In der hitzigen Diskussion um das geplante Medizinzentrum, das nach dem Willen von Landrat Leo Schrell und auch des Wertinger Stadtrates am Ebersberg entstehen soll, ist ein wichtiger Baustein desselben in den Hintergrund gerückt: die Pflegeschule. Während das Ärztezentrum, das in Form eines Turms von Ulrich Reitenberger gebaut werden könnte, und das neue Pflegeheim durch den baldigen Weggang des bisherigen Leiters Günther Schneider (wir berichteten zu beiden Themen) beide für reichlich Gesprächsstoff im und außerhalb des Stadtrates sorgte, blieb es um die Pflegeschule zumindest in Wertingen ruhig. Doch was soll da eigentlich neben dem Wertinger Krankenhaus entstehen?
Ebenso wie der eines Pflegeheims stieß auch der Neubau einer Pflegeschule auf uneingeschränktes Wohlwollen bei den Stadträten. Doch anders als beim Pflegeheim ist für den Neubau der Schule der Landkreis zuständig.
Die Ausbildung wird in Wertingen zusammengeführt
Der bisherige Ist-Zustand gestaltet sich so: In Wertingen bestanden vor der Einführung der generalistischen Pflegeausbildung, die seit dem 1. September besteht, zwei Schulen. Eine für das bisherige Berufsbild „Gesundheits- und Krankenpflege“ in Trägerschaft der Kreiskliniken Dillingen-Wertingen in den Räumen des sogenannten Schwesternwohnheimes am Krankenhaus und eine weitere Schule für das bisherige Berufsbild „Altenpfleger“ und „Altenpflegehelfer“ unter der Trägerschaft des Bayerischen Roten Kreuzes.
Bereits im Vorfeld der neu definierten Pflegeausbildung wurde über eine gemeinsame Schule zwischen dem Bayerischen Roten Kreuz und der Kreisklinik diskutiert und verhandelt, berichtet Landrat Leo Schrell. In der Sache seien sich dabei beide Träger einig gewesen, dass es am Standort Wertingen nur Sinn macht, eine Schule zu betreiben, die inhaltlich die gleichen schulischen Schwerpunkte aufweist. Denn das Ziel der neuen generalistischen Ausbildung ist es, Pflegekräfte für die Zukunft auszubilden, die in allen Bereichen einsetzbar sind – ambulante Pflege, stationäre Pflege und akutmedizinische Krankenhausversorgung. Sie sollen über ein noch umfassenderes allgemeines pflegerisches Wissen verfügen, als das bislang schon der Fall ist. Die Zusammenführung der beiden Ausbildungen sei ein voller Erfolg, sagt Schrell. Das Fachwissen von Alten- und Krankenpflege werde gebündelt und stärke sich gegenseitig. Das sei ein „unschätzbarer Vorteil“ für die zukünftige Versorgung der Bürger.
Neue Schule könnte knapp zwei Millionen Euro kosten
Doch der neue Unterricht braucht nun auch angepasste Räumlichkeiten – vor allem mehr Platz. Deswegen wird laut Schrell der Neubau notwendig. Billig wird das nicht, die Kostenkalkulation des Landkreises liegt derzeit bei knapp unter zwei Millionen Euro für das Projekt. Die Regierung von Schwaben wird allerdings einiges an Fördergeld für den Bau springen lassen, so die Hoffnung. Eine Voranmeldung bei der Regierung von Schwaben sei bereits erfolgt, ein begründeter und ausführlicher Antrag auf Förderung müsse aber noch gestellt werden.
Es könnte vergleichsweise schnell gehen mit dem Neubau. Das Landratsamt hofft auf einen Baubeginn schon im kommenden Jahr – wenn alles glattläuft, könnten dann schon 2022 die ersten Schüler die generalistische Pflegeausbildung in Wertingen beginnen. Denn das Interesse am Pflegeberuf bei jungen Leuten ist im Landkreis hoch. In der neuen, ab September 2020 begonnenen Ausbildung besetzte der Landkreis die angebotenen Schulplätze vollständig. Mit der noch laufenden, „alten“ Ausbildung werden damit insgesamt 130 Schüler unterrichtet. Eine Klasse widmet sich der einjährigen Ausbildung zum Pflegehelfer. „Für die Zukunft planen wir, gerade das Ausbildungsangebot der einjährigen Ausbildung noch zu erweitern. Ergänzt werden soll unser Angebot der Pflegeausbildung noch um ein pflegewissenschaftliches Studium, hier planen wir die Kooperation mit entsprechenden Hochschulen, um die Pflegeausbildung noch attraktiver zu gestalten“, gibt Landrat Schrell Auskunft.
Synergieeffekte mit Ärztehaus und Pflegeheim erwartet
Und inwiefern hat die neue Pflegeschule mit dem kontrovers diskutierten Ärztehaus zu tun? Aus dem Landratsamt heißt es, man wolle den Neubau der Pflegeschule „unabhängig vom geplanten Ärztezentrum“ realisieren. Allerdings wäre dieses in Schrells Augen die „ideale Ergänzung“ zu den medizinischen und pflegerischen Angeboten am Krankenhausstandort Wertingen – ebenso wie das geplante neue Pflegeheim. „Eine so große Pflegeschule macht natürlich insbesondere an einem Standort Sinn, an dem nicht nur die theoretische, sondern auch die ebenso wichtige praktische Ausbildung der Schüler erfolgen kann“, sagt Schrell. Die für das Pflegeheim benötigten Fachkräfte könnten gleich an Ort und Stelle ausgebildet werden – und die niedergelassenen Ärzte seien wiederum auf kurzem Weg für die Bewohner des Pflegeheims erreichbar. „Unsere Klinikgeschäftsführung hatte hier bei allen sich abzeichnenden Entwicklungen stets zur richtigen Zeit die richtigen Weichenstellungen vorgenommen und Weitblick und Zukunftsorientierung in den Vordergrund gestellt“, lobt Schrell die Arbeit von Uli-Gerd Prillinger und dessen Kollegen.
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