Für den Vorsitzenden der „Bürgerinitiative (BI) – lebenswerte Heimat Region Buttenwiesen-Wertingen“, Manfred Heise, war der vergangene Mittwoch ein guter Tag. Er begrüßt das von der CSU-Mehrheit im bayerischen Landtag durchgeboxte Gesetz zum Bau neuer Windräder im Freistaat. Demnach dürfen, wie berichtet, Windkraftanlagen nur noch dann erstellt werden, wenn sie mindestens zehnmal so weit von einer Wohnbebauung entfernt wie sie hoch sind. Es handelt sich dabei um die sogenannte 10H-Regelung (siehe eigenen Infokasten).
Manfred Heise wohnt im Buttenwiesener Ortsteil Wortelstetten, das bereits von fünf Windrädern umgeben ist. Drei stehen auf Buttenwiesener Flur, je eines im benachbarten Fertingen (Gemeinde Kühlenthal) und in Langenreichen (Marktgemeinde Meitingen). Weitere Windräder lehnen Heise und die 200 Mitglieder der BI auf dem Höhenrücken, der entlang der Grenze der Landkreise Dillingen und Augsburg verläuft, kategorisch ab. „Wenn hier weitere Windanlagen entstehen, sind wir total eingekesselt“, betont Heise, der deshalb die getroffene 10H-Regelung als „positive Entscheidung“ sieht. Einen Standort rund um Wortelstetten zu finden, bei dem 2000 Meter Abstand eingehalten werden können, sei jetzt nicht mehr möglich. Es sei denn, Kommunen weichen per Beschluss oder Bürgerentscheid davon ab und auch eine betroffene Nachbargemeinde stimmt zu.
Ob die Gemeinde Buttenwiesen irgendwann über Ausnahmeregelungen diskutieren wird, das kann Bürgermeister Norbert Beutmüller derzeit nicht beantworten. Ein Ratsbegehren zur „Umschiffung“ der 10H-Regelung kann er sich beim besten Willen nicht vorstellen. „Da würde im Vorfeld viel zu emotional debattiert“, mutmaßt Beutmüller angesichts der vielen Debatten, die es rund um die Windkraft in Buttenwiesen eh schon gegeben habe. Das, was die CSU am Mittwoch im Landtag entschieden hat, tut dem Buttenwiesener Bürgermeister in der Seele weh. „Es wurden sämtliche Argumente von Experten in den Wind geschlagen“, bedauert Beutmüller. Die 10 H-Regelung sei „reiner Murks“ und wurde aus seiner Sicht deshalb beschlossen, weil dies ein launischer Ministerpräsident im vergangenen Jahr irgendwann mal so im Wahlkampf gesagt habe.
Für Architektin Annette Gärtner von der ortsansässigen Firma GP Joule in Buttenwiesen-Mairhof hat Bayern durch die 10H-Regelung den Zug zur Energiewende verpasst. Zum Glück, so Gärtner, sei ihre Firma in ganz Deutschland und auch international vertreten. Woanders werden GP Joule beim Bau von Windkraftanlagen wesentlich weniger Steine in den Weg gelegt. „Mutlos“, so Annette Gärtner, werde ihre Firma aber durch das Windrad-Gesetz in Bayern nicht. Vor allem in der Region hofft sie, dass weitere Anlagen trotz 10 H entstehen können. „Unsere Gemeinden sind sehr fortschrittlich und werden sich Gedanken über Ausnahmeregelungen machen“, schreibt sie die Pläne, auf dem Plateau rund um Wortelstetten weitere Windräder zu platzieren, noch lange nicht ab.
Die Stadt Wertingen hat im Flächennutzungsplan im vergangenen Jahr im Bereich rund um den Ortsteil Hirschbach zwar Windflächen ausgewiesen, doch nach Ansicht von Bauamtsleiter Johann Meitinger können hier nach der 10H-Regelung nur noch Windräder in einer Höhe von 80 Metern aufgestellt werden. „Mehr als 800 Meter Abstand zur nächsten Bebauung ist nicht möglich“, kennt Meitinger die Verhältnisse vor Ort. Angesichts der hiesigen Windverhältnisse seien solche kleinen Anlagen in Bayern nach seiner Ansicht wohl wenig rentabel. Ob die Stadt Ausnahmen erteilt, könne er nicht beurteilen.