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Porträt: Was macht Air-Berlin-Gründer Hunold?

Porträt

Was macht Air-Berlin-Gründer Hunold?

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    Hunold im Jahr 2006. Damals ging Air Berlin an die Börse und kaufte die Fluggesellschaft dba. Ein Jahr später kam der Ferienflieger LTU hinzu.
    Hunold im Jahr 2006. Damals ging Air Berlin an die Börse und kaufte die Fluggesellschaft dba. Ein Jahr später kam der Ferienflieger LTU hinzu. Foto: Dedert, dpa

    Früher war er nie um einen guten, oft frechen Spruch verlegen. Heute schweigt Joachim Hunold, wenn er auf die Pleite von Air Berlin angesprochen wird. Der 67-Jährige mag über den Sturzflug des von ihm einst zur siebtgrößten europäischen Airline aufgebauten Unternehmens nicht reden. Auf Nachfragen hatte der Manager zuletzt abgewinkt und zu Journalisten gesagt: „Vielleicht später einmal.“

    Das selbst auferlegte Schweigegelübde muss dem Rheinländer schwerfallen. Aber Hunold gehört zwar seit seinem Rücktritt als Air-Berlin-Chef im Jahr 2011 nicht mehr dem Management der Fluglinie an. Er sitzt aber im Aufsichtsrat, was seine verbale Abstinenz erklären mag. Beobachter meinen, der einst kräftige Mann mit dem kahlen, großen Kopf und dem jovialen Lächeln sei hagerer geworden, ja all den Turbulenzen überdrüssig.

    Was Hunold sicher am meisten schmerzt: Das, was der Unternehmer am besten kann – nämlich kämpfen – bringt nichts mehr. Sein Lebenswerk, das er von 1991 an, zunächst als Ferienflieger nach Mallorca, aufgebaut hat, liegt in Trümmern. Das trifft auch ihn finanziell, wenn Informationen des Spiegels zutreffen. Denn danach hielt Hunold zuletzt noch 2,3 Millionen Aktien an Air Berlin. Gestern dümpelte der Wert um rund 0,4 Euro. Seit 2007 und damaligen Notierungen von knapp 20 Euro hat das Papier rasant an Höhe verloren.

    Air Berlin: Joachim Hunold will zur Pleite seines Unternehmens nichts sagen

    Daran änderte auch nichts, dass der hemdsärmelige Hunold sich als seinen Nachfolger an der Air-Berlin-Spitze den noch hemdsärmeligeren früheren Bahn-Chef Hartmut Mehdorn ausgesucht hatte. Immerhin gelang es Mehdorn mit den Scheichs aus Abu Dhabi und ihrer Fluglinie Etihad einen Großaktionär an Bord zu holen. Doch im Nachhinein erwies sich die Partnerschaft als Missverständnis.

    Die Chronologie von Air Berlin

    1978: Gründung als Chartergesellschaft durch den Ex-Pan-Am-Piloten Kim Lundgren. Erstflug am 28. April 1979 von Berlin-Tegel nach Mallorca. Die Flotte umfasst zwei Maschinen.

    1991: Im April kauft der LTU-Manager Joachim Hunold die Mehrheit der Anteile. Es gibt kurz darauf 15 Flüge pro Tag.

    1998: Mit dem Mallorca Shuttle Einstieg ins Linienfluggeschäft

    2004: Einstieg bei der Fluggesellschaft Niki des früheren Rennfahrers Niki Lauda

    2006: Börsengang und Kauf der Fluggesellschaft dba

    2007: Kauf des Ferienfliegers LTU, damit auch Interkontinentalflüge

    2008: Air Berlin rutscht in die roten Zahlen, ein erstes Sparprogramm folgt. Die Übernahme des Ferienfliegers Condor scheitert.

    2011: Hunold wirft das Handtuch, Hartmut Mehdorn übernimmt. Ein weiteres Sparprogramm kommt. 18 der 170 Maschinen werden verkauft.

    2012: Die arabische Staatsairline Etihad erhöht ihren Anteil von knapp 3 auf 29,2 Prozent und stützt die Fluglinie mit Millionen. Ein neues Sparprogramm beginnt.

    2013: Wolfgang Prock-Schauer wird Vorstandschef und verschärft das Sparprogramm. Jeder zehnte Arbeitsplatz fällt weg, die Flotte schrumpft auf 142 Maschinen.

    2015: Im Februar löst Stefan Pichler den glücklosen Prock-Schauer ab. Air Berlin macht 447 Millionen Euro Verlust - so viel wie nie.

