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Nach der Verletzung von Gwinn sollen es die Bayern-Spielerinnen richtten

Fußball-EM der Frauen

Die Bayerinnen sollen es richten

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    Lea Schüller erzielte gegen Polen ihren 53. Länderspieltreffer.
    Lea Schüller erzielte gegen Polen ihren 53. Länderspieltreffer. Foto: Sebastian Gollnow, dpa

    Wer sich im St. Jakob-Park ein bisschen umsieht, der kommt am Hausherrn nicht vorbei. Nur weil die Frauen-EM das größte Fußballstadion der Schweiz für fünf Spiele inklusive Finale belegt hat, musste der FC Basel ja die Bilder seiner Legenden nicht abhängen. Fabian Frei, Murat Yakin oder Granit Xhaka haben es oft genossen, welch stimmungsvolle Atmosphäre auf den rot und blau getünchten Rängen entstehen kann. Wenn die deutschen Fußballerinnen nun zum zweiten EM-Gruppen gegen Dänemark (Dienstag 18 Uhr/ARD und DAZN) antreten, dominiert der schwarz-rot-goldene Support im längst ausverkauften „Joggeli“, wie die Eidgenossen diese Spielstätte gerne nennen. Von den 34.250 Tickets sind exakt 15.787 an deutsche Fans gegangen, wie die Uefa am Montag bestätigte.

    Bei der familienfreundlichen Anstoßzeit bietet sich der Tagestrip aus der Grenzregion ja an. Und Unterstützung braucht es gerade nach dem Turnieraus von Giulia Gwinn. Von allen Seiten wird für die verletzte Kapitänin eine Trotzreaktion beschworen. Selbst schrieb die Starspielerin des FC Bayern: „Energie bündeln, neu ausrichten und alles für dieses Team geben. Von außen. Für innen. Ganz oder gar nicht!“ Sofort folgten mehr als Hunderttausend Likes auf ihren gefühligen Instagram-Post. Die Popularität der Protagonisten ist inzwischen hoch.

    Klara Bühl und Lea Schüller stehen höher im Kurs als Kane und Gnabry

    Beim Auftaktsieg gegen Polen (2:0) hatten 8,2 Millionen Menschen in der ARD eingeschaltet, während sich am Tag darauf nur 2,5 Millionen auf Sat.1 den FC Bayern bei der Klub-WM anschauten. Linda Dallmann, Klara Bühl und Lea Schüller stehen gerade höher im Kurs als Leon Goretzka, Serge Gnabry und Harry Kane, mit denen sie bei der Meisterfeier gemeinsam auf dem Balkon am Marienplatz feierten. Gleichwohl: Nur weitere Erfolge sorgen für steigende Quoten der DFB-Frauen.

    Mit sieben Spielerinnen stellen die Bayern den größten Block für die EM ab, wobei die Spielmacherin Dallmann, die Außenangreiferin Bühl und Mittelstürmerin Schüller die Fixpunkte der Offensive bilden. Ihre Finesse (Dallmann), ihre Dynamik (Bühl), ihre Kaltschnäuzigkeit (Schüller) wird es gegen Dänemark und Schweden (Samstag 21 Uhr/ZDF) zum Weiterkommen brauchen. „Gerade wir Bayern-Spielerinnen sind eng mit Giulia befreundet, da haben wir natürlich die Aufgabe, ihr beizustehen“, erklärte Dallmann, aber was das Fußballerische angehe, „kann man nicht sagen, dass ein Verein dominant die Aufgabe übernehmen muss.“ Nur weil die Münchnerinnen sich mit dem Double dekoriert hätten, würde ihre Fraktion nicht alles richten können, denn: „Es gibt ganz viele andere Spielerinnen, die schon in Frankreich oder England was gewonnen haben.“

    Die 30-Jährige meinte damit auch die vom Bundestrainer Christian Wück zur Vizekapitänin ernannte Sjoeke Nüsken. Die Mittelfeldspielerin vom FC Chelsea ist der Prototyp einer Teamplayerin, die allein ob ihrer zentralen Positionierung Einfluss nehmen kann. Ob der 24-Jährigen das auch in heiklen Phasen gelingt, wird der weitere Turnierverlauf zeigen. Dallmann erklärte recht simpel: „Ein Mann weniger an Bord – dann haben alle ein bisschen mehr zu tun.“

    Klara Bühl ist die Unterschiedsspielerin

    Dass es auch mit Gwinn zeitweise ziemlich zäh in der Polen-Partie aussah, hatte damit zu tun, dass Bühl selten zum Abschluss kam – und ihre Flanken keinen Abnehmer fanden. Eine falsche Positionierung in der Box nannte Wück das Grundübel der ersten Halbzeit. Gerade Schüller stand tatsächlich oft schlecht. Normalerweise sind beide Unterschiedsspielerinnen: Mit 24 Jahren spielt Bühl ihr fünftes Turnier. Sie hätte bereits diesen Sommer zum FC Barcelona wechseln können, wird das mit einer Ausstiegsklausel nun vermutlich 2026 tun. Wück adelte sie als Weltklassespielerin, weil er niemand kenne, der so gut mit rechts wie links schießt: „Diese Qualität besitzen im Frauen- und im Männerbereich nur sehr, sehr wenige.“ Seit der WM 2023 hat sie die meisten Scorerpunkte gesammelt.

    Exakt 21 Tore hat seitdem allein Schüller geschossen. In St. Gallen gelang der 27-Jährigen – mal wieder mit dem Kopf – ihr 53. Länderspieltreffer im 76. DFB-Einsatz. Die inzwischen sehr flexible Torjägerin kann es übrigens nicht mehr hören, dass sie erst nach dem Rücktritt von Alexandra Popp gesetzt ist. „Bei der letzten EM habe ich auch von Anfang an gespielt, dann Corona bekommen und wir hatten zum Glück ‚Poppi‘, die es gerichtet hat.“ Tatsächlich ging in der Nachbetrachtung oft unter, dass wegen des damals noch grassierenden Virus im verlorenen EM-Finale 2022 gegen England eben auch Bühl und Schüller fehlten – und nicht nur Popp. Ob der Gastgeber ansonsten auch im vollbesetzten Wembley triumphiert hätte?

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