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Glosse: Im Fußball wimmelt es von unfassbar brutalen Maschinen

Glosse

Im Fußball wimmelt es von unfassbar brutalen Maschinen

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    Ist nach Ansicht von Halle-Trainer Robert Schröder „ein brutaler Typ“: FCA-Coach Sandro Wagner.
    Ist nach Ansicht von Halle-Trainer Robert Schröder „ein brutaler Typ“: FCA-Coach Sandro Wagner. Foto: Hendrik Schmidt, dpa

    Der Fußball ist völlig zu Recht für seinen Umgang mit der deutschen Sprache berühmt. Das muss man, um mit Bruno Labbadia zu sprechen, gar nicht erst hochsterilisieren. Klar, dass den Spitzensportlern vor allem dynamische Bilder liegen. So rief Chefmotivator Lukas Podolski schon mal dazu auf: „Wir müssen jetzt die Köpfe hochkrempeln – und die Ärmel auch.“ Motivation und Dynamik sind Hauptthemen der Profi-Kicker.

    Permanent wird vor jedem Spiel gepredigt, dass man aber so was von dringend „alles raushauen“ muss. Wahlweise natürlich auch gerne „alles reinhauen“, versteht sich. Die Frage, was genau man jetzt wo genau hinhauen muss, tritt dabei in den Hintergrund. Und jeder gibt permanent Gas, man will ja schnell irgendwo hin.

    Trainer Robert Schröder vom Halleschen FC zollte seinem Augsburger Gegenüber Respekt.
    Trainer Robert Schröder vom Halleschen FC zollte seinem Augsburger Gegenüber Respekt. Foto: Hendrik Schmidt, dpa

    FCA-Coach Sandro Wagner ist „ein brutaler Typ“, wenn es nach seinem Kollegen geht

    Seit einiger Zeit haben zwei neue Formulierungen den Olymp der Fußball-Szene erklommen. Sie lauten: „brutal“ und „unfassbar“. Robert Schröder etwa, Trainer des Regionalligisten Hallescher FC, sagte über den FCA-Trainer Sandro Wagner nach Abpfiff des Pokalspiels zwischen den beiden Teams: „Ich finde Sandro als Typ brutal.“ Es ist eine Aussage, die nicht zwangsläufig positiv einzuordnen ist – in einem juristischen Kontext etwa wird es schwierig, das noch als Kompliment zu verstehen.

    Im Fußball ist das anders. Brutalität ist hier selbstverständlich eine Auszeichnung mit Goldrand. Die Rede ist von „brutaler Qualität“, einem „brutalen Schuss“ und nur die Besten kommen in den Genuss der doppelten Adelung und fungieren als „brutale Maschine“. Nein, das ist nicht Terminator mit Arnold Schwarzenegger – es ist die Halbzeitanalyse der Bundesliga.

    Wenn der Nikolaus brutal leckere Schokolade verteilt

    Die Spieler haben folglich – um die zweite Powervokabel einzuführen – eine „unfassbare Qualität“. Denn gut oder sehr gut reicht einfach nicht mehr aus, um in der permanenten Hochtourigkeit des Spitzenfußballs noch bestehen zu können. Andauernd wird von Kickern und Experten in der Analyse analysiert, was ja eigentlich nicht mehr darzustellen ist – weil es eben so unfassbar ist. Unfassbar sind Schüsse, Pässe, Ballannahmen, Transfers, Trikotmuster.

    Und weil der Fußball eine gesellschaftliche Vorreiterrolle innehat, wird es nicht mehr lange dauern, bis diese Formulierungen finalen Einzug in unseren Alltag finden. „Unfassbar brav“ sei man gewesen, werden Kinder dem Nikolaus auf Nachfrage bestätigen. Und dieser wird als Belohnung eine „brutal leckere“ Schokolade hervorzaubern und sie mit den Worten bedenken: „Hast du dir verdient, du brutale Maschine.“ Es folgt ein kraftvoller Abklatscher zwischen Nikolaus und Kinderhand. So unfassbar gut, so brutal.

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