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Lost Place verschwindet: Letzte Einblicke in die Wertinger Schwanenbräu-Mälzerei vor dem Abriss

Wertingen

Kurz vor dem Abriss: Geheime Einblicke in die einstige Schwanenbräu-Mälzerei in Wertingen

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    Die alte Mälzerei Schwanenbräu mitten in Wertingen steht kurz vor dem Abriss.
    Die alte Mälzerei Schwanenbräu mitten in Wertingen steht kurz vor dem Abriss. Foto: Laura Gastl, Carry/Stadtarchiv Wertingen

    Nur noch wenige Wochen dürfte es dauern. Dann wird die einstige Schwanenbräu-Mälzerei mitten in Wertingen für immer aus dem Stadtbild verschwinden. Sie wird einer Konzerthalle samt Foyer weichen. Investor Hermann Buhl wartet derzeit noch auf die Genehmigung für den Abriss und gewährt letzte Einblicke – ins Innere des Gebäudes und in die Geschichte der Mälzerei.

    Das Schwanenbräu aus Wertingen hat eine rund 600-jährige Geschichte. Noch bis vor drei Jahren wurde das Bier in der Schmiedgasse gebraut. Dann verlegte Inhaber Fritz Carry die Produktion von nurmehr zwei Sorten in die Schlossbrauerei Unterbaar. Sein Alter und die Technik in der Wertinger Brauerei, die sich nicht mehr auf dem aktuellen Stand befand, waren die Gründe. Die zugehörige Mälzerei, in der einst aus Getreide Malz hergestellt wurde, wurde längst nur noch zur Lagerung genutzt.

    Im Inneren der Mälzerei befinden sich eingestaubte Gerätschaften, alles wirkt längst verlassen

    Das ist dem Gebäude anzusehen. Im Inneren befinden sich noch einige alte Gerätschaften. Hier ein Schaltkasten an der Wand, dort Rohre und Schläuche. Große Zylinder aus Metall, wohl zur Lagerung von Gerste und Malz, und eine Abfüllanlage. Eingestaubt und mitunter rostig. Die Sonne, die durch die Fenster fällt, sorgt für eine dennoch freundliche Atmosphäre an diesem verlassenen Ort.

    Wozu all die Maschinen einst dienten, darüber kann Hermann Buhl nur rätseln, während er Stockwerk für Stockwerk durchs Gebäude führt. Der letzte Braumeister wollte sich nicht mehr zur Vergangenheit und den einstigen Abläufen in der Mälzerei äußern.

    Lost Place: So sieht es in der alten Wertinger Mälzerei kurz vor dem Abriss aus

    Die alte Mälzerei Schwanenbräu mitten in Wertingen kurz vor dem Abriss.
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    Dafür hat Stadtarchivar Johannes Mordstein in den Unterlagen des Stadtarchivs gestöbert. „Aus der Häuserchronik meines Vorgängers ergibt sich, dass das Mälzereigebäude 1939 neu gebaut wurde“, schreibt Mordstein. Bauherr war der Brauereibesitzer Fritz Carry, der von 1946 bis 1952 Bürgermeister von Wertingen war.

    Anlass für den Neubau sei der Großbrand vom 19. November 1938 gewesen, der die gesamte Gastwirtschaft „Zum Hirsch“ samt Ställen und Stadeln vernichtete. Auf dem Gelände der benachbarten Schwanenbrauerei brannten Mordstein zufolge ein Stall und eine Autogarage ab. An dieser Stelle wurde daraufhin die Mälzerei errichtet. Fertiggestellt wurde sie am 23. Dezember 1939.

    Die Konzerthalle wird auf den Grundmauern der alten Mälzerei errichtet

    Nachdem der Bau als nicht denkmalgeschützt eingestuft wurde, soll er also in Kürze abgerissen werden. Hätten Statik und Brandschutz es erlaubt, hätte Buhl das Gebäude „zu 1000 Prozent“ erhalten, wie er sagt. Die barrierefreie Konzerthalle wird auf den Grundmauern des Bestands errichtet, im jetzigen Hof wird sich ein Foyer anschließen. Doch Buhl zufolge hätte ein Herausnehmen tragender Säulen im jetzigen Gebäude zum Einsturz geführt. Aus Sicht des Investors, der in Wertingen schon viel saniert hat, ist ein Abriss und Neubau die einzige Option, das Areal sinnvoll zu nutzen.

    Funktioniert alles so, wie es sich Buhl vorstellt, könne nach dem Abriss der Mälzerei schon im Herbst mit dem Bau des Konzertsaals begonnen werden. Der Investor, der mit der Charlotte und Hermann Buhl Stiftung etwa für die Wertinger Festspiele oder auch die Sonntagsmatinéen verantwortlich ist, ist ein großer Freund von Kulturveranstaltungen. Das Errichten eines modernen Konzertsaals würde die angespannte Buchungssituation anderer Veranstaltungsorte in Wertingen entzerren. So sieht es Buhl. Denn die Stadthalle wird ebenso für den Sport genutzt, was immer wieder zu Engpässen führe. Auch vonseiten der Stadtkapelle ist übrigens immer wieder zu hören, dass man sich eine weitere Location wünscht.

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