Das Wetter passte. Den ganzen Tag schien am Freitag in Mailand die Sonne. Noch am Abend zuvor, als das Olympische Feuer in der Stadt eingetroffen war, hatte es geregnet. Dennoch warteten mehrere tausend Menschen auf dem Platz vor dem Dom auf diesen großen Moment, als die Fackel endlich angekommen war.
Am Freitag wurde es noch spektakulärer. Im Stadion San Siro fand die Haupteröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele von Mailand und Cortina statt. Es sind besondere Spiele in diesem Jahr, weil sie auf ganz Norditalien verstreut sind. Die Wege zwischen den einzelnen Wettkampfstätten sind weit. Auch die Eröffnungszeremonien waren ungewöhnlich. An mehreren Standorten wurde zeitgleich gefeiert. Neben Mailand auch in Cortina, Predazzo und Livigno. Im San-Siro-Stadion waren Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella, IOC–Präsidentin Kirsty Coventry, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und US-Vizepräsident JD Vance dabei. In Cortina wurde die olympische Flamme im Dorfzentrum auf der Piazza Angelo Dibona entzündet. In Predazzo diente das Skisprungstadion als Veranstaltungsort, in Livigno der Snow Park. Zeitgleich wurde um 20.28 Uhr an allen Austragungsorten die italienische Flagge gehisst. Laura Pausini sang die italienische Hymne.
Die deutsche Mannschaft zieht an Position 31 ins Stadion ein
Um 21.18 Uhr war es soweit. An Position 31 zog die deutsche Mannschaft am Freitagabend ins Stadion ein. Hinter Georgien und vor Jamaika. In Mailand angeführt von Fahnenträger Leon Draisaitl, der erst am Freitag in Mailand gelandet war. „Das war eine einmalige Erfahrung und wahrscheinlich der bis jetzt größte Moment meines Lebens“, sagte Draisaitl. In Predazzo marschierte die Skispringerin Katharina Schmid voraus. Beide hatten die Wahl zum Fahnenträger deutlich gewonnen. Sowohl in der öffentlichen Abstimmung als auch innerhalb des deutschen Teams.
185 Aktive umfasst die deutsche Mannschaft, 130 von ihnen waren bei den Eröffnungsfeiern vertreten. „Es ist wie immer bei Olympischen Spielen: Die Tage des Wartens erscheinen wie eine Ewigkeit, deshalb sind wir allesamt sehr froh, dass es nun endlich losgeht“, sagte Thomas Weikert, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Und: „Mein Eindruck aus den ersten Tagen in Italien ist, dass unser Team voller Vorfreude und absolut bereit ist, das Beste aus sich herauszuholen und unsere Sportnation würdig zu vertreten. Wir sind überzeugt davon, dass von diesen Spielen ein weiteres Signal dafür ausgehen wird, dass unsere Welt den olympischen Geist mehr denn je braucht.“
Bei diesen Olympischen Spielen brennen zwei Feuer
In den nun anstehenden Olympiatagen werden zwei Feuer brennen, eines in Mailand, das andere in Cortina. Auch das ist eine Besonderheit. Das Unterhaltungsprogramm bot am Freitagabend im Fußballstadion der beiden Mailänder Klubs AC und Inter viel Spektakuläres. So traten neben weiteren Künstlern Mariah Carey mit einem italienischen Song, die Golden-Globe-Gewinnerin Laura Pausini und der berühmte italienische Tenor Andrea Bocelli auf. Musik spielte eine große Rolle bei der stimmungsvollen wie farbenfrohen Feier. Zudem gab es eine Hommage zu Ehren des Mode-Designers Giorgio Armani, der im vergangenen Jahr mit 91 Jahren gestorben ist.
Um 19.15 Uhr begann die Vorshow mit einem italienischen DJ-Duo. Die Tribünen waren zu diesem Zeitpunkt noch längst nicht gefüllt, auch zum Beginn um 20 Uhr waren etliche Plätze noch leer. Die Organisatoren hatten große Probleme, alle 77.000 Tickets zu verkaufen. Kein Wunder bei Preisen ab 260 Euro im offiziellen Ticketshop. Die teuerste Karte hatte es für 2000 Euro gegeben. Olympischer Gigantismus, den sich nicht jeder leisten kann oder will.
Optisch wagte die deutsche Mannschaft etwas besonderes. Die Athleten und Athletinnen liefen mit überdimensionierten Ponchos und Fischerhut ein. Die Farbe schwarz dominierte, geschwungene Linien in rot und gelb sollen die tanzende Bewegung von Flammen nachahmen. Ein Outfit, das in den vergangenen Wochen kontrovers diskutiert worden war. Auffällig war es in jedem Fall, gefallen aber hat es wohl nicht jedem.
Nicht alle deutschen Sportler blieben bis zum Ende der Feier. Die deutschen Eishockeyfrauen verschwanden direkt nach dem Einzug ins Stadion, sie spielen am Samstagmittag gegen Japan.
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