Es war ein früher Start für Luis Fernando Díaz Marulanda in München. Um 6.30 Uhr morgens landete der Kolumbianer am Münchner Flughafen. Aus Tokio, wo der Stürmer mit dem FC Liverpool Station gemacht hatte, ging es über Nacht in die bayerische Landeshauptstadt. Dort stand im Krankenhaus Barmherzige Brüder in der Nähe des Nymphenburger Schlosses der obligatorische Medizincheck an. Die Unterschrift unter dem Vierjahresvertrag beim FC Bayern war zu diesem Zeitpunkt bereits eine Formsache. Etwa 14 Millionen Euro soll der 28-Jährige jährlich verdienen, als Ablöse sind bis zu 75 Millionen Euro im Gespräch. Es ist ein Megadeal, selbst für die Bayern. Diaz wird nach Lucas Hernandez (2019 für 80 Millionen von Atlético) und Harry Kane (100 Millionen an Tottenham vor zwei Jahren) der drittteuerste Spieler der Vereinsgeschichte werden.
Ob er das wert ist? Darüber liefern sich viele Bayern-Fans gerade eifrige Diskussionen. Dietmar Hamann, ehemaliger Bayern-Profi, sagte in einer Diskussionsrunde seines Arbeitgebers Sky am Dienstag dazu: „Er hat Tempo und Herz. Er ist ein Spieler, der die Bayern vom ersten Tag an besser machen wird und den die Fans lieben werden. Die Bayern bekommen einen sehr guten Spieler – zu einem sehr hohen Preis.“ Diaz sei ein Profi, der das Herz auf dem Platz lässt, der trotz seiner guten Technik auch ein Kämpfer ist. Letzteres hätte man über dessen Quasi-Vorgänger Leroy Sané, nicht immer sagen können, so Hamann: „Vom Potenzial her ist Sané besser, aber er hat es zu selten gezeigt.“
Luis Diaz wurde bei einem Turnier der indigenen Völker entdeckt
Nun also Diaz, der vielleicht eine der ungewöhnlichsten Geschichten des Spitzenfußballs hat. Der Kolumbianer wuchs in Barrancas im Nordosten des Landes auf. Viele Menschen dort gehören zum Volk der indigenen Wayuu. Die Gegend ist ein sozialer Brennpunkz. Diaz war, bis er 18 Jahre alt war, nicht einmal bei einem größeren Verein gemeldet. Erst bei einem Fußballturnier der indigenen Völker wurde er von einem Scout des Zweitligisten Barranquilla entdeckt, der ihn unter Vertrag nahm. Das war 2015. Dann ging alles schnell. Zwei Jahre später war er Juniorennationalspieler seines Landes, ein weiteres Jahr später gab er sein Debüt für die A-Auswahl seines Landes. Wieder ein Jahr später folgte der Wechsel zum FC Porto, 2022 der Schritt zum FC Liverpool. In Diensten der Reds wurde Diaz zum Weltstar, erlebte im Oktober 2023 aber wohl die schrecklichsten Tage der Karriere: Seine Eltern wurden in der Heimat an einer Tankstelle entführt. Seine Mutter kam nach einem Tag frei, sein Vater blieb insgesamt 13 Tage in Gefangenschaft einer Guerilla-Organisation. Diaz bekam frei, spielte wieder und feierte sein Tor mit einem T-Shirt, auf dem „Freiheit für Papa“ stand. Wenige Tage später folgte die erlösende Nachricht kam: Sein Vater ist frei und gesund, der öffentliche Druck hatte zu seiner Freilassung geführt.
Beim FC Bayern wird Diaz der dritte Kolumbianer nach Adolfo Valencia und James Rodriguez werden. Der Rechtsfuß, der am liebsten auf dem linken Flügel spielt und stark in Eins-gegen-Eins-Situationen ist, kann auch im Zentrum eingesetzt werden und verleiht dem FC Bayern mehr taktische Flexibilität. Diaz alleine wird aber nicht reichen, um die dezimierte FCB-Offensive zu komplettieren. Jamal Musiala fällt für weite Teile des Kalenderjahres aus, mit Sané und Thomas Müller stehen zwei Abgänge lange fest.
Hamann würde Woltemade nicht holen: „Kennt englische Wochen nur aus dem Fernsehen“
Dass mit Nick Woltemade ein zweiter Wunschspieler der Bayern noch in München anheuert? Angesichts der Preisvorstellungen dessen aktuellen Vereins Stuttgart sind daran Zweifel erlaubt. Mindestens 60 Millionen Euro sollen sich die Schwaben für den 23-Jährigen vorstellen, der vor einem Jahr aus Bremen gekommen war. Hamanns Meinung hierzu: „Ich würde das nicht bezahlen. Er hat in Stuttgart ein sehr gutes Jahr gehabt, aber er war nicht einmal für den Europapokal gemeldet. Die Englischen Wochen kennt er nur aus dem Fernsehen.“ Dazu komme der finanzielle Aspekt, so der Sky-Experte: „Du kannst nicht einen Spieler holen, der vor einem Jahr noch ablösefrei war und für den dann 60 Millionen Euro zahlen. Das ist ein Geschäftsmodell, das in den Ruin führen wird.“ Die Bayern sollten dahin kommen, kreativer auf dem Transfermarkt zu agieren, etwas versuchen, wie es dem VfB mit Woltemade gelungen ist.
Auf dem Transfermarkt habe der FCB zuletzt einiges von seiner Strahlkraft verloren: „Es wurden Spielern Verträge angeboten, die der Aufsichtsrat nicht durchgewunken hat.“ Bei Davies oder Kimmich sei dies so gewesen. „Das kostet Ansehen. Favorit auf die Meisterschaft seien die Bayern trotzdem – aber deshalb, weil es an Konkurrenz mangele. „Aber bis Ende August kann noch viel passieren.“ Es muss ja nicht gleich noch ein Diaz kommen.
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