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Kommentar zur WM 2026: Dieses Turnier markiert eine Zeitenwende

Kommentar

Es war einmal ein Sommermärchen

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    Gute Freunde - und das noch mindestens bis Mitte Juli: US-Präsident Donald Trump und Fifa-Präsident Gianni Infantino.
    Gute Freunde - und das noch mindestens bis Mitte Juli: US-Präsident Donald Trump und Fifa-Präsident Gianni Infantino. Foto: Jacquelyn Martin/AP, dpa

    Es wird ein Turnier der Gigantomanie: Wenn am kommenden Donnerstag die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt, ist es der Anpfiff zum größten globalen Sport-Event aller Zeiten. Sechs Wochen lang werden 48 Teams und damit so viele wie nie zuvor in 104 Spielen gegeneinander antreten, um den neuen Weltmeister zu küren. Schauplatz ist der nordamerikanische Kontinent mit den Gastgeberländern Mexiko, Kanada und den USA. Es ist ein Mammut-Programm, Fußball bis zum Abwinken – und dennoch: Euphorie macht sich in Deutschland bislang kaum breit. Rund 16 Prozent der Menschen hierzulande gaben in einer repräsentativen Umfrage der Universität Hohenheim sogar an, gar keine Spiele verfolgen zu wollen. Am Brandenburger Tor, wo bei Turnieren sonst immer die große WM-Party steigt, wird es diesmal ruhig bleiben: Eine zentrale Fanmeile wird es nicht geben, die Stadt Berlin fand keinen privaten Betreiber dafür. Auch in anderen Großstädten gibt es derzeit keinen Anlass dafür, dass eine große schwarz-rot-goldene Fußball-Feier ansteht.

    Ein Grund für die maue Euphorie sind mit Sicherheit die Anstoßzeiten. Wegen der Zeitverschiebung werden viele Spiele mitten in der Nacht angepfiffen. Und ja, natürlich wäre die Lust auf den Kick auch etwas größer, wenn die deutsche Nationalmannschaft zum engsten Kreis der Titelanwärter gehören würde. Tut sie bekanntlich nicht, aber zumindest diese Wahrnehmung kann sich bekanntlich auch mit ein bis zwei überzeugenden Auftritten ändern.

    Das sportliche Niveau dieser WM ist extrem verwässert

    Ein weiterer Faktor: Der Weltverband Fifa hat das sportliche Niveau mit der Erweiterung des Teilnehmerfelds von 32 auf 48 Mannschaften extrem verwässert. Weltweit gibt es 211 Nationalmannschaften, die bei der Fifa gemeldet sind – und fast jede vierte darf bei dieser WM dabei sein. Schön für Curacao und den Irak, verheerend fürs Niveau. Dazu kommt: Die XXL-Vorrunde ist ein Witz, nach 72 Spielen sind gerade mal 16 Teams ausgeschieden. Meistens genügt schon ein dritter Platz, um sich fürs neu eingeführte Sechzehntelfinale zu qualifizieren.

    Zugleich zeigt die Aufblähung des Turniers, wohin sich der Blick der Fifa richtet. Gegen eine etwaige Begeisterung aus Europa hat natürlich auch die Fifa nichts. Im Fokus stehen aber längst andere Regionen. Der größte Gewinner der WM-Erweiterung ist der afrikanische Verband CAF, der nun neun statt wie bislang fünf Teilnehmer entsendet. Prozentual profitiert Asien am meisten, das seine Starterplätze von vier auf acht verdoppeln konnte. Die Europäer entsenden 16 statt wie bislang 13 Nationen, was dem geringsten prozentualen Zuwachs entspricht.

    Fifa-Präsident Infantino kuschelt lieber mit Trump als das Rad zurückzudrehen

    Fifa-Präsident Gianni Infantin hat schon länger deutlich gemacht, dass Europa für ihn nicht mehr die Nummer eins ist. Vor der WM in Katar verlegte er seinen Wohnsitz in das Emirat, zuletzt machte er Schlagzeilen, als er Donald Trump den eigens dafür geschaffenen Friedenspreis der Fifa überreichte und auch sonst keine Gelegenheit ausließ, dem US-Präsidenten zu schmeicheln. Der wiederum wird jede Gelegenheit nutzen, um das Turnier für seine Zwecke zu nutzen. Einen Vorgeschmack lieferte die Klub-WM im vergangenen Jahr, als Trump es sich nicht nehmen ließ, sich neben den Spielern von Chelsea London auf das Siegerpodest zu stellen. Fest steht: Die Fifa wird das Rad nicht zurückdrehen – weder bei der Anzahl der Teilnehmer noch bei der generellen Ausrichtung. Diese WM markiert eine Zeitenwende.

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