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Veränderungen im Frauenteam: Trainer Wück sucht die passende Taktik

Fußball-EM

Bundestrainer Wück sucht vor dem Viertelfinale einen neuen Plan

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    Anspannung vor dem Viertelfinale: Bundestrainer Christian Wück und Sportdirektorin Nia Künzer.
    Anspannung vor dem Viertelfinale: Bundestrainer Christian Wück und Sportdirektorin Nia Künzer. Foto: Sebastian Christoph Gollnow, dpa

    Es regnete bereits in Strömen, als sich Christian Wück auf dem Trainingsplatz des Sportzentrums Buchlern eine rote Stange griff. Bloß schleuderte der Bundestrainer das Ding am Mittelkreis nur wenige Meter weit. Dabei benötigt der 52-Jährige doch bald in Basel einen großen Wurf, soll die Titelmission der deutschen Fußballerinnen gegen Frankreich im EM-Viertelfinale (Samstag 21 Uhr/ZDF) nicht vorzeitig enden. Um den Ernst der Lage zu illustrieren, hielt Wück mit ausladenden Handbewegungen eine eindringliche Ansprache, die es in dieser Deutlichkeit im Bezirk Altstetten noch nicht zu besichtigen gab. Wie die Wolken über Zürich hängt die Frage über seinem Team, zu welchen Anpassungen der Trainer nach dem Systemausfall gegen Schweden (1:4) bereit ist.

    Einen völligen Richtungswechsel hat Wück bereits ausgeschlossen – und kann sich dabei der Rückendeckung von Verbandsseite sicher sein. Zweckfußball wie bei den Olympischen Spielen 2024, als Horst Hrubesch auf einen kompakten Verbund setzte, der die Offensivbemühungen auf das Nötigste reduzierte, will niemand mehr sehen. Der Quereinsteiger aus dem männlichen Nachwuchsbereich wurde installiert, damit die Frauen des Deutschen Fußballbundes (DFB) im besten Fall attraktiv und erfolgreich agieren.

    Künzer: Wück habe sich „das Spiel gegen Schweden auch anders vorgestellt“

    Sportdirektorin Nia Künzer nimmt den Chefcoach in dieser hochsensiblen Phase „sehr fokussiert“ wahr: „Er hat sich das Spiel gegen Schweden auch anders vorgestellt.“ Die Weltmeisterin von 2003 setzt darauf, dass jetzt zwei erfolgreiche Figuren des deutschen Frauenfußballs ihren Einfluss geltend machen, die im Kreis demonstrativ an Wücks Seite standen: Maren Meinert und Saskia Bartusiak. Beide agierten als titelerfahrene Assistentinnen bislang meist unter dem Radar. Wück hat gerade ihren Erfahrungsschatz stets öffentlich begrüßt.

    Co-Trainerin Meinert übernahm am Dienstag auch die Öffentlichkeitsarbeit im Pressezentrum am Kalanderplatz. Taktische Anpassungen werde es auf jeden Fall geben. Man müsse grundsätzlich „eine schnelle Mannschaft“ in den Griff bekommen. „Wenn wir nicht kompakt stehen, haben wir wenig Chancen.“ Niemand dürfe allein gelassen werden, warnte die bis 2019 sehr erfolgreich im weiblichen Nachwuchsbereich arbeitende 51-Jährige. Sie gab zu, dass die ständigen Schwankungen weiterhin „ein kleines Rätsel“ für den Trainerstab seien. Es liege „nicht an der Konzentration, nicht am Willen, aber wir müssen gemeinsam lernen“: Ein Viertelfinale sei halt ein Spiel „ohne doppelten Boden.“ Erst recht gegen diesen vor Spiellaune und Selbstbewusstsein strotzenden Kontrahenten.

    Frauen-EM: Die Konstanz fehlt in der deutschen Mannschaft

    Schon vor der Europameisterschaft hatte Meinert gemahnt: „Wenn wir nicht gewisse Konstanz reinkriegen, werden wir bei großen Turnieren nicht weit kommen.“ Nun klang bei ihren sachlichen Ausführungen durch, dass Kathrin Hendrich als Innenverteidigerin, Sophia Kleinherne oder Sarai Linder als Rechtsverteidigerin auflaufen könnten, womit links die Novizin Franziska Kett zur Option würde. „Es gibt Überlegungen in alle Richtungen. Mittwoch, Donnerstag werden wir sie mit der Mannschaft teilen.“ Feedback ist danach erwünscht.

    Wücks Bereitschaft zu Veränderungen wird intern nicht infrage gestellt: Der Vater zweier Töchter sei ja nicht beratungsresistent, heißt es. Die U17-Junioren hätten bei ihrem WM- und EM-Sieg vor zwei Jahren nicht allen Widerständen getrotzt, wenn ihr Chefcoach nicht zugehört hätte, um sich notfalls zu korrigieren. Im Führungsstil. Und in der Spielweise. Doch reichen überhaupt Impulse von der Trainerbank, wenn so viel schiefgeht wie bei der Lektion im Letzigrund gegen die spielstarken Schwedinnen? Auch aus der Mannschaft muss mehr kommen, wenn mit Giulia Gwinn und Lena Oberdorf die angedachten Führungskräfte verletzt sind.

    Der Bundestrainer ist nicht allein in der Bringschuld

    Beim bislang letzten EM-Titel 2013 hatte die damalige Kapitänin Nadine Angerer, inzwischen Torwarttrainerin der Schweiz, eingegriffen. Nach einer Vorrundenniederlage gegen Norwegen (0:1) kam es zur Aussprache auf der Insel Öland. Angestoßen hatte das reinigende Gewitter eben auch Bartusiak als eine der weltbesten Verteidigerinnen. Die 42 Jahre alte Frankfurterin hatte vor der Europameisterschaft geahnt, dass solche Situationen wieder auftreten könnten. „Es ist ganz wichtig, dass eine Mannschaft in gewissen Phasen eines Turniers Dinge erkennt und selbst regelt.“ Der Bundestrainer ist bei Schlechtwetter in der Schweiz nicht allein in der Bringschuld.

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