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Interview: Ex-FCA-Spieler Danso: "Wir wollten das komplett anders lösen"

Interview

Ex-FCA-Spieler Danso: "Wir wollten das komplett anders lösen"

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    Kevin Danso (rechts) jubelt mit seinem Teamkollegen Lois Openda vom RC Lens. Für den Ex-FCA-Profi in dieser Saison mit seinem Klub Alltag.
    Kevin Danso (rechts) jubelt mit seinem Teamkollegen Lois Openda vom RC Lens. Für den Ex-FCA-Profi in dieser Saison mit seinem Klub Alltag. Foto: Franck Faugere, Witters

    Hallo Herr Danso, eine lange Saison ist für Sie jetzt mit dem EM-Qualifikationsspiel mit Österreich gegen Schweden zu Ende gegangen. Freuen Sie sich auf die Pause? 
    KEVIN DANSO: Ja. Ich habe jetzt bis 12. Juli frei. Es geht erst einmal in die Heimat meiner Eltern nach Ghana und dann werde ich vor dem Trainingsstart schon mit meinem Athletik-Trainer individuell arbeiten und mich vorbereiten. 

    Es war für den Verein und für Sie persönlich eine phänomenale Saison. Mit dem RC Lens qualifizierten sie sich hinter PSG Paris als Zweiter in der französischen Ligue 1 direkt für die Champions League. Sie persönlich wurden von der Spieler-Vereinigung in das Team der Saison gewählt. Wie können Sie sich das alles erklären?
    DANSO: Die Vereinsverantwortlichen und wir Spieler wussten schon, dass wir eine gute Mannschaft haben. Wir haben das schon in der Saison 21/22 bewiesen, als wir lange Zweiter waren, ehe wir noch auf Platz sieben zurückgefallen sind. In dieser Saison haben wir es hinbekommen, die entscheidenden Spiele zu gewinnen oder nicht zu verlieren.

    Wie lautet die Erfolgsformel?
    DANSO: Wir sind als Mannschaft in den letzten zwei Jahren, seit ich hier bin, ganz eng zusammengewachsen und haben uns immer weiter gesteigert.

    Hat Ihnen und ihrer Mannschaft der 3:1-Heimsieg gegen PSG Paris mit Kylian Mbappé am 1. Januar 2023 noch den letzten Push gegeben? Das Medien-Echo war riesig.
    DANSO: Wir wussten, dass wir eine starke Mannschaft sind und PSG zu Hause schlagen können. Unsere Heimstärke in dieser Saison war herausragend (Anm. d. Red.: 17 Siege, 1 UE, 1 Niederlage). Wir wussten, welche Qualität wir haben, dass wir jede Mannschaft in der Liga schlagen können. Gegen PSG ist es natürlich ein Ticken schwieriger, aber am Ende des Tages ist es uns gelungen.

    Welche Rolle spielt Trainer Franck Haise? Er lässt gerne im 3-4-2-1-System spielen, legt viel Wert auf die Defensive. Lens hatte mit 29 Gegentoren die mit Abstand beste Abwehr. 
    DANSO: Das System spielt für mich keine so große Rolle, wenn alle eingespielt sind. Ich spiele einfach gerne Fußball. Aber der Trainer ist wirklich super. Das System passt zu uns und wir wissen alle, was wir zu tun haben. Unser Trainer sagt genau, was er auf dem Platz sehen will. 

    Sie persönlich haben eine sensationelle Entwicklung hingelegt. Sie wurden als bester Innenverteidiger der Liga ausgezeichnet.
    DANSO: Da steckt sehr viel Arbeit dahinter. Ich habe wirklich viel getan, um solch eine Saison zu spielen. Ich habe auf und neben dem Platz auf alles geachtet, versucht, mich überall zu verbessern. Ich habe zusätzlich mit einem Fitness- und einem Mentalcoach gearbeitet. Es macht mich schon ein wenig stolz und glücklich, dass ich für das, was ich investiert habe, belohnt wurde.

    Dann haben Sie mit Ihrem Wechsel 2021 vom FC Augsburg nach Lens sportlich alles richtig gemacht.
    DANSO: Das war damals eine Entscheidung für mich. Ob es richtig oder falsch war, weiß ich nicht. Es war auf jeden Fall wichtig für meine Entwicklung. Ich denke, mein Potenzial hat man beim FCA in der Jugend und später dann bei den Profis schon gesehen. Aber ich durfte es, jedenfalls aus meiner Sicht, am Ende nicht richtig zeigen und entfalten. Hier bei Lens habe ich mich nicht nur als Fußballer, sondern auch als Mensch weiterentwickelt.

