Ein Jahreskonzert? Ja. Unbedingt. Für die Jazz Taste Bigband ist es mehr als ein weiterer Auftritt im ohnehin gut gefüllten Kalender. Es ist der Moment im Jahr, in dem nicht Unterhaltung, sondern Kunst im Fokus steht. Der Abend, an dem gezeigt werden darf, was musikalisch möglich ist – jenseits von Stadtfest- und Bierzelt-Bühne.
„Wenn wir am Stadtfest spielen, bedienen wir natürlich einen Querschnitt des Geschmacks“, sagt der musikalische Leiter Tobias Wiedenmann. Dort braucht es Hits, Bekanntes, Zugängliches. Die Fluktuation im Publikum ist groß, man hört drei Stücke und zieht weiter. Ein 18-minütiges Swing-Werk mit ausgedehntem Soli wäre da fehl am Platz. Das Jahreskonzert dagegen verlangt Konzentration. Und es belohnt sie.
Das Projekt der Jazz Taste Bigband ist inspiriert von Phil Collins
Vor vier Jahren wagte sich die Bigband an ein außergewöhnliches Projekt: Titel von Phil Collins und Genesis, arrangiert im Bigband-Sound – inspiriert von Collins’ Album „A Hot Night in Paris“. In Wertingen wurde daraus eine „Hot Night in Wertingen“. Der Abend schlug Wellen, sprach sich herum. Nun folgt die Fortsetzung: „Another Hot Night in Wertingen – Volume 2“. Die Nachfrage war groß – vom Publikum wie von den Musikern und Musikerinnen selbst. „Können wir das Programm nochmal spielen?“, hieß es in den Reihen der Band.
Dass man sich für eine Neuauflage entschied, hat auch pragmatische Gründe. Viele der 21 Musikerinnen und Musiker sind mehrfach engagiert – in der Stadtkapelle, in der Bläserphilharmonie, im Sinfonieorchester. Die Ressourcen sind begrenzt, die Kalender voll. Seit dem Weihnachtskonzert blieb wenig Zeit für ein komplett neues „Kunstprogramm“. Zumal bereits das nächste Großprojekt am Horizont wartet.
Was die Wertinger Bigband spielt, ist anspruchsvoll, musikalisch komplex
Und doch: Der Anspruch bleibt hoch. Fünf Saxofone, vier Posaunen, vier Trompeten, dazu Rhythmusgruppe mit Schlagzeug, Gitarre, Bass und Klavier – ein Klangkörper, der Druck und Feinzeichnung beherrscht. Gesungen wird ebenfalls, wenn auch sparsam: Drei Titel übernimmt der Leiter selbst. Er hat Schlagzeug studiert, spielt Klavier – und führt seit einigen Jahren durch das Programm. Seit wann genau? „Das weiß ich ehrlich gesagt selbst nicht mehr“, sagt er lachend.
Was die Bigband spielt, ist kein Feierabend-Swing. Es ist, um im Bild zu bleiben, das „Olympia-Reck-Programm“. Anspruchsvoll, technisch fordernd, musikalisch komplex. Und das für Amateure. Musiker im Alter von 18 bis 58 Jahren investieren Stunden über Stunden: häusliches Üben, wöchentliche Proben von zwei bis zweieinhalb Stunden, vor dem Konzert ein Probentag.
Musikalischer Leiter Tobias Wiedenmann bewundert seine Band
„Das ist vogelwild, was die an Zeit investieren“, sagt Wiedenmann – und meint es bewundernd. In einer Zeit, in der Ehrenamt keine Selbstverständlichkeit mehr ist, ist dieses Engagement alles andere als gewöhnlich. Viele Vereine ringen um Vorstände, um Nachwuchs, um Verlässlichkeit. In der Bigband kommen sie – freiwillig, regelmäßig, motiviert.
Auffällig ist dabei ein Paradox: Gerade jene, die beruflich stark gefordert sind, bringen sich auch hier mit voller Kraft ein. Dienst nach Vorschrift? Fehlanzeige. Wer hier sitzt, will mehr. Will wachsen. Sich nach oben orientieren – musikalisch wie menschlich.
Das Konzert am Gymnasium Wertingen findet am 1. März statt
Ist das Jahreskonzert eine lokale Angelegenheit? Ja, vor allem. Die Wertinger kennen „ihre“ Musiker, wissen um die Qualität, kommen wieder. Und doch zeigte schon das erste Genesis-Programm, dass die Strahlkraft über die Stadtgrenzen hinausreicht.
Vielleicht ist es das letzte Jahreskonzert in diesem Format. Vielleicht wartet im kommenden Jahr etwas Neues. Ein kleines Antäuschen in Richtung Zukunft erlaubt sich der Leiter schon. Mehr wird noch nicht verraten. Sicher ist aber: Am Sonntag, 1. März, ab 17.30 Uhr gibt es im Forum des Gymnasiums Wertingen eine weitere „Hot Night“ .
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