Ein wenig verloren wirkte die kleine Tigerente in dem großen Handschuh. Vorsichtig hielt Nicola Hadraschek-Eisenschmid das Holzspielzeug in der Hand. Wenige Minuten zuvor hatte sie es bei einem Interview bekommen – nach dem 5:2-Sieg der deutschen Eishockey-Frauen gegen Japan. Nach der Auftaktniederlage war das der erste Sieg beim olympischen Turnier in Mailand.
Glück habe die Tigerente gebracht, also durfte die Spielerin des ECDC Memmingen sie behalten. Mit zwei Toren hatte die 29-Jährige maßgeblich dazu beigetragen, dass das deutsche Team das Viertelfinale weiter fest im Blick hat. Es folgen noch die Partien gegen Frankreich (Montag, 16.40 Uhr) und Italien.
Auch bei den weiteren deutschen Toren waren Memmingerinnen beteiligt. So hatte Kapitänin Daria Gleißner mit dem frühen 1:0 (1.) für Ruhe gesorgt. Eine mögliche Nervosität nach der Niederlage gegen Schweden war schnell verschwunden. Das sah auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der auf der Tribüne saß. Ebenso wie Annalena Baerbock. Die Präsidentin der Generalversammlung der Vereinten Nationen hatte zwischenzeitlich die Fackel auf dem Weg nach Mailand getragen, am Samstag war sie unter anderem beim Eishockey.
Eishockey-Frauen verlassen Eröffnungsfeier frühzeitig
Seit Freitagabend brennt das Feuer in Mailand und Cortina d‘Ampezzo. Auch die deutschen Eishockey-Frauen waren bei der Eröffnungsfeier im San-Siro-Stadion dabei. Allerdings nicht bis zum Schluss. Wegen der Vorbereitung auf die Partie am Samstag waren sie frühzeitig verschwunden. „Das war eine wunderschöne Atmosphäre“, sagte Gleißner. Die Kapitänin wusste, dass der Bundespräsident am Samstag zu Gast sein würde. „Auf dem Eis haben wir natürlich den vollen Fokus auf das Spiel, aber es ist eine Ehre für uns, dass er da war“, sagte Gleißner.
Die deutsche Mannschaft bot dem prominenten Gast einen fulminanten Auftakt. Nach dem ersten Drittel stand es bereits 3:0. „Wir haben uns vorgenommen, von Anfang an aggressiv in Richtung Tor zu spielen, was uns gegen die Schwedinnen nicht so gelungen ist. Das wollten wir verbessern, und es hat funktioniert“, sagte Gleißner. Auch sie spielt für Memmingen. Ebenso wie Anne Bartsch, Ronja Hark, Charlott Schaffrath, Jule Schiefer und Carina Strobel. Und natürlich Doppeltorschützin Hadraschek-Eisenschmid.
Jetzt richtet sich der Fokus auf Frankreich
Im zweiten Drittel hatten die deutschen Spielerinnen kurzzeitig die Kontrolle über die Partie verloren. Japan nutzte das zu zwei Treffern. Letztlich aber war der Erfolg ungefährdet. „Ich hatte keine Bedenken, dass wir das Spiel verlieren könnten“, sagte Hadraschek-Eisenschmid. Weil vieles besser klappte als gegen die Schwedinnen. „Wir wollten diesmal die Kleinigkeiten richtig machen. Wir haben die Scheibe gut laufen lassen und hatten mehr Kontrolle“, sagte Gleißner. Heraus kamen schön herausgespielte Treffer.
Ein kurzer Moment des Durchschnaufens bleibt nun, ehe es am Montag weitergeht. „Wir können jetzt kurz die Glücksgefühle genießen, dann müssen wir den Fokus voll auf Frankreich richten“, sagte die Kapitänin. Mit zwei Siegen wäre die deutsche Mannschaft sicher im Viertelfinale, dort aber droht ein Aufeinandertreffen mit den übermächtigen USA oder Kanada.
Seit einer Woche sind die deutschen Eishockey-Frauen in Mailand. Genug Zeit, sich heimisch zu fühlen. Die Mannschaft wohnt im Olympischen Dorf. „Es ist alles sehr schön hier“, sagte Hadraschek-Eisenschmid. Das Essen sei gut, man könne gut schlafen, auch der Austausch mit anderen Sportlern passe. Die 29-Jährige gab zu, zu Beginn etwas „reizüberflutet“ gewesen zu sein. Die vielen Eindrücke hätten sie überfordert. Mittlerweile aber ist sie an alles gewöhnt – und würde noch gerne länger bei Olympia bleiben.
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