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Kein Stiller, dafür El Mala: Julian Nagelsmann geht ins Risiko

Nationalmannschaft

Kein Stiller, dafür El Mala: Julian Nagelsmann geht mit seiner Nominierung ins Risiko

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    Julian Nagelsmann verzichtet gegen Luxemburg und die Slowakei auf angestammtes Personal
    Julian Nagelsmann verzichtet gegen Luxemburg und die Slowakei auf angestammtes Personal Foto: Federico Gambarini, dpa

    Der immer noch recht junge Nationaltrainer musste sich in seiner schon recht ereignisreichen Laufbahn einiges an Kritik anhören. Dass er auf dem Vereinsgelände des FC Bayern mit einem Longboard spazieren fuhr, brachte ihm den Vorwurf der Berufsjugendlichkeit ein. Ein Ausflug zum Skifahren kostete ihn seinen Job. Zu extrovertiert sei er, urteilten immer mal wieder Experten – deren Geschäftsmodell sehr exponierte Meinungen sind. Er ginge Partien ab und an zu verkopft an, lautete eine weitere Vorhaltung. Niemand aber stritt bislang ab, dass der 38-Jährige einen ausgefeilten Plan für die Spiele seiner Mannschaft hätte.

    Selbstverständlich hat sich der Bundestrainer auch wieder etliche Gedanken gemacht, wie er denn den Kader für die beiden kommenden WM-Qualifikationsspiele gegen Luxemburg und die Slowakei komponiert. Allerdings lassen sich diesmal nur die Konturen des Plans erkennen, den Nagelsmann verfolgt. Bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr versöhnte er die Fans mit der Nationalmannschaft, indem er dem Team mit einer klaren Hierarchie zur Sicherheit verhalf. Lieber mal ein „Zauberer“ weniger und dafür einen „Worker“ mehr. So etablierte sich etwa Robert Andrich als Stammkraft neben dem großen Maestro Toni Kroos. Nagelsmann hatte eine verlässliche Achse installiert und jeder Spieler des Kaders wusste um die Rolle, die ihm Nagelsmann zugedacht hatte.

    Sollte sich die Mannschaft für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr qualifizieren, dürfte Nagelsmann auf den gleichen Modus Operandi zurückgreifen. Das Problem daran ist, dass sich die Mannschaft noch nicht für die Leistungsschau des internationalen Fußballs qualifiziert hat. Dazu braucht es neben dem eingeplanten Sieg am kommenden Freitag gegen Luxemburg am Montag darauf wahrscheinlich mindestens ein Unentschieden gegen die Slowakei. Die erwies sich bei der 0:2-Hinspiel-Niederlage aus deutscher Sicht als recht unangenehmer Gegner. Vor allem, weil es an Struktur im eigenen Spiel fehlte.

    Wie eben jene Struktur nun ausschauen soll, lässt die Nominierung von Nagelsmann nur erahnen. Den anerkannten Worker verbannte er ebenso aus dem Kader, wie den Stuttgarter Mittelfeld-Organisator Angelo Stiller. Die Schwaben waren merklich überrascht von der Entscheidung des Bundestrainers. Trainer Sebastian Hoeneß war „ziemlich verwundert“ ob der Nicht-Berücksichtigung des 24-Jährigen. „Er ist für uns der zentrale Spieler und ein Faktor, warum wir in der Bundesliga auf Platz vier stehen“, führte Hoeneß aus. Stiller selbst wollte sich nach dem 2:0-Erfolg in der Europa League gegen Feyenoord Rotterdam nicht zu der persönlichen Enttäuschung äußern: „Kein Kommentar“, lautete der einzige Kommentar.

    El Mala und Sané gehören zur Kategorie „Zauberer“

    Statt Andrich und Stiller stehen in Leroy Sané und Saïd El Mala ein Rückkehrer und ein Debütant im Kader. Beide eher Zauberer als Worker. Dem Kölner El Mala genügte die Empfehlung von 340 Bundesliga-Minuten, um erstmals nominiert zu werden. In den nicht einmal sechs Stunden hat er allerdings bereits vier Tore erzielt und für reichlich schöne Momente gesorgt. Sané hat bei Galatasaray Istanbul an seiner Form geworked, wie von Nagelsmann aufgetragen, und darf sich daher über die Wiederaufnahme in den Kreis der Nationalmannschaft freuen. Struktur werden die beiden dem deutschen Spiel aber wohl nicht geben.

    Dafür dürften vornehmlich die formstarken Spieler des FC Bayern zuständig sein. Gut möglich, dass Nagelsmann für Jonathan Tah, Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Aleksandar Pavlovic und Serge Gnabry Plätze in der Startelf reserviert hat. Wie aber das Spiel der Nationalmannschaft aussehen soll, ist noch nicht vollständig geklärt. Den dominanten Ansatz der Münchner verfolgen sonst nur wenige Kader-Mitglieder bei ihren Heimatvereinen.

    Toni Kroos steht nicht zur Verfügung – alte Ideen aber schon

    Nagelsmann hatte vor zwei Jahren etliche progressive Ansätze, um das Spiel der deutschen Mannschaft zukunftsfest zu gestalten. Die Niederlagen gegen die Türkei und Österreich im November 2023 sorgten dafür, dass der Trainer Abstand von seinen vielen guten Ideen nahm und eine noch bessere entwickelte: Zurück zur Einfachheit.

    Er reaktivierte Toni Kroos, definierte seinen Kader recht klar und vermittelte seiner Mannschaft ein leicht verständliches Spielkonzept. Kroos steht Nagelsmann nicht mehr zur Verfügung. Ansonsten aber steht ihm der Weg frei, die alten Ideen wiederzubeleben. Nicht nur Robert Andrich und Angelo Stiller werden gespannt verfolgen, welchen Ansatz der Bundestrainer in den kommenden beiden Partien wählt. Der Plan wird gewiss gut sein. Wichtiger aber ist, ob er aufgeht.

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