Der Augsburger Autowaschanlagen-Hersteller Washtec denkt offenbar darüber nach, ein Fünftel seiner rund 800 Arbeitsplätze von Deutschland ins Ausland zu verlagern. Laut IG Metall droht die Verlagerung von etwa 160 Stellen nach Tschechien und Indien. Ein Sondertarifvertrag, der einerseits längere Arbeitszeiten, andererseits eine Beschäftigungsgarantie beinhaltet, läuft zum Jahresende aus.
Die Verhandlungen über einen Anschlussvertrag sind nun so massiv ins Stocken geraten, dass die IG Metall die Verhandlungen für gescheitert erklärte. Unklar ist, wie es nun weitergeht.
Die IG Metall teilte am Dienstag besorgt mit, dass nun eine Stellenverlagerung ins Ausland absehbar sei. In der Tat gibt es offenbar schon seit längerer Zeit derartige Überlegungen im Unternehmen. Washtec-Vorstandssprecher Thorsten Krüger bestätigte, dass eine Stellenverlagerung eine Möglichkeit sei. Momentan würden aber noch keine konkreten Schritte in diese Richtung unternommen. "Als Ziel streben wir einen Beschäftigungserhalt an", sagte Krüger.
Der Sondertarifvertrag, über den man sich zerstritt, sollte offenbar eine Beschäftigungs- und Standortgarantie für die kommenden zwei Jahre beinhalten. Im Gegenzug hätten für diesen Zeitraum zwei Millionen Euro in Absprache mit dem Betriebsrat eingespart werden sollen. Einig ist man sich in keinem Punkt. "Wir wurden beim letzten Treffen überraschend mit einem völlig neuen Eckpunktepapier konfrontiert", sagte Christiane de Santana von der IG Metall. Man habe bisher unklare Absprachen lediglich verbindlich formuliert, widerspricht Krüger. Weitere Gespräche sind vorläufig nicht geplant.
Washtec ist insgesamt gut durch die Wirtschaftskrise gekommen. Kurzarbeit war fast kein Thema, in den Quartalsberichten 2010 ist von einer Belebung der Auftragslage die Rede. Allerdings, so schränkt Krüger ein, liege das daran, dass man neue Märkte im Ausland erschlossen habe. In Europa habe sich der Markt noch nicht erholt. Darum sei ein Sondertarifvertrag nötig.
Washtec gilt als größter europäischer Waschanlagenhersteller. Täglich werden nach Unternehmensangaben zwei Millionen Autos durch Anlagen des Unternehmens gereinigt. Weltweit zählt das börsennotierte Unternehmen, das vor zehn Jahren aus der Fusion von CaliforniaKleindienst und Wesumat hervorging, rund 1500 Beschäftigte, davon 600 in Augsburg. Weltweit sind rund 30 000 Waschanlagen installiert. Der Umsatz von Washtec lag im vergangenen Jahr bei rund 256 Millionen Euro. Von Stefan Krog