Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat das letzte Länderspiel vor der Abreise zur Weltmeisterschaft in Nordamerika gewonnen. Gegen die finnische Auswahl gelang am Sonntagabend und damit zwei Tage vor dem Abflug ein 4:0-Sieg. Beim DFB war das Bemühen spürbar gewesen, den Fans zum Abschied aus Europa noch einen Grund zur WM-Euphorie zu liefern. Kostenlose Fanartikel wie Fahnen sollten im Mainzer Stadion eine Stimmung kreieren, die irgendwie mal völlig losgelöst wirken sollte. Weil das in erster Linie aber sportliche Erfolge gelingt, waren die Kicker gefordert – und vor allem zwei Profis lieferten. Der Stuttgarter Stürmer Deniz Undav war mit zwei Treffern und einer Vorlage aber der Mann des Abends. Auch Lennart Karl machte Werbung in eigener Sache, war bei nahezu jeder Offensivaktion der DFB-Elf beteiligt.
Die Startelf gegen die Skandinavier hatte Bundestrainer Julian Nagelsmann in weiten Teilen schon bekannt gegeben: Karl durfte im offensiven Mittelfeld neben Jamal Musiala und Florian Wirtz starten, die Sturmspitze bildete Undav. Felix Nmecha und Aleksandar Pavlovic formten die defensive Mittelfeldzentrale. Eine kleine Überraschung hatte sich der Bundestrainer aber noch offen gelassen: Der Frankfurter Nathaniel Brown verteidigte links hinten anstelle des Leipzigers David Raum. Nico Schlotterbeck und die beiden Bayern Jonathan Tah sowie Joshua Kimmich bildeten den Rest der Viererkette.
Die Startelf gegen Finnland könnte auch die zum WM-Start sein
Eine Standortbestimmung war das in jedem Fall. „Wir werden schon viele von denen sehen, die auch im ersten WM-Spiel beginnen könnten“, hatte Nagelsmann gesagt. Im Tor stand Oliver Baumann, weil die zurückgekehrte Nummer eins Manuel Neuer nach seiner Wadenverletzung erst einmal vollständig fit werden soll. Kurios: Weil Neuer nur im Trainingsanzug auf der Bank saß, durfte Jonas Urbig in diesem Spiel dessen Rückennummer 1 tragen. Urbig kommt beim Turnier in den USA, Mexiko und Kanada eine Sonderrolle zu. Der Münchner ist nicht Teil des WM-Kaders, soll aber als Trainingstorhüter fungieren. Mit einem Durchschnittsalter von 26,29 Jahren war es die jüngste Startelf, die Nagelsmann in seiner Amtszeit gebracht hat.
Undav, der gegen Ghana das bis dato letzte DFB-Tor erzielt hatte, hätte beinahe schon die frühe Führung besorgt: Nach einem Zuspiel über Wirtz und Brown kam der Stuttgarter aus rund fünf Metern zum Schuss. Finnland Torwart Lukas Hradecky, der nach Jahren in Frankfurt und Leverkusen nun für Monaco spielt, bewahrte seine Mannschaft aber mit einem Reflex vor dem Rückstand (8.).
Lennart Karl harmonierte beim Zusammenspiel mit Wirtz und Musiala
Ansonsten blieben die Torchancen erst einmal aus. Lennart Karl und Florian Wirtz deuteten an, dass sie gut harmonieren können. Viel Zählbares sprang gegen die defensiv eingestellten Finnen, die vornehmlich über ihre Körperlichkeit kamen, aber noch nicht heraus. Nur vereinzelt deutete die deutsche Offensive gegen den 73. der Weltrangliste ihre individuelle Klasse an, etwa als Musiala einen Steckpass auf Undav spielte. Das sorgte mal wieder für Gefahr, doch erneut scheiterte der VfB-Stürmer an Schlussmann Hradecky (26.). Der dritte Versuch des Angreifers passte dann aber – und das auf recht unspektakuläre Weise: Karl führte eine Ecke auf Kimmich kurz aus, die Flanke des Kapitäns erreichte den Kopf von Undav, der zur deutschen Führung einnickte (34.). Die deutsche Elf drückte danach auf das zweite Tor. Erneut war der quirlige Karl über die Stationen Musiala und Wirtz im Fokus, als er Brown im Strafraum bediente. Dessen Abnahme ging aber knapp am Pfosten vorbei (39.). Zur Halbzeit hatte Deutschland 73 Prozent Ballbesitz, führte bei den Torschüssen (11:3) und den Ecken (6:1) deutlich – nur bei den Toren eben nur denkbar knapp mit 1:0.
Ein erzwungener Fehler der Finnen war es, der kurz nach Wiederanpfiff das zweite Tor ermöglichte: Im Pressing warf sich Undav in ein ungenaues Abspiel von Markhiev, grätschte den Ball zu Wirtz weiter – und der machte kurzen Prozess zum 2:0 (48.). Undav war auch am dritten Treffer direkt beteiligt – diesmal erneut als Torschütze. Nach einem Abspielfehler der Finnen landete der Ball beim Konter bei Karl. Dessen Traumpass erreichte Undav, der zum 3:0 einschob (58.). Kurz darauf war für den Stuttgarter, der nun auf sechs Tore in acht Länderspielen kommt, Schluss. Für ihn kam der Dortmunder Maximilian Beier. Beide Trainer wechselten nun munter weiter – und Jamal Musiala holte sich auch noch seinen Treffer ab. Sein Schuss aus rund elf Metern schlug im finnischen Kasten zum 4:0 ein (63.). Auch Karl war an dem Treffer wieder beteiligt.
Den vielleicht größten Jubel in Mainz gab es aber nicht bei einem Tor – sondern bei der Einwechslung des Mainzers Nadiem Amiri zehn Minuten vor Schluss. Den vielleicht größten Jubel in Mainz gab es aber nicht bei einem Tor – sondern bei der Einwechslung des Mainzer Profis Nadiem Amiri zehn Minuten vor Schluss. Danach gab es nur noch den Schlusspfiff zu bejubeln.
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