sich gegen die Bayer-Übermacht wehrte, wie die Comic-Bewohner des kleinen gallischen Dorfes, dessen Widerstand gegen die Römer von Asterix und Obelix angeführt wurde.

    Beim FCA ragen zwei Spieler heraus

    Beim FCA ragten zwei Namen aus dem starken Kollektiv heraus: Torhüter Finn Dahmen und der zweifache Torschütze Fabian Rieder. In der 16. Minute hatte der Schweizer die Führung der Leverkusener durch Patrik Schick (12.) egalisiert und dann tief in der Nachspielzeit mit dem verwandelten Elfmeter das Spiel auf den Kopf gestellt. Nach dem Schlusspfiff standen beide Teams ganz nah vor ihren Fans. Die FCA-Profis feierten mit ihren knapp 1000 mitgereisten Anhängern, und was auf der anderen Seite zunächst bedrohlich wirkte, war von den Bayer-Ultras als Einstimmung und Schulterschluss vor dem DFB-Pokalhalbfinale gedacht. Dort empfängt Bayer am Mittwoch (20.45 Uhr) den FC Bayern München.

    Es wirkt bedrohlich, aber die Bayer-Ultras stimmen das Bayer-Team schon auf das Pokalhalbfinale gegen den FC Bayern München ein.
    Es wirkt bedrohlich, aber die Bayer-Ultras stimmen das Bayer-Team schon auf das Pokalhalbfinale gegen den FC Bayern München ein. Foto: Rolf Vennenbernd, dpa

    Rieder, der auf seiner „Lieblingsposition“ auf der Doppel-Sechs laut Baum ein „Top-Niveau“ erreichte, bewies beim entscheidenden Elfmeter außergewöhnliche Moral. Zuvor war er in der eigenen Hälfte mit Krämpfen am Boden gelegen. „Du musst da erst mal aufstehen, den Weg dahin finden und das Ding dann eiskalt reinhauen“, lobte Baum die Willensleistung seines Mittelfeldmotors, die sinnbildlich für die Einstellung der gesamten Mannschaft stand.

    Fabian Rieder ohne Angst beim Elfmeter: Auch Ronaldo und Harry Kane haben schon verschossen

    Rieder selbst blieb sachlich, antwortete aber auch selbstbewusst: „Ich hatte heute ein gutes Gefühl. Ronaldo und Harry Kane haben auch schon verschossen, das ist keine Schande, aber ich wollte einen guten Schuss machen, was auch gelungen ist.“ Für den 24-jährigen Schweizer waren die letzten sieben bis acht Spiele die besten seiner bisherigen Karriere auf diesem Niveau.

    Sieg zum 100. Bundesligaspiel von Manuel Baum mit dem FCA

    Der zweite Erfolg in dieser Saison gegen die Werkself zeigt die Entwicklung der Mannschaft unter Baum. Seine zweite Amtszeit begann im Dezember ebenfalls mit einem Sieg gegen Leverkusen (2:0) – wenige Tage nach der Trennung von Sandro Wagner. Während jener Sieg von der Anfangseuphorie und dem Leitspruch „keep it simple“ getragen war, war der Erfolg am Samstag im 100. Bundesligaspiel von Baum als FCA-Trainer das Ergebnis eines Reifeprozesses. Auch nach fünf Spielen in Folge ohne Sieg glaubten die Spieler an die eigenen Stärken. Man habe sich von der „brutalen Qualität“ Leverkusens nicht beeindrucken lassen und die Fähigkeit entwickelt, gegnerische Chancen mental abzuhaken und „mit großem Herz weiterzufighten“, erklärte Baum hinterher. Ein „Learning“ aus diesem Spiel sei die psychologische Festigkeit. „Wir müssen immer an die nächste Aktion denken, ohne die vorige mitzunehmen. Ansonsten würdest du bei so einem Druck irgendwann die weiße Fahne hissen und sagen, irgendwann fällt das Tor.“

    Klassenerhalt mit 36 Punkten gesichert

    Mit nun 36 Punkten ist der Klassenerhalt für die Augsburger gesichert. Baum wählte nach Abpfiff ein anschauliches Bild für die aktuelle Situation: „Rechnerisch ist noch was möglich. Aber wenn man realistisch ist, stehen wir auf der Stufe Klassenerhalt mit ein dreiviertel Füßen drauf. Wir sind jetzt dabei zu überlegen, was wir auf die nächste Stufe schreiben.“ Die Ambitionen im Kader sind nach diesem Befreiungsschlag groß. Fabian Rieder zeigt sich hungrig im Saisonendspurt. „Wir sind sehr ambitioniert. Es gibt noch zwölf Punkte zu vergeben, so acht oder neun fände ich schon cool.“ Es scheint nicht so, als würde das Team wie in den beiden vergangenen Spielzeiten den Saisonschlussspurt gemächlich angehen wollen.

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