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Radprofi Zimmermann schildert seinen Horrorsturz bei der Tour de France

Radsport

Zimmermann über seinen Horrorsturz: „Das war außerhalb der Komfortzone“

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    Georg Zimmermann fuhr bei der Tour de France nach dem Sturz zunächst verletzt weiter. Doch einen Tag später musste der Augsburger Radprofi aufgeben.
    Georg Zimmermann fuhr bei der Tour de France nach dem Sturz zunächst verletzt weiter. Doch einen Tag später musste der Augsburger Radprofi aufgeben. Foto: Witters

    Wie geht es Ihnen nach dem fürchterlichen Sturz auf der neunten Etappe der Tour de France?

    GEORG ZIMMERMANN: Emotional habe ich es gut verdaut, dass meine Tour jetzt vorbei ist. Es war unangenehmer in dem Zeitraum, bevor wir entschieden haben, dass ich nicht an den Start gehe. Sobald der Startschuss erfolgte und ich wusste, dass es kein Zurück mehr gab, konnte ich die Geschichte gut abhaken. Wenn ich mich körperlich nicht belasten muss und nur im Bett liege, habe ich keine Schmerzen. Soweit passt alles.

    Welche Verletzungen haben sie davongetragen?

    ZIMMERMANN: Nichts, was jetzt nicht verheilen würde. Am Ellbogen hatte ich eine große klaffende Wunde, die mit sieben Stichen genäht wurde. Darüber hinaus habe ich an der Hüfte eine tiefere Wunde und Abschürfungen, auch an der Wade. Insgesamt war es zu viel, um weiter Radrennen zu fahren. Die anspruchsvolle zehnte Etappe am Montag hätte ich nicht fahren können. Und auch am Ruhetag am Dienstag hätte ich noch kein Radrennen bestreiten können.

    Wie ist es zu dem Sturz 117 Kilometer vor dem Ziel gekommen?

    ZIMMERMANN: Ich habe selbst mit der rechten Hand getrunken. Ich hatte nur die linke Hand am Lenker. Dadurch hat die Flasche vor meinem Gesicht das rechte Blickfeld eingeschränkt und von rechts nach links ist eine Trinkflasche über die Straße gekullert, die ich nicht sehen konnte. Mit nur einer Hand am Lenker hat mich das derart aus der Bahn geworfen, dass es zu diesem Unfall kam. Ich bin erst auf die Straße gefallen, wo ich mir die Schürfwunden zugezogen habe und bin dann in den Straßengraben weiter gerutscht. Da hatte ich erst einen Schock. Im Straßengraben war frisch gemäht worden. Das war unangenehm, weil das Schnittgut sich in meine Wunden gerieben hat.

    Sie sind erst im Graben und dann bei rasender Fahrt vom Medical Car der Tour versorgt worden. Das sah halsbrecherisch aus, wie sie sich mit einer Hand am Auto festgehalten haben und der Arzt ihre Wunden behandelte. Wie haben Sie es erlebt?

    ZIMMERMANN: Das ist eine heiße Situation. Man ist gerade gestürzt, das Rennen war extrem schnell. Sich da am Auto festzuhalten, ist nicht ungefährlich. Das war außerhalb der Komfortzone.

    Für Georg Zimmermann war die Tour nach seinem heftigen Sturz beendet.
    Für Georg Zimmermann war die Tour nach seinem heftigen Sturz beendet. Foto: Mosa'ab Elshamy, AP/dpa

    Wie haben Sie die erste Woche der Tour de France persönlich erlebt?

    ZIMMERMANN: Ich war als deutscher Meister unterwegs in meinem neuen, schönen Trikot mit der schwarz-rot-goldenen Flagge auf der Brust. Das war eine außergewöhnliche Erfahrung für mich. Das war auch die größte Motivation für mich, warum ich das Rennen nach dem Sturz unbedingt fortsetzen wollte, weil ich viel Zuspruch und Aufmerksamkeit erfahren hatte. Es ist etwas ganz Besonderes, als Deutscher Meister an der Tour de France teilzunehmen. Das habe ich acht Tage lang sehr genossen und einen Tag nicht so arg. Schade, dass es vorbei ist, aber unter dem Strich hatte ich auch viel Freude.

    Wie ordnen Sie die Auftaktwoche ein, in der es oft sehr hektisch im Feld zugeht, weil die Teams und Fahrer um ihre Positionen kämpfen?

    ZIMMERMANN: Die Streckenführung in der Bretagne war technisch sehr anspruchsvoll. Es gab viele Ortsdurchfahrten, viele Kreisverkehre, viele Hindernisse. Es war höchste Vorsicht geboten, damit man nichts übersieht. Ich bin in meinem Leben noch nie so ein stressiges Radrennen gefahren wie die erste Tour-Etappe.

    Hat ihr Team Intermarche-Wanty mit dem Sprintspezialisten Biniam Girmay die selbst gesteckten Ziele bislang erreicht?

    ZIMMERMANN: Es passt so weit. Wir haben den zweiten Platz mit Girmay auf der ersten Etappe eingefahren, dazu zwei weitere Top-Ten-Platzierungen. Man muss bei der Tour über jeden Achtungserfolg froh sein. Es ist das größte und schwerste Radrennen der Welt. Auf einen zweiten Etappenplatz lässt sich aufbauen, auch wenn klar ist, dass wir noch mehr wollen.

    Wie schätzen Sie die beiden größten Sieganwärter Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard nach einer Tour-Woche ein?

    ZIMMERMANN: Am Tag nach meinem Sturz gab es den ersten großen Schlagabtausch. Es hat mich gefreut, dass sich das Team Visma aus der Deckung getraut hat. Im Zentralmassiv waren die Berganstiege für den Visma-Fahrer Vingegaard noch nicht lange genug, um sich bestmöglich zu zeigen. Aber ich war positiv überrascht, dass sie als Team geschlossen eine Attacke vorbereitet haben. Sie konnten den UAE-Rennstall mit Vorjahressieger Pogacar ein wenig in Bedrängnis bringen. Es gab keine großen Zeitabstände, aber es war ein Fingerzeig für die zweite Tour-Woche.

    Wer ist für die der Favorit auf den Gesamtsieg?

    ZIMMERMANN: An Pogacar führt nach wie vor kein Weg vorbei. Er selbst sieht sehr souverän aus, sein UAE-Team am Montag nicht unbedingt. Sein wichtigster Berghelfer Joao Almeida ist am gleichen Tag wie ich gestürzt und ausgefallen. Auch Pavel Sivakov sieht nicht gut aus. Es heißt, dass er kränkelt. Pogacar wirkt stark, aber in seiner Mannschaft gibt es einige Fragezeichen.

    Wie geht es für sie weiter?

    ZIMMERMANN: Ich werde mich zunächst in Augsburg von meinem Sturz erholen. Auch mental brauche ich jetzt eine Pause und werde mich nicht stressen, auf Teufel komm raus wieder aufs Rad zu kommen. Ich werde nebenbei die Tour kucken, obwohl ich mir sonst nicht viel Radsport im Fernsehen anschaue. Mein nächstes sportliches Ziel ist die Deutschland-Tour, die am 20. August in Essen startet. Die Saison ist noch lang.

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