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Überraschender Olympiasieg: So stark hat sich Skispringer Philipp Raimund entwickelt

Olympia 2026

„Da hat’s richtig gescheppert“ – Philipp Raimunds Weg zu Olympiagold

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    Bisstest mit der Medaille: Philipp Raimund ist Olympiasieger im Skispringen.
    Bisstest mit der Medaille: Philipp Raimund ist Olympiasieger im Skispringen. Foto: Daniel Karmann, dpa

    Es war ein trauriger Moment. Philipp Raimund brachte kaum mehr einen Ton heraus. Die Vierschanzentournee hatte mit einer Enttäuschung für den deutschen Skispringer geendet. Rang acht in der Gesamtwertung, er hatte sich mehr erhofft. Raimund aber hatte sich während des Schanzenspektakels erkältet. Von Tag zu Tag ging es ihm schlechter. Am Ende krächzte er nur noch. Sagte aber auch voller Zuversicht, dass noch ein Höhepunkt in diesem Winter folge: Olympia.

    Und siehe da, am Montagabend lieferte der 25-Jährige eindrucksvoll. Gold auf der Normalschanze. Überraschend ja, aber irgendwie auch wieder nicht. Weil Raimund die kleinere Schanze gerne springt. Vor der Abreise nach Italien hatte er gesagt: „Die kleinen Schanzen liegen mir ein bisschen mehr.“

    Die Enttäuschung Tournee war schnell abgehakt, der Blick richtete sich nach vorne. Nicht in der Vergangenheit leben, sondern zuversichtlich bleiben. Raimund kann das mittlerweile. Er hat gelernt, seine Emotionen besser zu kontrollieren. Nach dem ersten Sprung am Montagabend war Raimund ganz ruhig geblieben. Schon da lag er auf Platz eins, weil die stärker eingeschätzte Konkurrenz patzte. Allen voran Dominator Domen Prevc.

    Olympia-Gold für Skispringer Raimund: Zur Belohnung gab es nur ein Bier

    Raimund blieb bei sich. Als Letzter des Wettbewerbs von der Schanze zu müssen, kann belasten. Nicht Raimund an diesem Abend. Auch Sprung zwei gelang. Und diesmal ließ er seiner Freude freien Lauf. Raimund war plötzlich Olympiasieger. „Geil“, sagte er voller Euphorie, „ich bin mega happy. Dass es am Ende so ausgeht, habe ich nicht erwartet. Das macht mich extrem stolz“, sagte Raimund. Bis zum Montagabend hatte er noch kein Weltcupspringen gewonnen – und plötzlich ist er Olympiasieger.

    Die Party fiel dennoch kurz aus. Wie vom Trainerteam befohlen. Nach der Rückkehr ins Teamquartier gab es ein Bier – auf dem Gang. Die Zimmer sind zu klein, um sich dort zu treffen. Eine längere Feier verbot sich durch den Umstand, dass es am Dienstagabend gleich mit dem Mixed-Team weiterging.

    Der gebürtige Göppinger, der mittlerweile in Oberstdorf lebt, ist zum deutschen Vorzeigespringer geworden. Zumindest in den Tagen von Predazzo. Leicht war die Entwicklung dorthin nicht immer. „Ich habe auch lernen müssen, mit ihm umzugehen. Aber ich kann jetzt richtig gut mit ihm“, sagte Bundestrainer Stefan Horngacher. Und: „Wir haben auch schon ein richtiges Streitgespräch gehabt. Da hat's richtig gescheppert. Aber das war auch gut. Das war wichtig.“

    Raimund hat es seinem Trainer nicht immer leicht gemacht. Mit seiner offenen, manchmal übertriebenen Art. Mit seiner Aufgeregtheit und stetigen Unruhe. Teamkollege Felix Hoffmann hatte ihn vor Olympia als „Duracell-Häschen“ bezeichnet. Also immer unter Strom, immer auf Achse. Raimund aber hat sich entwickelt. „Es ist wichtig, den Knopf zum Ausschalten zu finden“, sagte der 25-Jährige.

    Horngacher, der nach diesem Winter aufhören wird, hatte im Vorfeld geunkt. „Hoffentlich dreht er nicht durch“, hatte er über Raimund gesagt. Im positiven Sinne gemeint, schob Horngacher hinterher. Er weiß, dass er bei Raimund besonders aufpassen muss.

    Skisprung-Olympiasieger Philipp Raimund litt lange Zeit unter Höhenangst

    Der Anfang für das deutsche Springerteam ist gemacht. Erledigt von einem Athleten, der lange Zeit mit einem für einen Skspringer bemerkenswerten Problem zu kämpfen hatte: Höhenangst. Raimund selbst hatte das einst erzählt. Immer wieder gibt es seitdem Nachfragen. „Ein bisschen nervt das schon“, sagte Raimund vor Olympia, „ein bisschen bereue ich, dass ich das angesprochen habe. Ich wollte aber offen mit dem Thema umgehen.“ Zumal er für sich eine Lösung gefunden hat, die womöglich auch anderen Betroffenen helfen kann. „Mir hat die Frage geholfen, wo die Wurzel des Ganzen liegt“, sagte der 25-Jährige.

    Er habe das Gespräch mit einem Psychologen gesucht und verschiedene Extremsituationen ausprobiert. Wie etwa ein Flug mit einem kleinen Propellerflugzeug. „Die Wurzel liegt bei mir in dem Trieb, mich nicht verletzen zu wollen“, erklärte Raimund und führte weiter aus: „Erst einmal muss man akzeptieren, dass das etwas Normales ist. Und zweitens erkennen, dass es gar nicht so doof ist. Sondern sogar ganz schlau ist, dass ich nicht die Klippe runterspringen will.“ Mittlerweile kann er einen Haken hinter die Höhenangst machen.

    Und seit Montagabend auch einen hinter eine olympische Medaille. Und das in Predazzo, nicht fern der Wahlheimat im Allgäu. Seine Mutter Kathrin war mit an der Schanze, ebenso seine Brüder Joel und Fabian. Der 28-Jährige war selbst Skispringer und der Grund, weshalb Philipp Raimund überhaupt mit dem Sport begann. Er wollte seinem großen Bruder nacheifern und ihn übertreffen. Das ist ihm eindrucksvoll gelungen.

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