Konfuzius sagt: „Beginne den Tag mit einem Lächeln, meist lächelt er zurück.“ Das stimmt in mehrerlei Hinsicht nicht. Wer morgens mit einem Lächeln startet, braucht sich keine übertriebenen Hoffnungen machen, dass einem der Tag ebenso freundlich begegnet. Ein erster Realitätsabgleich am Spiegel zeigt bereits, dass einem trotz Lächelns ein kissenzerfurchtes, fahles Gesicht entgegenblickt, dessen Mundwinkel nervös zucken. Konfuzius hat sich überdies zwar als Urheber etlicher Wandtattoo-Weisheiten verdient gemacht („Wer nur zurückschaut, kann nicht sehen, was auf ihn zukommt“ etc.), wusste aber über das Lächeln wenig zu berichten. Wer wenig weiß, soll viel schweigen.
Kuscheltiere wissen viel und schweigen noch mehr. Das ist Highend-Weisheit. Zusammengenähte Hunde, Bären, ja sogar Labubus, sind Geheimnisträger. Wissen, welcher plöte Bruder geärgert hat und warum Mama lieber ist als Papa. Verstörend aber, dass die Plüsch-Polyester-Mischungen meist debil lächeln.
In China steht das Jahr des Pferdes an
Nicht so aber in China. Dort steht ab dem 17. Februar das Jahr des Pferdes an. Auch chinesische Dreijährige lieben Kuscheltiere. Dementsprechend werden millionenfach Plüschpferde produziert. Die Belegschaft eines Herstellers aber nähte die Schnauze verkehrt herum an. Die Maulwinkel hängen dementsprechend. Es handle sich um ein Versehen, so der Hersteller. Die Tiere blicken nun jedenfalls reichlich traurig drein – und erfreuen sich großer Beliebtheit. Ein echter Verkaufsschlager. Die Tiere gelten als Ebenbild der permanent unter Druck chinesischen Hochleistungsgesellschaft. Was man eben so konfuzianisch hineininterpretiert. Die Depri-Gäule starten keinen Tag mit einem Lächeln. Oft aber lächelt ein Kind zurück.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren