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TC Schießgraben setzt auf Regionalliga statt Bundesliga

Tennis

Schießgraben-Chef Michael Thor: „Ich finde die Tennis-Bundesliga unattraktiv“

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    Jurij Rodionov gehört zu den Leistungsträgern in der Regionalligamannschaft des TC Schießgraben.
    Jurij Rodionov gehört zu den Leistungsträgern in der Regionalligamannschaft des TC Schießgraben. Foto: Michael Hochgemuth

    Wer glaubt, Tennis jenseits der Bundesliga sei langweilig, sollte ein Auge auf den TC Schießgraben werfen. Während große Klubs wie der TC Augsburg oft Schlagzeilen machen, schlägt hier ein Herz für Tennis, das ebenso ambitioniert wie bodenständig ist: Die Regionalliga-Saison 2026 verspricht, genau das zu zeigen.

    Am 3. Mai starten die Frauen des Klubs nach ihrem jüngsten Aufstieg in die Regionalliga-Süd-Ost auswärts bei CaM Nürnberg. Das erste Heimspiel findet am 25. Mai gegen den TC Hengersberg statt. Die Männer beginnen erst am 27. Juni, dafür mit einer dichten Serie von Doppelspieltagen: Zum Auftakt empfangen die Augsburger den TC Blau-Weiß Würzburg, am 28. Juni folgt ein Auswärtsspiel beim ATV 1873 Frankonia Nürnberg.

    Frauen des TC Schießgraben: Ein fester, junger Kern

    Die erste Frauenmannschaft setzt auf junge Talente: Das Durchschnittsalter liegt bei Anfang 20. Mit Maria Schneider (29) stößt ein Augsburger Urgestein zum Team, das ansonsten nahezu unverändert bleibt. Auf der Spitzenposition steht Darja Jessyptschuk, 20 Jahre alt, Ukrainerin und kürzlich Turniersiegerin in Monastir (Tunesien).

    In Städten wie Monastir oder Heraklion (Griechenland) finden praktisch jede Woche Turniere statt. Chancen zum Gewinnen gibt es viele, doch jeder Sieg ist hart erkauft: Reisen, Bälle, Hotelkosten. „Daria ist froh, wenn sie keinen Verlust macht“, sagt Michael Thor, 1. Vorsitzender des TC Schießgraben. „Bis zum Challenger-Niveau (Kategorie im Profi-Tennis unterhalb der ATP/WTA-Tour, Anm. d. Red.) ist Tennis oft ein Draufzahlgeschäft.“

    Männer des TC Schießgraben: Ein Profi und viele Talente

    Die Männermannschaft vereint Erfahrung und junge Hoffnungsträger. Prominentester Spieler ist der Österreicher Jurij Rodionov (26), Sohn belarussischer Eltern. Im Februar 2024 stand er auf Platz 87 der Weltrangliste, 2020 besiegte er den damals zwölftbesten Spieler der Welt, Denis Shapovalov. Doch Turniere haben Vorrang, sodass Rodionov nur dann für den TC Schießgraben spielt, wenn sein Kalender es zulässt.

    Auch Nachwuchsspieler, die am US-College trainieren, stehen im Kader: Samuel Braun (19) kehrt im Mai aus Charlotte nach Augsburg zurück. Dazu spielen Vincent Dullinger (19) und Jaron Held (17) auf der ITF-Junior-Tour (internationale Nachwuchsturnierserie). „Wir haben zigfache bayerische Jugendmeister“, erzählt Thor stolz.

    „In der Regionalliga sehen viele Tennis als ihren Beruf“, sagt Thor. „Bis Mitte 20 merken die meisten, ob sie tatsächlich vom Tennis leben können.“ Für seinen ehemaligen Regionalligaspieler Kai Lemstra (26) endete diese Phase mit der Entscheidung, künftig seine berufliche Karriere zu verfolgen und den Leistungssport hinter sich zu lassen.

    Regionalliga mit Einheimischen statt Bundesliga mit Söldnern

    Bundesligatennis strebt der TC Schießgraben nicht an. „Die erste Bundesliga rühmt sich, die stärkste der Welt zu sein. Aber ich finde sie unattraktiv, weil man dort nicht mit heimischen Spielern antreten kann“, sagt Thor.

    Sein Verein setzt bewusst auf die Regionalliga, die für Thor die ideale Zwischenstufe bildet und gleichzeitig als „Lockmittel“ für neue Mitglieder dient. „In der Regionalliga ist die Bindung eine ganz andere, als wenn man mit sechs Söldnern spielt. Andererseits käme niemand zum TC Schießgraben, wenn wir nur in der Südliga spielen“, fügt er hinzu.

    Zurück auf Kurs nach finanziellen Problemen

    Seit zwei Jahren ist Thor erster Vorsitzender, zuvor war er lange sportlicher Leiter. Unter seiner Führung wuchs die Zahl der Mannschaften von fünf auf zehn: sieben Männer- und drei Frauenteams. Die Männer spielen seit 2022 mindestens in der Regionalliga, 2023 für eine Saison sogar in der 2. Bundesliga.

    In den Jahren 2017/2018 hatten finanzielle Engpässe einen Rückzug vom Leistungssport nötig gemacht. Heute ist die Basis wieder stabil: Klubmagazin, Anzeigen, verkaufte Werbeflächen, der Freundeskreis und lokale Partner wie die Stadtwerke sichern den Spielbetrieb. „Es gibt keinen Hauptsponsor, der über allem steht. Das hat Vor- und Nachteile, aber wenn ein Sponsor wegfällt, kann man ihn leichter ersetzen“, sagt Thor.

    Während der Saison ist Thor voll eingespannt: Er begleitet die ersten Mannschaften zu Auswärtsspielen und stellt die Teams auf. „90 Prozent unserer Spieler kommen über persönliche Kontakte. Spielerberater melden sich meist erst, wenn man Zweitligist ist. Man muss am Ball bleiben“, sagt er.

    Jedes Spiel zählt

    Die Saisonziele sind klar: nicht nur den Klassenerhalt sichern, sondern „mit Vollgas“ spielen, nicht „auf Halten“. Thor weiß: „Manchmal entscheidet ein einziges Spiel, ob man Siebter oder Zweiter wird.“

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