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Die teuersten Baren sind ausverkauft: Goldene Aussichten

Die teuersten Baren sind ausverkauft

Goldene Aussichten

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    Gold steht weiter ganz oben auf den Kaufzetteln von Investoren. dpa
    Gold steht weiter ganz oben auf den Kaufzetteln von Investoren. dpa

    Die Antwort auf die weltweite Schuldenkrise steht in der Eingangshalle der Augsburger Aktienbank und sieht aus wie ein gelb bemalter Fahrkartenautomat der Deutschen Bahn. Wer das Gerät mit Bargeld oder seiner EC-Karte füttert, bekommt aber kein Ticket, sondern Gold. Auf dem Bildschirm leuchten die verschiedenen Angebote: Der Ein-Gramm-Barren kostet 69 Euro, für 100 Gramm zahlt man 4095 Euro. Diese Maschine spuckt tatsächlich Edelmetall nach Bedarf aus, zur Auswahl stehen auch Goldmünzen wie der Krügerrand.

    Das Prinzip „Gold to go“ trifft den Nerv der Zeit. Warum sollte es nur Kaffee zum Mitnehmen geben? Jetzt, da die Menschen zunehmend das Vertrauen in die Politik und den Euro verlieren, kann man mal eben in der Mittagspause in die Altersvorsorge investieren.

    Der schwächelnde Dax und milliardenschwere Rettungsschirme schüren die Angst, die gemeinsame europäische Währung werde kräftig an Wert verlieren. Die Angst vor einer weiter zunehmenden Inflation erfasst immer mehr Menschen in Deutschland. Als vermeintlich sicheren Hafen in stürmischen Zeiten flüchten Anleger in Gold. Der Preis für eine Feinunze lag Anfang der Woche bei 1911 Dollar, der höchste Stand aller Zeiten.

    Auch am Goldautomaten zeigt sich die hohe Nachfrage. Der teuerste Barren mit 250 Gramm für rund 10.000 Euro ist derzeit ausverkauft. Senta Stroeks von der Betreiberfirma Ex Oriente Lux bestätigt, dass es in den vergangenen Wochen zu Engpässen beim Nachschub kam: „Die Geschäfte laufen gut, unsere Umsätze haben sich im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht.“ Die Reutlinger Firma hat die Geräte mittlerweile in der ganzen Welt aufgestellt: Mailand, Las Vegas, Dubai, Augsburg. Der Glaube an die Unverwüstlichkeit des Goldes scheint überall fest in den Köpfen verankert zu sein.

    Wer sich trotz der neuesten Entwicklung von einem Fachmann beraten lassen möchte, bevor er Tausende Euro in das Edelmetall investiert, landet zum Beispiel bei Bernhardin Sedlmeir. Der Kundenbetreuer der Stadtsparkasse Augsburg hat auch festgestellt, dass die Menschen verunsichert sind – vor allem was die Stabilität des Euro anbelangt. Das Goldfieber sei aber nicht ausgebrochen. „Ich kann da bisher überhaupt keine Hysterie feststellen“, sagt Sedlmeir. Er rät ohnehin dazu, nur fünf Prozent des Vermögens in Gold zu investieren. Denjenigen, die sich für das Thema interessieren, zeigt er eine Grafik. Darauf ist der Goldwert der vergangenen zehn Jahre verzeichnet: Die Kurve zeigt zwar steil nach oben. Selbst wer erst im Jahr 2008 sein Geld in das Edelmetall angelegt hat, konnte jetzt zum doppelten Preis verkaufen. Aber wer wusste das schon im Jahr 2008?

    Für die Banken allerdings lohnt sich das nur bedingt. Viele Geldinstitute haben sich aufgrund der kleinen Margen aus dem physischen Goldgeschäft zurückgezogen. Davon wiederum profitieren private Handelshäuser, wie Pro Aurum mit Sitz in München. Hier verkaufen die Mitarbeiter derzeit drei Mal so viel Gold wie sonst. Den Andrang können sie zum Teil nicht bewältigen, die Schlange reichte in den vergangenen Wochen oft bis hinaus auf den Gehsteig. „Vor einigen Jahren war der klassische Anleger männlich und zwischen 40 und 50 Jahre alt“, sagt Sprecher Benjamin Summa. Heute hingegen sei die Käufergruppe bunt gemischt, Männer wie Frauen, Ältere wie Jüngere. „Häufig sehen wir jetzt auch informierte Kunden im Auszubildendenalter.“

    Aktuell verliert der Goldpreis wieder an Wert. Platzt nun etwa doch eine gigantische Edelmetall-Blase? „Nein, nein“, versichert Summa. Das Rekordhoch von 1900 Dollar habe jetzt nur vermehrt Anleger angelockt, die ihre Chance sehen, hohe Gewinne mitzunehmen. „Mittlerweile gibt es bei uns genauso viele Verkäufer wie Käufer, vorher haben gerade mal fünf Prozent verkauft“, sagt der Pro-Aurum-Sprecher.

    Die Cleveren, die sich schon vor Jahren mit Gold eingedeckt haben, machen nun also Kasse dank den Ängstlichen, die sich ein Stück Sicherheit beschaffen wollen. Beim Preis sieht Summa aber bei weitem noch nicht das Ende des Höhenflugs erreicht. Selbst die Kursprognosen vieler Analysten von 2200 bis 2500 Dollar je Feinunze, bezeichnet er langfristig als „sehr konservativ.“

    Goldhändler blicken gerne auf das Jahr 1980 zurück. Damals gab es einen echten Goldboom, viele Menschen investierten in das Edelmetall. Zu dieser Zeit sollen bis zu 35 Prozent der Deutschen Gold in Form von Barren oder Münzen besessen haben. „Heute sind es nur acht Prozent“, sagt Summa. Verglichen damit gibt es also noch reichlich Luft nach oben. Gold findet sich aber nicht nur an den offiziellen Handelsplätzen, sondern immer öfter auch unverhofft an Autobahnraststätten. Mittlerweile täuschen dort Kriminelle einen Unfall vor oder geben an, der Sprit sei ausgegangen. Sie bitten dann Autofahrer, ihnen mit 50 bis 150 Euro aus einer finanziellen Notlage zu helfen. Als Gegenleistung bieten sie angeblich hochwertigen Familienschmuck wie Ringe oder Halsketten an, die natürlich Imitate sind.

    Wer auf sein Bauchgefühl hört, müsste von solchen Geschäften Abstand nehmen. „Es kann aber durchaus sein, dass die Aussicht auf ein vermeintlich gutes Goldgeschäft die Menschen blendet“, vermutet Sebastian Herre vom Landeskriminalamt Bayern. Die Beamten erfahren wohl auch nicht von allen Betrugsfällen auf Standstreifen und Parkplätzen, weil sich viele Opfer später schämen, dass sie so gierig und leichtsinnig waren.

    Der Mythos vom Gold als Rettungsanker in dunklen Krisenzeiten ist vitaler denn je. Er leuchtet aus goldenen Automaten, Händler beschwören seine scheinbar endlose Kraft und er überstrahlt sogar die plumpen Tricks von Betrügern an Raststätten.

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