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Rechtsextreme Jugendliche: Rechte Taten unter der Lupe des Staatsanwalts

Rechtsextreme Jugendliche

Rechte Taten unter der Lupe des Staatsanwalts

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    In diesem Haus in Unterthürheim lebte eine farbige Mutter mit zwei Töchtern. Junge Rechte aus dem Unteren Zusamtal mobbten zuerst sie, später auch die 13-jährige Tochter. Die 33-jährige Mutter zog mit ihren Kindern aus dem Unteren Zusamtal weg. Wie Bürgermeister Norbert Beutmüller jüngst erfahren hat, soll sich einer der Täter bereits im vergangenen Jahr zeitnah bei der Mutter entschuldigt haben. Andere junge Rechte aber mobbten weiterhin das Kind. Unbekannte warfen ein Ei und später auch einen Stein gegen die Fassade des von ihr bewohnten Hauses.
    In diesem Haus in Unterthürheim lebte eine farbige Mutter mit zwei Töchtern. Junge Rechte aus dem Unteren Zusamtal mobbten zuerst sie, später auch die 13-jährige Tochter. Die 33-jährige Mutter zog mit ihren Kindern aus dem Unteren Zusamtal weg. Wie Bürgermeister Norbert Beutmüller jüngst erfahren hat, soll sich einer der Täter bereits im vergangenen Jahr zeitnah bei der Mutter entschuldigt haben. Andere junge Rechte aber mobbten weiterhin das Kind. Unbekannte warfen ein Ei und später auch einen Stein gegen die Fassade des von ihr bewohnten Hauses.

    Von Erich Wandschneider

    Buttenwiesen/Unterthürheim Die Mühlen des Gesetzes mahlen: Peter Timko, Leiter der Dillinger Kripo, bestätigte der WZ, dass man die Ermittlungen über die Vorfälle mit rechten Jugendlichen im Unteren Zusamtal abgeschlossen und an die Augsburger Staatsanwalt abgegeben habe.

    Bekannt wurden die rechten Jugendlichen vor allem deswegen, weil sie eine farbige Mutter mobbten: „Deine Kinder sind die Rassenschande des Dorfs“, wurde der 33-jährigen Frau zum Beispiel entgegengehalten. Es gibt noch andere Vorfälle – nicht immer handelt es sich um rechtsextremes Treiben.

    Bei den Ermittlungen der Kriminalpolizei geht unter anderem um mehrere Fälle im Zusammenhang mit dem Paragrafen 86 a – also um den „Hitlergruß“ oder auch „Heil-Hitler-Rufe“ – die strafbar sind. Außerdem werden einer Gruppe von jungen Leuten in wechselnder Zusammensetzung Sachbeschädigungen vorgeworfen und schließlich auch Körperverletzungen. Timko wollte im Vorfeld der weiteren juristischen Aufarbeitung der Vorfälle nicht auf die Details eingehen.

    Auch Matthias Nickolai, der Sprecher der Augsburger Staatsanwaltschaft betonte im Gespräch mit der WZ, es sei noch viel zu früh, über die Vorfälle im Unteren Zusamtal Auskunft zu geben: „Diese Dinge werden von der Staatsanwaltschaft erst bearbeitet!“

    Soviel zur offiziellen Faktenlage! Seit durch die Berichterstattung der WZ bekannt wurde, dass junge Rechte 2011 eine farbige Mutter mit ihrem zwei Kindern so gemobbt haben, dass sie das Dorf verließ, bewegt das Thema die Menschen im Unteren Zusamtal. Nun sorgen vor allem Gerüchte für Unruhe. Es wird zum Beispiel davon gesprochen, dass Mitbürger, die sich gegen die Rechten ausgesprochen haben, bedroht oder verhöhnt worden seien. Das aber ist nach den Recherchen der WZ nicht zutreffend.

    Dennoch ist – vor allem auch nach einem Fernsehbeitrag in der Sendung „Quer“ – die Öffentlichkeit emotionalisiert. Vertreter der Öffentlichkeit wurden sogar anonym als Nazis beschimpft.

    Bürgermeister Norbert Beutmüller ist nach wie vor unglücklich mit der Wortprägung „rechte Szene“: „Es gibt wohl immer wieder Jugendliche, die aus der Gruppendynamik heraus mal „Heil Hitler“ schreien. Aber das ist doch noch keine rechte Szene!“ Der Bürgermeister betont: „Überall steht Buttenwiesen nun als Nazidorf da. Aber dagegen verwehre ich mich!“

    Tatsächlich ist es nach den Recherchen der WZ lediglich ein kleiner Kreis junger Leute, die in den vergangenen Monaten mit Rassismus und rechten Parolen von sich reden machte. Es tauchten bis jetzt keine Hinweise auf, dass es sich um organisierte und mit einem überregionalen Dachverband vernetzte Rechte handelt. Ein 17-Jähriger, der die farbige Mutter beleidigte – „Deine Kinder sind die Rassenschande des Dorfs“ – hatte im Vorstand des Jugendtreffs Le Creche Sitz und Stimme. Aber dort erhielt er schon im Herbst 2011 – also noch bevor die rechten Umtriebe überregional bekannt wurden – Hausverbot.

    Dass sich junge Leute aus dem Jugendtreff vom rechten Treiben einiger Weniger distanzierten, ändert aber nichts an der Tatsache, dass es rechtsextreme Strömungen gab. Wie in der WZ berichtet, hatten junge Buttenwiesener sich 2011 vom Treff La Creche mit der Aussage „Das sind Nazis“ distanziert. Und Gemeinderat Gernot Hartwig erwähnte in der jüngsten Ratssitzung, dass junge Rechte nach seinen Informationen sogar schon mit Schlagstöcken im Jugendtreff La Creche aufgetreten seien.

    Die Kripo befasste sich schon im vergangenen Jahr mit dem Jugendtreff. Unter anderem suchte man rechtes Propagandamaterial, wurde aber laut Bürgermeister Beutmüller nicht fündig. Der Bürgermeister tritt in jüngster Zeit den Gerüchten und oft irrationalen Schuldzuschreibungen immer wieder entgegen. Er fordert heute auch Gerechtigkeit für die jugendlichen Täter: „Wir sind jetzt leider in einer Phase, wo einer bereits verurteilt und verdammt wird, noch bevor das Gericht ein Urteil gesprochen hat!“

    Rechts! Seit den Döner-Morden ist die Öffentlichkeit beunruhigt. Jürgen Mayershofer aus Unterthürheim hat eine chinesische Freundin. Als der von der Kripo ermittelte Täterkreis Ende Januar auch bei ihm eine Scheibe einschlug, interpretierte er das als Affront gegen seine ausländische Lebensgefährtin und protestierte öffentlich (die WZ berichtete). Mayershofer jetzt zur WZ: „Eine Frau aus Oberthürheim rief mich an und sprach von der Gründung einer Bürgerinitiative gegen Rechts“. Daraus wurde aber bislang nichts. Im Internet erhält Mayershofer viel Zuspruch. Jüngst bekam er eine Glückwunschkarte aus Augsburg, weil er sich öffentlich gegen die Rechtsextremen gewandt hatte: „Aber aus der Nachbarschaft höre ich nichts!“ Mayershofer versicherte der WZ: „Es ist schon jahrelang intern bekannt, dass es eine rechte Szene bei uns gibt. Aber da werden halt die Augen verschlossen!“

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