Startseite
Icon Pfeil nach unten
Wirtschaft
Icon Pfeil nach unten

Messe in Augsburg: Americana: "Goldgräberstimmung" in der Pferdebranche

Messe in Augsburg

Americana: "Goldgräberstimmung" in der Pferdebranche

  • |
  • |
  • |
    Die Americana in Augsburg. Bild: Anne Wall
    Die Americana in Augsburg. Bild: Anne Wall

    Melanie Wohlkinger lässt drei große Einkaufstüten fallen. „Moment schnell, i hab grad so viel Klump dabei“, sagt die Österreicherin zu einer Verkäuferin auf der Augsburger Westernreitmesse Americana. Die 18-Jährige greift in ihre Handtasche und holt den Geldbeutel heraus. Sie legt sechs Euro auf den Tresen. „Des passt so“, sagt die Reiterin. Gekauft hat sie ein schwarzes Haarnetz mit Glitzersteinen für ihr Pferd. Auf Turnieren würde sich das sehr gut machen, sagt sie.

    Wohlkinger ist seit sechs Uhr morgens unterwegs. Mit ihren Eltern und zwei Freundinnen ist sie aus Linz angereist, um gleich am ersten Tag auf der Americana einzukaufen. „Das machen wir alle Jahre wieder“, sagt die Frau. Aus ihren Einkaufstaschen schimmern eine Pferdedecke im Tigermuster und eine pinke Regenjacke. Auf der Americana finde sie immer etwas Besonderes für sich und ihr Pferd. „Man hat hier eine große Auswahl, die gibt es sonst nirgends.“ Das lässt sich Wohlkinger auch etwas kosten: Noch vor dem Mittagessen hat sie knapp 200 Euro ausgegeben.

    Nach einer Studie des Marktforschungsinstitutes IPSOS betreiben rund 1,7 Millionen Menschen in Deutschland regelmäßig Pferdesport. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) geht davon aus, dass Pferdefreunde im Jahr rund 2,6 Milliarden Euro für laufende Kosten ausgeben. Der Gesamtumsatz liege geschätzt bei über fünf Milliarden Euro. Immer mehr Firmen beschäftigen sich deshalb mit dem Thema Pferd. In Deutschland sind es mehr als 10 000.

    Das Unternehmen Julius Zorn (Juzo) aus Aichach ist bekannt für seine medizinischen Stützstrümpfe. Zum zweiten Mal steht Produktmanagerin Sonja Leppelmann auf Europas größter Westernreitmesse in Augsburg. Denn vor einem Jahr hat die Firma auch Stützstrümpfe für Pferde auf den Markt gebracht. „Wir hätten nicht gedacht, dass dieses Produkt ein so breites Spektrum hat“, sagt Leppelmann. Mittlerweile werden die Bandagen für 175 Euro bei Sport- und Turnierpferden eingesetzt. „Das Produkt läuft ganz gut an“, so die Juzo-Mitarbeiterin.

    In diesem Jahr nehmen 239 Aussteller aus neun Ländern an der Messe in Augsburg teil. Bis zum Sonntag werden rund 40 000 Besucher erwartet. „Wofür die Gäste am meisten ausgeben, ist schwer zu sagen“, sagt Americana-Sprecher Winfried Forster. Umfragen aus den vergangenen Jahren hätten jedoch ergeben, dass ein Besucher mindestens 200 Euro auf der Messe lässt.

    Dass die Reiterbranche ein wachsender Markt ist, bestätigt auch der Aussteller Wolfgang Day. Er verkauft Zubehör für Westernreiter. Der große „Boom“ sei jedoch vorbei. „Das Angebot ist zu groß“, sagt der Geschäftsmann aus Baden-Württemberg. Mittlerweile gebe es zu viele Händler. „Es herrscht regelrechte Goldgräberstimmung“, sagt Day.

    Helmut Barina von der Firma Natusat Pflegeprodukte aus Gersthofen findet außerdem, dass sich das Kaufverhalten der Reiter verändert hat. „Die Tendenz geht wieder zu mehr Qualität“, sagt der Geschäftsführer. Leute würden zwar gezielter einkaufen – aber weniger. Aus seiner Sicht gibt es aber zu viele Messen und diese würden für Aussteller immer teurer. Dagegen verzeichnet Natusat immer mehr Aufträge via Internet. „Früher hatten wir vielleicht fünf Online-Bestellungen am Tag“, sagt Barina. Mittlerweile seien es bis zu 50.

    Diesem Trend folgen auch die Kunden von Alexander Grundler. Er ist Geschäftsführer der Firma Averde aus Landsberg am Lech. Das Unternehmen ist ein Spezialist für Stallausrüstung und Tränketechnik. „Die Leute wollen weniger Tüten schleppen“, sagt er. Grundler verzeichnete zuletzt rückläufige Umsätze, auch wenn auf der Americana insgesamt die Geschäfte besser denn je laufen. Dennoch will der Unternehmer aus Landsberg weiter an der Pferdeschau teilnehmen. Die Veranstaltung sei für seine Firma nach 15 Jahren schon eine Art Hausmesse.

    Auch in Zukunft dürfte die Americana mehr Interessierte anlocken: Die Zahl der Western- und Freizeitreiter steigt, während andere Reitvereine Mitglieder verlieren. Der Verband für Freizeitreiter und Fahrer sieht einen Zusammenhang mit den Kosten. Freizeitpferde seien meist günstiger als Turnierpferde.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden