Die Fußball-WM mag erst am 11. Juni beginnen – für Bundestrainer Julian Nagelsmann naht das Turnier, das in den USA, Kanada und Mexiko stattfindet, mit großen Schritten. Denn die nun anstehenden, letzten beiden Spiele in der WM-Qualifikation am Freitag in Luxemburg sowie am Montag in Leipzig gegen die Slowakei, sind die letzten Pflichtspiele, bevor es mit dem XXL-Turnier losgeht. Ein Sieg und ein Unentschieden sind die Mindestanforderung, um in Nordamerika dabei zu sein. Auf der Auftakt-Pressekonferenz am Montag wurde Nagelsmann klar wie selten in Richtung einiger Spieler. Für Leroy Sané etwa, der erstmals seit seinem Wechsel zu Galatasaray Istanbul im DFB-Kader steht, sind die folgenden Tage so etwas wie die letzte Gelegenheit, Werbung in eigener Sache zu machen: „Er weiß, dass es nicht mehr unzählige Chancen für ihn unter meiner Führung in der Nationalmannschaft gibt, um sich zu beweisen.“
Dass der 30-Jährige überhaupt dabei ist, habe auch mit der nicht gerade überbordenden Konkurrenz auf seine Position zu tun, so Nagelsmann: „Wenn wir auf der Position sechs, sieben Spieler hätten, wäre es deutlich schwieriger für ihn.“ Schon beim Wechsel in die Türkei hatte Nagelsmann davon gesprochen, dass Sané bei den Tor- und Assist-Statistiken deutlich zulegen müsse. Diese Vorgabe hat er angesichts von je drei Toren und Vorlagen in bislang 15 Pflichtspielen für seinen neuen Klub nur bedingt erfüllt. Nagelsmann, der schon bei den Bayern mit Sané zusammenarbeitete, sagte über den Profi: „Er ist ein Spieler, der alles kann, er muss nur alles bringen. Da kann ihm keiner helfen, das kann nur er selbst.“
Said el Mala ist dabei – und kann doch noch zur U21 wechseln
Die Ansage für Sané ist die deutlichste, aber nicht die einzige Anforderung Nagelsmanns an sein Personal. Auch wenn es zuletzt zwei Siege gegeben habe – in der Offensive müsse das deutsche Spiel vor allem gegen tief stehende Gegner zwingender werden, zugleich müsse die Grundlage immer das gemeinschaftliche Verteidigen sein. Dass der Kölner Shootingstar Said el Mala nun erstmals nominiert wurde, sei keine Vorentscheidung für den WM-Kader. Er und der Bayern-Profi Lennart Karl, der es in den U21-Kader geschafft hat, verkörpern „Profile, die wir nicht allzu oft haben“, so Nagelsmann. El Mala wolle er sich nun im Training ansehen. Aber: „Es kann sein, dass er im zweiten Spiel bei der U21 ist.“ Im Auge habe er aber auch den Leipziger Assan Ouédraogo. Der hat es schneller als gedacht in den DFB-Kader geschafft. Weil Nadiem Amiri mit Adduktoren-Beschwerden ausfällt, nominierte Nagelsmann den 19-Jährigen kurzfristig nach.
Dass es der Stuttgarter Angelo Stiller hingegen diesmal nicht in den Kader geschafft hat, war für viele eine Überraschung. Der 24-Jährige beantwortete Nachfragen zu seinem DFB-Status am Rande des Europa-League-Spiels gegen Rotterdam noch mit „kein Kommentar“.
Wie Bundestrainer Nagelsmann den Verzicht auf Angelo Stiller begründet
Nagelsmann begründete den Verzicht wie folgt: „Wenn ich die vier Wochen vor dem letzten Lehrgang nehme – wo er dabei war – war es deutlich unverdienter, dass er dabei war, als es jetzt der Fall wäre, weil seine Entwicklung deutlich in die richtige Richtung geht.“ Gegen Stiller spreche schlichtweg die Konkurrenzsituation: Auf der defensiven Position im Mittelfeld gebe es mit dem Dortmunder Felix Nmecha und dem Münchner . Gerade für Pavlovic spreche die Formstärke der Bayern-Mannschaft, „die gerade in ganz Europa sicherlich die stabilste ist“. Im offensiveren Bereich gebe es mit dem nun ausfallenden Amiri und Leon Goretzka zwei Sechser, die ein anderes Profil als Stiller hätten. Für den Ärger aus Stuttgart habe Nagelsmann Verständnis und sagte: „Es ist auf jeden Fall nicht die Tür zu und auch kein Riesen-Drama.“
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