Die Olympischen Spiele neigen sich dem Ende entgegen. Zeit, eine sportliche Bilanz zu ziehen. Die fällt ernüchternd aus.
Ski nordisch
Wer sich Karten für Val di Fiemme bei Olympia ergattert hatte, schien Glück gehabt zu haben. Sind Orte nordischer Wettbewerbe doch immer Garantien für Medaillen gewesen. In Predazzo, wo die Schanze steht, und in Tesereo, wo der Langlauf stattfindet, aber reihte sich Enttäuschung an Enttäuschung. Nur kurzzeitig unterbrochen durch die Goldmedaille Philipp Raimunds auf der Normalschanze. Danach sammelten weder Frauen noch Männer weiteres Edelmetall. Die Nordischen Kombinierer mussten sich erstmals seit 1998 ohne Medaille auf den Heimweg machen. Die Langläufer und Langläuferinnen durften in Woche zwei feiern. Bronze im Teamsprint durch Laura Gimmler und Coletta Rydzek. Ein Hoffnungsschimmer.
Curling
Alle vier Jahre blickt die Welt aufs Curling. Wenn Steine Wege blockieren oder einfach mal ins Aus geschoben werden. Das deutsche Team des Stützpunkts Füssen war optimistisch nach Italien gereist. Alle Spieler waren Olympia-Neulinge, aber zuversichtlich. Die Halle in Cortina d‘Ampezzo war immer gut besucht. Glück aber brachte das dem deutschen Team nicht. Gute Leistungen mischten sich mit Enttäuschungen. Am Ende reichte es für vier Siege und Rang sieben. Da war mehr drin.
Biathlon
Mit Bronze ging es los, in der Mixed-Teamstaffel. Ein verheißungsvoller Beginn der olympischen Biathlon-Wettkämpfe. Was aber folgte, war ernüchternd. Vierte Plätze gelangen zunächst noch, aber auch Momente persönlichen Versagens. Vor allem Franziska Preuß erlebte bislang enttäuschende Spiele. Weil sie immer wieder beim Schießen patzte. Weil sie keine Lösung für die Probleme fand. Zuletzt sprach sie von einem „Blackout“, den sie erlebe, sobald sie die Matte zum Schießen betritt. Eine Möglichkeit zur Wiedergutmachung hat sie noch am Samstag.
Ski alpin
Mit Emma Aicher hat der DSV ein Juwel in seinen Reihen, das Italien mit zwei Silbermedaillen im Gepäck verlässt. Erst hatte sie Abfahrtsgold um fünf Hundertstel verpasst, ehe sie in der Team-Kombination mit Kira Weidle-Winkelmann ebenfalls Zweite wurde. Überraschend kamen diese Erfolge nicht (mehr). Aicher gilt als kommende Gesamtweltcupsiegerin. Und sonst? Lena Dürr hatte im Slalom eine Medaille vor Augen, scheiterte aber an ihren Nerven. Düster sieht es bei den Männern aus. Einzig Slalomspezialist Linus Straßer ist ein Kandidat für Topplatzierungen. Das Speed-Team ist im Umbruch und derzeit nur bedingt konkurrenzfähig.
Eishockey
Das männliche DEB-Team reiste mit dem nominell besten Kader aller Zeiten nach Mailand, half aber alles nichts. Trotz der NHL-Stars um Leon Draisaitl, Tim Stützle und Co. war im Viertelfinale gegen die Slowaken Schluss. Die 2:6 Niederlage legte die Probleme der Mannschaft offen. In der Defensive zu instabil und im Angriff zu abhängig von den Amerika-Exporten. Die Frauen erreichten ebenso das Viertelfinale, was jedoch als großer Erfolg verbucht werden kann. Gegen die Kanadierinnen waren sie dann chancenlos. Trotz allem ist das Ergebnis von Mailand und Cortina das beste seit Olympia in Sotschi 2014.
Skibergsteigen
Bei der Olympia-Premiere gelang Tatjana Paller die beste DSV-Platzierung. Mit einem vierten Platz im Sprint zeigte die Starnbergerin, was in ihr steckt. Rund drei Sekunden fehlten auf Bronze, doch für Paller kein Grund zum Trauern. Vielmehr sei es für sie ein Erfolg, unter den besten vier der Welt zu sein. Bei den Männern verpasste Finn Hösch den Halbfinallauf, da die Materialabstimmung nicht passte. Für beide gibt es am Samstag (13.30 Uhr) im Mixed-Wettbewerb noch eine weitere Chance auf Edelmetall.
Ski-Freestyle
Gut, dass Ski-Cross als Freestyle-Disziplin geführt wird, sonst wäre die Medaillenausbeute gleich null gewesen. Daniela Maier holte für den DSV mit Gold die bisher einzige Medaille und verlieh dem gebeutelten Team-D auf den letzten Drücker olympischen Glanz. Bei den Männern steht für Mitfavorit Florian Willmsmann am Samstag (12 Uhr) die Entscheidung an. Ansonsten war wenig geboten: Weder in der Halfpipe noch auf der Buckelpiste gab es etwas zu holen. Auch im Aerials, Big Air oder Slopestyle blieben die Deutschen harmlos.
Snowboard
Fast hätte Annika Morgan die schlechte Bilanz des deutschen Snowboardteams kaschiert. Die Mittenwalderin schrammte knapp an der Bronzemedaille im Slopestyle vorbei und holte mit dem vierten Rang das beste Ergebnis aller 19 nach Livigno gereisten Athleten. Mal wieder medaillenlose Spiele, die im Snowboardcrossrennen der Männer ihren negativen Höhepunkt erfuhren, als sich Leon Ulbricht und Martin Nörl gegenseitig vom Kurs bugsierten. Andreas Scheid, Sportdirektor von Snowboard Germany, brachte es auf den Punkt: „Wir müssen konkurrenzfähig werden. Nicht bleiben, sondern erst einmal werden.“
Eisschnelllauf/Shorttrack
Die Zeiten von Gunda Niemann-Stirnemann, Anni Friesinger-Postma und sogar der ewigen Claudia Pechstein liegen schon einige Olympia-Zyklen zurück. In Mailand hatten die deutschen Frauen zum wiederholten Male keine Medaillenchancen. Im Gegensatz zum 18-jährigen Finn Sonnekalb. Doch der kam auf seiner Paradestrecke über 1500 Meter nicht über Platz 13 hinaus. „Es tut auf jeden Fall weh, dass man jetzt noch mal vier Jahre warten muss, bis man Olympiasieger wird“, sagte er danach.
Eiskanal
Er sollte zum goldenen Eiskanal werden, und er ist es geworden. 15 deutsche Medaillen wurden im Sliding Centre von Cortina eingefahren. Der Dreifacherfolg im Zweierbob mit Sieger Johannes Lochner stach dabei heraus. Im Zweier der Frauen und Vierer der Männer können am Wochenende weitere Medaillen folgen. Die Skeletonis glänzten mit sechs Plaketten.
Eiskunstlauf
Minerva Hase und Nikita Volodin hatten die Goldmedaille als Ziel im Paarlauf. Es wurde Bronze. In den Einzelwettbewerben hatten sich keine deutschen Athleten qualifiziert. Die kleine deutsche Mannschaft hat mit einer Medaille die Erwartungen erfüllt.
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