    2016: Nach einem juristischen Tauziehen kann Air Berlin den größten Teil der wichtigen Gemeinschaftsflüge mit Etihad weiter anbieten. Die Zahlen bessern sich nicht. Gespräche mit Lufthansa über einen Verkauf von Geschäftsteilen beginnen. Mit einem tiefgreifenden Umbau und der Streichung von bis zu 1200 Arbeitsplätzen will Air Berlin seine Krise überwinden. 

    2017: Air Berlin bekommt einen neuen Chef. Der Lufthansa-Manager und früheren Germanwings-Chef Thomas Winkelmann wird Vorstandschef. Air Berlin führt ihren Flugbetrieb in zwei getrennten Geschäftsfeldern weiter: Langstreckenflüge und Städteverbindungen in Europa werden zusammengefasst, Urlaubsflüge unter der Marke Niki geführt. Lufthansa erklärt sich bereit, Air Berlin zu übernehmen, wenn der Großaktionär Etihad zuvor die Schulden übernähme.

    15. August 2017: Air Berlin meldet Insolvenz an. Zuvor hatte Etihad seine finanzielle Unterstützung eingestellt.

    27. Oktober 2017: Der letzte Flieger von Air Berlin landet in Berlin.

    Die Scheichs wollten die patriarchalische Welt des Firmen-Gründers am Ende nicht mehr am Leben erhalten. Dabei werden die Konstruktionsfehler der Hunold AG in den Tagen der Insolvenz heiß diskutiert: Auf alle Fälle war das Unternehmen zu komplex. Air Berlin versuchte alles zu sein: eine Gesellschaft für Feriengäste und Geschäftsreisende, eben eine Airline, die Kurz-, Mittel- wie Langstrecken bedient.

    Solch eierlegende Wollmilchsäue funktionieren in der Regel nur in Manager-Träumen, nicht im Alltag. Früher, als Hunold sich noch auf seine Rolle als Ferienflieger und Mallorca-Experte konzentriert hatte, galt er als deutscher Super-Unternehmer. Er ließ sich im Wohlgefühl des Erfolgs von Mitarbeitern duzen. Für sie war er „der Achim“, der auf Betriebsfesten Bier ausgeschenkt hat, Nächte durchfeierte und gegen Betriebsräte, Gewerkschafter sowie „grüne Tussis“ polemisierte. Natürlich gibt es Fotos, die ihn zeigen, wie er umrahmt von zwei Air-Berlin-Stewardessen breit in die Kameras lächelt. Seine Hände umfassen die Hüften der Frauen.

    Air-Berlin-Gründer Hunold ist ein Typ wie Gerhard Schröder

    Das ist Air Berlin

    Air Berlin wurde 1978 gegründet.

    Die Fluggesellschaft Air Berlin ist mit dem Boom der Billigflieger groß geworden. Erfolg hatte Deutschlands zweigrößte Airline zunächst mit Flügen von Berlin nach Mallorca.

    2002 nahm sie Linienflüge in europäische Städte ins Programm. Nach einem radikalen Expansionskurs geriet das Unternehmen in eine Krise.

    Seit 2008 schreibt Air Berlin - mit einer Ausnahme durch den Verkauf des Vielfliegerprogramms - rote Zahlen.

    Im vergangenen Jahr betrug der Verlust rund 782 Millionen Euro, der Schuldenberg wuchs auf knapp 1,2 Milliarden Euro.

    Jahrelang hielt der arabische Großaktionär Etihad, der 29,2 Prozent der Anteile besitzt, die Airline mit Finanzspritzen in der Luft.

    Hunold, der mehrere Ehen hinter sich hat, ist ein Typ wie SPD-Mann Gerhard Schröder: Er kann überzeugen, Menschen motivieren und Dinge aufbauen, um am Ende anzuecken. Dabei hat der Manager und Vater von vier Kindern intensiv gelebt: Hunold machte sein Jura-Studium nicht fertig. Er schaffte es dennoch nach oben, kellnerte in der Düsseldorfer Altstadt und arbeitete als Roadie für eine Band von Marius Müller-Westernhagen. Dann ging es zum Urlaubsflieger LTU. Hier wurde der Aufsteiger eine große Nummer, bis er im Streit ausschied.

    Später, als Hunold Air Berlin mächtig aufgepäppelt hatte, zeigte er sich gern mit den Gottschalks und Christiansens der Republik. Das ist längst vorbei. Doch zumindest um seinen finanziellen Zustand muss man sich keine Sorgen machen. Nach Hunolds Aus als Air-Berlin-Chef war von einer Millionenabfindung die Rede. Und der Sylt-Fan arbeitet heute für den Frankfurter Mittelstands-Finanzierer Rantum Capital. Dort kümmert er sich laut Homepage um die Bereiche Transport, Touristik und Logistik.

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