Ohne TV-Experten geht bei Olympischen Spielen schon lange nichts mehr. Egal in welcher Sportart, jeder Fernsehsender bemüht sich redlich darum, die möglichst beste Expertise ans sportinteressierte Fernsehvolk zu senden. Das Mittel der Wahl sind dabei ehemalige Sportstars, die sich auf der olympischen Bühne mit ihrem Fachwissen austoben können. Die beste Zusammenstellung haben in Mailand und Cortina die Verantwortlichen des Spartensenders Eurosport gefunden, da sie Fachwissen und Emotionalität am besten vereinen.
Eurosport-Trio mit starker Performance beim Ski-Alpin
Vor allem das Ski-Alpin-Trio um Kommentator Wolfgang Nadvornik, Co-Kommentatorin Martina Lechner und Pistenreporterin Viktoria Rebensburg überzeugte beim Team-Event der Frauen auf ganzer Strecke. Die beiden ehemaligen Skirennfahrerinnen sahen das deutsche Duo Emma Aicher und Kira Weidle-Winkelmann schon vor dem Rennen als absolute Medaillenkandidatinnen und sollten damit Recht behalten. Zu viele Köche verderben bekanntlich schon mal den Brei, in diesem Fall verfeinerten sie ihn jedoch. Den emotionalen Kommentaren Lechners, folgten beruhigende und einordnende Worte Nadvorniks.
Die Live-Schaltungen zur im Zielbereich stehenden Rebensburg brachten das gewisse Fachwissen mit ins Spiel. Streckenkenntnisse inklusive. Sie habe den letzten Teil auf der Abfahrt nie wirklich gemocht, aber Kira habe es da gut gemacht, analysierte Rebensburg. Wohl dem, der eine ehemalige Olympiasiegerin als Expertin vorweisen kann.
Jochen Behle: Ein Langlauf-Trainer hinter dem Mikrofon
Auch im Ski-Langlauf schaffte es Eurosport, die Skip-Taste auf der Fernbedienung bis zum Schluss unberührt zu lassen. Die Sprintentscheidung der Männer und Frauen kommentierte das erfahrene Duo, bestehend aus Marc Rohde und Jochen Behle, in einer routinierten Art und Weise, wie sie im deutschen Sportfernsehen selten zu hören ist. Die Einschätzungen des ehemaligen deutschen Langlauf-Bundestrainers Behle waren dabei so detailliert, dass nun auch der größte Amateur weiß, wann auf der Loipe in Tesero attackiert werden muss und wann eben nicht. Da passte es gut ins Bild, dass sein heißer Goldtipp in Persona Linn Svahn am Ende den Sieg holte. Die Schwedin war zwar unter den Favoriten, viele andere Experten setzten aber auf ihre Teamkollegin Jonna Sundling.
ZDF und ARD mit verschiedenen Ansätzen
Beim ZDF hingegen kommentierte Heiko Klasen den Sprint auf alleiniger Flur, was eine emotionale Betrachtung des spannenden Rennens doch etwas erschwerte. Im Allgemeinen scheint das Zweite Deutsche Fernsehen eher nüchtern an die Berichterstattung bei Olympia heranzugehen. Im Biathlon-Einzel der Männer analysierte Ex-Biathlet Sven Fischer in seiner bekannten ruhigen Art das Geschehen sehr professionell und erinnerte bei der Expertise an seine aktive Sportlerzeit am Schießstand. Immer schön nachhalten und auch den letzten Schuss mit höchster Präzision setzen, damit das Endergebnis stimmt.
ZDF-Alpin-Experte Marco Büchel brachte in der Kommentatorenkabine ebenfalls nichts aus der Ruhe. Unaufgeregt, teilweise flüsternd, dann aber zum richtigen Zeitpunkt messerscharf in der Analyse. Wem der Skisport gelegentlich den letzten Nerv raubt, ist bei dem Liechtensteiner an der richtigen Adresse. Denn sein ruhiger Charakter macht sogar aus einem nervenaufreibenden Steilhang eine Gleitpassage.
Bei den Alpinen sieht es in der ARD anders aus. Experte Felix Neureuther nimmt, wenn es zur Sache geht, selten ein Blatt vor den Mund. Sei es nun bei der kürzlich geäußerten Kritik an der Kameraführung nach dem Sturz von Lindsey Vonn oder beim Live-Kommentar der Rennen. Auch an der Skisprungschanze moderiert Sven Hannawald für die ARD sehr emotional und natürlich. Er erkennt das „Pipi“ in den Augen seiner Kollegin Lea Wagner nach dem Gold-Coup von Philipp Raimund und leidet mit den Skispringerinnen und Skispringern, als wäre er selbst noch oben auf dem Balken.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren