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Abwärtstrend
20.07.2012

Immer weniger Au-pairs in deutschen Familien

Viele Eltern suchen eine gute Betreuung für ihre Kinder, ein Au-pair-Mädchen finden sie aber immer seltener.
2 Bilder
Viele Eltern suchen eine gute Betreuung für ihre Kinder, ein Au-pair-Mädchen finden sie aber immer seltener.
Foto: Jan Woitas, dpa

Die Zahl der Bewerberinnen aus dem Ausland hat in den vergangenen Jahren stark abgenommen. Vermittlungsagenturen stecken in der Krise. Die Gründe sind vielfältig.

Immer häufiger muss Karin Kühn Familien enttäuschen. Für die Au-pair-Vermittlerin aus Augsburg ist es schwerer geworden, Mädchen aus dem Ausland zu finden, die an einem Aufenthalt bei einer deutschen Gastfamilie interessiert sind. „Die Zahl ist extrem zurückgegangen“, klagt Kühn. Von 77 vermittelten Au-pairs 2002 auf vier im vergangenen Jahr.

15 Prozent der Unternehmen schließen

Kühn arbeitet bei der In-Via-Au-pair-Agentur, die zum Caritasverband gehört – und mit ihrem Problem nicht allein ist. Innerhalb von zehn Jahren hat die Anzahl ausländischer Au-pairs in Deutschland um ein Drittel abgenommen. Für viele Vermittlungsagenturen ist diese Entwicklung existenzbedrohend. 15 Prozent der Unternehmen mussten im vergangenen Jahr schließen.

„Viele Agenturen stehen wirtschaftlich sehr schlecht da“, sagt Cordula Walter-Bolhöfer von der Dr.-Walter-GmbH, einem Anbieter von Au-pair-Versicherungen, der seit 2004 Studien zum Au-pair-Wesen in Deutschland erstellt. Für die jüngste Konjunkturumfrage hat das Unternehmen mit über 200 Vermittlern gesprochen. Das Ergebnis fasst Walter-Bolhöfer so zusammen: „In Deutschland kann mittlerweile von einem regelrechten Agentur-Sterben gesprochen werden.“

Doch warum geht ausgerechnet im Zeitalter der Globalisierung und der offenen Grenzen die Zahl der Au-pairs zurück? „Das ist ja gerade das Problem“, sagt Walter-Bolhöfer. Früher kamen die meisten Au-pairs etwa aus Polen oder der Slowakei. Doch seit diese Länder Mitglied der Europäischen Union sind, gibt es für junge Osteuropäerinnen viele andere Möglichkeiten, im Ausland zu arbeiten.

Konkurrenz aus dem Internet

Der Augsburger Vermittlerin Kühn macht vor allem die Konkurrenz aus dem Internet zu schaffen. „In Foren suchen junge Mädchen auf eigene Faust nach Gastfamilien“, sagt sie und warnt: „Das ist gefährlich, denn man weiß ja nie, wer da dahintersteckt.“

Überrascht hat Walter-Bolhöfer, dass im Zuge der Finanzkrise nicht mehr Au-pairs nach Deutschland gekommen sind. Die Zahl der Bewerberinnen aus Spanien habe sich im Vergleich zu 2010 sogar verringert. „Das verwundert angesichts der hohen Arbeitslosenquote unter spanischen Jugendlichen.“ Die Unternehmerin befürchtet, dass in den nächsten Jahren weitere Agenturen schließen werden.

Diese Entwicklung macht Susanne Caudera-Preil von der Landsberger Vermittlung Abroad Connection keine Angst. Zumindest nicht in Bezug auf ihr eigenes Unternehmen. Doch Caudera-Preil ist auch Mitglied im Vorstand des Bundesverbands der Au-pair-Vermittler und sorgt sich daher um die kleineren Agenturen. „Wer wenig Partner-Agenturen im Ausland hat, wird weiterhin Probleme bekommen.“

Mangel an Betreuungsplätzen schafft Arbeitsplätze

Caudera-Preil selbst hat heuer bisher mehr Au-pairs vermittelt als in den Jahren zuvor. Dies hänge auch mit dem Mangel an Betreuungsplätzen zusammen. Um jemanden zu haben, der sich um die Kinder kümmert, seien immer mehr Familien auf der Suche nach einem Au-pair.

Walter-Bolhöfer hat noch eine andere Erklärung, warum die etablierten Agenturen der Branchen-Krise trotzen: „Die großen Unternehmen profitieren davon, dass kleinere schließen müssen.“

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