    Der Wechsel verlief ja alles andere als harmonisch, am Ende mit einem Eklat im Trainingslager am Walchsee. Hätte man das vielleicht anders lösen können?
    DANSO: Wir wollten das komplett anders lösen. Wir waren mit unseren Aussagen ganz klar gegenüber dem FCA. Am Ende des Tages ist es anders gekommen. Was danach über mich in den Medien stand, fand ich schade. Das entsprach nicht der Wahrheit und hatte nichts mit meinem Charakter zu tun. Aber man muss manchmal Entscheidungen treffen und dann mit den Folgen leben. Aber das ist zwei Jahre her. Ich konzentriere mich jetzt nur noch auf das Hier und Jetzt.

    Kevin Danso diskutiert mit dem damaligen Trainer Markus Weinzierl im  Trainingslager in Walchsee (Tirol). Danach muss der Spieler abreisen.
    Kevin Danso diskutiert mit dem damaligen Trainer Markus Weinzierl im Trainingslager in Walchsee (Tirol). Danach muss der Spieler abreisen. Foto: Klaus Rainer Krieger

    Da spielen Sie gerade mit Österreich eine sehr erfolgreiche EM-Qualifikation. Am Samstag gab es ein 1:1 in Belgien, am Dienstag folgte ein 2:0-Sieg gegen Schweden. Bei beiden Partien saßen Sie aber nur auf der Bank. Warum?
    DANSO: Das war mit Trainer Ralf Rangnick abgesprochen. Ich hatte mir im letzten Saisonspiel mit Lens eine kleine Muskelverletzung zugezogen. Ich bin zwar fit geworden, aber es bestand immer noch ein Risiko. Wenn ich hätte spielen müssen, hätte ich gespielt.

    Sie sind in der Qualifikation noch ungeschlagen. Wird Österreich nächstes Jahr in Deutschland dabei sein?
    DANSO: Wir glauben daran. Wir wollen alle nach Deutschland zur Endrunde. Ich bin fest davon überzeugt, dass es uns gelingen wird.

    Welchen Anteil hat Ralf Rangnick, der vor einem Jahr die Nationalmannschaft übernommen hat, an diesem neuen Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein?
    DANSO: Es macht unheimlich Spaß mit ihm zu arbeiten. Ich hatte schon viel über seine Erfolge gehört, bevor ich ihn kennen gelernt habe. Er ist als Trainer und Mensch eine besondere Persönlichkeit. Er ist gierig, will den Erfolg und uns immer besser machen. Ich bin glücklich, dass er unser Nationaltrainer ist. Er ist zu meinem Mentor geworden.

    Sie werden nächste Saison in der Champions League spielen. Aber bei welchem Klub? Mit Lens? Ihr Name wird vor allen bei großen italienischen Klubs wie SSC Neapel, AC und Inter Mailand gehandelt. Auch RB Leipzig ist wohl interessiert. Was ist dran?
    DANSO: Ich habe bis 2026 einen Vertrag mit Lens. Darum mache ich mir darüber keine Gedanken. Ich kann nur meine Spielweise beeinflussen. Ich bin froh, dass die Saison so toll gelaufen ist. Aber jetzt geht es erst einmal in den Urlaub und um alles andere kümmert sich mein Bruder als mein Berater.

    Zur Person

    Kevin Danso, 24, wurde vom FCA als 15-Jähriger in der Nachwuchsmannschaft von Milton Keynes Dons entdeckt und nach Augsburg geholt. Der Sohn ghanaischer Eltern wurde in Voitsberg in Österreich geboren. Im Alter von sechs Jahren zog er mit seiner Familie nach Großbritannien. Mit einem Alter von 18 Jahren und 165 Tagen war Danso im März 2017 der jüngste Debütant der Augsburger Bundesligageschichte. Doch das Ende verlief unrühmlich. Er fühlte sich nach mehreren Leihen im Sommer 2021 ungerecht behandelt, musste das Trainingslager in Walchsee verlassen. Wenige Wochen später wechselte er zum RC Lens.

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